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Am Instituto Antonio Próvolo, einer Schule für taube Kinder in der argentinischen Provinz Mendoza, gab es eine Nonne, die von den Schülern die „böse Nonne“ genannt wurde. Sie hätte die Kinder in der Schule verantwortungsvoll und liebevoll betreuen und fördern sollen. Stattdessen soll sie sie in Zimmer geschickt haben, wo sie von Priestern sexuell missbraucht wurden.

Nach einem Monat auf der Flucht wurde die 42-jährige „böse Nonne“ Kumiko Kosaka, am Freitag in Buenos Aires verhaftet und angeklagt. Sie wurde nicht nur wegen des Verdachts angeklagt, den Priestern beim sexuellen Missbrauch geholfen zu haben, sondern auch wegen körperlichen Missbrauchs.

Von 2004 bis 2012 hat Kosaka am Próvolo-Institut gelebt, wo es ihre Aufgabe war, die gehörlosen Kinder im Internat zu betreuen. Stattdessen soll sie die Schutzlosesten ausgebeutet und die Verbrechen ihrer Vorgesetzten vertuscht haben, behaupten Staatsanwälte nach einem Bericht des argentinischen Nachrichtendienstes Clarín.

Die Ermittlung gegen die Nonne wurde eingeleitet, nachdem ein 17-jähriges Mädchen behauptet hatte, dass Kosaka sie als 5-jähriges Mädchen gezwungen habe, in der Klasse eine Windel zu tragen, um das Bluten zu verbergen nachdem sie von einem Priester missbraucht worden war. Andere Opfer haben sich gemeldet und behauptet, dass auch Kosaka selbst sexuellen Missbrauch begangen habe und sie gezwungen habe, pornographische Filme zu schauen.

In einer Gerichtsverhandlung, die fast neun Stunden dauerte, hat Kosaka ihren Habit und eine kugelsichere Weste getragen. Sie hat alle Beschuldigungen dementiert: „Ich bin unschuldig. Ich wusste nichts von den Missbräuchen. Ich bin eine gute Person, die ihr Leben Gott gewidmet hat.“

Vor dem Gericht sagte Kosaka, die Beschuldigungen gegen sie seien „eine Methode, die die Familien der Opfer benutzt, um Geld zu bekommen.“ Laut ihr sei die Welle der Anschuldigungen gegen Priester und Nonnen „nichts anderes als eine Kampagne, um die Kirche in Verruf zu bringen, mit der Absicht, einen ganzen Orden zu entheiligen.“

Kosakas Verhaftung ist die jüngste Entwicklung in einem Skandal, der zu internen Ermittlungen im Vatikan und zu der Festnahme von fünf Männern geführt hat. Ende November wurden Reverend Nicola Corradi, 82, Reverend Horacio Corbacho, 55, sowie drei andere Männer verhaftet, nachdem pornographische Magazine und mehr als 30.000 Euro in Corradis Zimmer gefunden wurden. Mindestens 24 (ehemalige) Schüler des Instituts haben sich als Opfer gemeldet.

Eine die Frauen, die behauptet, an der Schule missbraucht worden zu sein, sagte: „Sie haben immer gesagt, es wäre ein Spiel: ‚Lass uns spielen gehen! Lass uns spielen gehen!‘, und dann haben sie uns zur Mädchentoilette geführt.“ Weil die Schüler alle taub waren, hätte niemand außer dem jeweiligen Täter und eventuellen Mitmachenden die Schreie der Kinder hören können.

Die beschuldigten Priester sitzen seit ihrer Festnahme in Gewahrsam. Sie haben sich bisher noch nicht öffentlich geäußert. Sollten sie für schuldig erklärt werden, könnten sie 10 bis 50 Jahre hinter Gittern verbringen müssen.

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