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Pauken, schwitzen, zittern, feiern- eine Achterbahn der Gefühl erlebte auch Yasmin Hillebrecht in den letzten Wochen. Sie legte wie viele andere in Deutschland in diesem Schuljahr ihre Reifeprüfung ab! Einzigartig ist, dass sie dies als erste gehörlose Schülerin an einer allgemeinbildenden Schule in Hamburg tat!

Es gab bereits Menschen mit Hörbehinderung, die in Hamburg das Abitur gemacht haben. Yasmin kann dem Unterricht ohne Gebärdensprache aber nicht ansatzweise folgen. Übers Ablesen oder nur durch die Schriftsprache hätte sie die Kompetenzen nicht erwerben können. Das war der erste Weg mit Gebärdensprache zum Abitur in Hamburg.

Bericht von Lehrerinnen und Lehrer

Lehrer und Lehrerinnen der Stadtteilschule Hamburg-Mitte und der Elbschule Hamburg haben einen Bericht veröffentlicht.

Seit dem Schuljahr 2014/15 besuchte Yasmin Hillebrecht die Stadtteilschule Hamburg-Mitte und wurde gemeinsam mit hörenden und schwerhörigen SchülerInnen bilingual unterrichtet. Ihr Unterricht wurde immer von zwei LehrerInnen in zwei Sprachen geplant und durchgeführt. Hierfür ordnete man LehrerInnen des Bildungszentrums „Hören und Kommunikation“, der Elbschule Hamburg an die Stadtteilschule ab.

Im sogenannten Zwei-Lehrer-System wurden alle SchülerInnen der bilingualen Klasse auf das Abitur vorbereitet. Das ist bisher in Deutschland einmalig. Die KollegInnen der Stadtteilschule unterrichteten in der Lautsprache und die KollegInnen der Elbschule simultan in Gebärdensprache. Didaktisch-methodisch bereiteten sie gemeinsam einen Unterricht vor, der auf die Lernvoraussetzungen der gehörlosen Schülerin, aber auch auf die Lernbedürfnisse aller anderen einging.

„Durch eine erfolgreiche Teamarbeit, eine große Methodenvielfalt, den Einsatz eines Tablets mit Spracherkennung und die regelmäßige Fortbildung aller LehrerInnen gelang es, dass die hörenden, schwerhörigen und gehörlosen SchülerInnen in Kontakt kamen, dem Unterricht gut folgen und miteinander auf vielfältige Weise kommunizieren konnten. Auch der freiwillige Besuch eines DGS-Kurses stand allen LehrerInnen und SchülerInnen offen.“

Es war für alle Beteiligten ein ganz neuer Weg, der vor drei Jahren beschritten wurde. „Es galt, alte Denk- und Handlungsmuster abzulegen, Barrieren einzureißen und neue Brücken zu bauen.“ Dank der Kreativität und eines starken Durchsetzungswillens seitens der LehrerInnen, viel Empathie und Offenheit der SchülerInnen und vor allem dank der Ausdauer und des Durchhaltevermögens von Yasmin können nun LehrerInnen, MitschülerInnen, ihre Eltern und sie selbst auf eine erfolgreiche Schulzeit in der Oberstufe zurückblicken. Mit Stolz und einem breiten Lächeln auf den Lippen entlassen die Stadtteilschule Hamburg-Mitte und die Elbschule Hamburg ihre erste gehörlose Abiturientin ins Leben.

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