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Als Emily Quinn Smyth 15 Monate alt war, haben Ärzte bestätigt, dass sie taub war. Mit zwei hat sie ein Cochlear-Implantat bekommen.

Heute ist die 23-jährige Australierin Masterstudentin in Ökologie. Bei einer Universitätsexkursion hat sie die anderen Studierenden auf die Probleme aufmerksam gemacht, denen Gehörlose und Schwerhörige in der Kommunikation oft begegnen. Dabei hat sie sich vorgestellt, wie es wohl wäre, wenn sie Gebärdendensprachler wäre.

Keine Gebärden für Biodiversität und Ökologie

Emily Quin Smyth (Foto: Sitthixay Ditthavong)

„Ich habe angefangen, danach zu schauen, ob es [in der Australischen Gebärdensprache, Auslan] Gebärden für Biodiversität gibt, Gebärden für Ökologie,“ sagte sie.

„Wie sich herausstellt, gibt es keine [Auslan-]Gebärden für diese Wörter und ganz wörtlich muss jeder Buchstabe mit dem Fingeralphabet gezeigt werden.“

Emily sprach bei der Frühstücksveranstaltung „Power of Speech“ vor Parlamentariern über diesen „Mangel an Vokabeln“.

Vor einigen Jahren wurde der empfundene Mangel an Auslan-Gebärden für den medizinischen Bereich gespürt, und daraus wurde das Projekt „Medical Sign Bank“ geboren. Dabei wurden die Gebärden gesammelt, die Gehörlose und ihre Dolmetscher in medizinischen Zusammenhängen verwenden. Diese Gebärden wurden dann ins Online-Wörterbuch integriert, damit sie für Gehörlose, Dolmetscher und Lernende auffindbar sind und eine breitere Anwendung finden können. Wo keine verbreiteten Gebärden gefunden wurden, wurden Videos hochgeladen, in denen der nachgeschlagene Begriff kurz erklärt wird.

Mangel an wissenschaftlichen Gebärden

Emily möchte auf den Mangel an wissenschaftlichen Gebärden aufmerksam machen. Dabei hofft sie, dass ein ähnliches linguistisches Projekt gestartet wird, damit Taube und Schwerhörige weniger kommunikative Probleme haben, wenn sie wissenschaftliche Studiengänge belegen möchten.

Lauren Reed ist Gebärdensprachlinguistin und Muttersprachlerin der Australischen Gebärdensprache. Sie erklärte: „Die Tatsache, dass es weniger Auslan-Gebärden für wissenschaftliche und technische Begriffe gibt, ist eigentlich ein Symptom der Tatsache, dass Gehörlose in den Wissenschaften und allgemein in der tertiären Bildung unterrepräsentiert sind. Es ist kein Anzeichen für einen ‚Mangel‘ an der Sprache selbst.“

Doktor Gabrielle Hodge, eine gehörlose Auslan-Gebärdende und Gebärdensprachlinguistin am University College London stimmte zu.

Sie sagte: „Eine Auswirkung dieser strukturellen Ungleichheit ist, dass es wenige Möglichkeiten dafür gibt, dass Auslan sich auf den kommunikativen Gebieten von Wissenschaften, Medizin und Jura entwickelt — es gibt wenige gehörlose Gebärdensprachler, die Auslan auf diesen Gebieten anwenden, weil es [für Gehörlose und Schwerhörige] so schwierig ist, dahin zu gelangen“

Dr. Hodge findet, das Hindernis sei nicht der Mangel an Gebärden für technische Begriffe, sondern der stetige Mangel an Finanzierung für Auslan-Dolmetscher und andere Unterstützungen, die benötigt werden, um den gleichen Zugang zu Bildung von der Primarstufe bis zur postakademischen Ausbildung zu sichern.

Nicole Lawder, Mitglied des Legislativrates des australischen Hauptstadtterritoriums (Australian Capital Territory Legislative Assembly), war bei „Power of Speech“. Sie sagte, Mitglieder der Gehörlosengemeinschaft seien starke Fürsprecher für Auslan als ihre Sprache, doch einen Aufruf, den Wortschatz der Sprache zu erweitern, müsse nicht als Kritik betrachtet werden.

„Es ist großartig, dass Emily diese Lücke erkannt hat“, sagte sie. „Wenn das zu einem neuen Wörterbuch der wissenschaftlichen Gebärden führt, kann das für zukünftige Lernende von Vorteil sein.“

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