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Finnlands Sozialversicherungsamt Kela (Abkürzung für „Kansaneläkelaitos“) ist verantwortlich für die Grundsicherheit der Menschen, die in Finnland wohnen. Auch für die Finanzierung vom Gebärdensprachdolmetschservice. Finnland war jahrzehntelang bekannt für einen hohen Standard im Bereich Gebärdensprachdolmetschen.

Ab nächstes Jahr wird alles ganz anders aussehen: Nur noch Dolmetscherinnen, die an der staatlichen Ausschreibung für den Zeitraum 2018 – 2022 teilnehmen und die Zulassung erhalten, werden bezahlt. Die Aufträge dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden. Die Dolmetscherinnen, die nicht zugelassen sind, sind weg vom Wettbewerb und bekommen auch kein Geld mehr. Etwa ein Viertel der Dolmetscherinnen für Finnische Gebärdensprache und Finnisch sind davon betroffen und sind ab dem 1. Januar 2018 arbeitslos.

Colin Allen, der WFD-Präsident, und Debra Russell, die WASLI-Präsidentin, sprachen in einem gemeinsamer Videostellungnahme auf Facebook von der Besonderheit dieser Tragik, denn Finnland war jahrzehntelang ein Vorbild für den Dolmetschservice. Finnland war bekannt für hohe Dolmetschausbildung.

Taube Dolmetscherinnen plötzlich ohne Berufsperspektive

Überstunden werden auch nicht mehr bezahlt. Auch wird der Einsatz von tauben Gebärdensprachdolmetscher ab 2018 nicht mehr bezahlt. Die tauben Dolmetscherinnen in Finnland sind plötzlich ohne berufliche Perspektive.

Die Reform ist tragisch für die finnische Gebärdensprachgemeinschaft. Dagegen machte sie sich seit Mitte Mai mobil. Die Kampagne #stopkela auf Facebook wurde Mitte Mai gestartet. An der Unterschriftenaktion nahmen 7.200 Menschen teil. Eine sehr hohe Zahl für eine kleine Gemeinschaft mit rund 5.000 tauben Menschen in Finnland. Trotz massiver Kritik von verschiedenen Seiten ist die Reform seit 19. September 2017 eine beschlossene Sache. Die Reform tritt Anfang 2018 in Kraft.

Der Finnische Gehörlosenbund (Kuurojen Liitto) sprach von einem traurigen Geschenk für die Gebärdensprachgemeinschaft im Jubiläumsjahr. Die Finnen erlangten ihre Unabhängigkeit am 6. Dezember 1917. Das Land feiert in diesem Jahr sein 100. Jubiläumsjahr.

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