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Am nächsten Morgen in der Pilgerherberge in Santo Domingo zog Fanie verärgert die Decke über ihren Kopf, denn einige Pilger standen schon um 5 Uhr morgens auf und bereiten mit dem Licht ihren Aufbruch vor. An manchen Tagen war sie dankbar, dass sie hier war und viele Erkenntnisse erlebte aber an manchen Tagen, wie diesen verfluchte sie den Jakobsweg jedoch einfach.

Wohin du auch gehst, geh mit deinem Herzen

Auf dem Weg ins 241 km entfernte León stieß sie auf ein paare Hindernisse: In Belorado beschloss sie mit dem Bus nach Burgos zu fahren, als es draussen in der Strömen regnete. Sie blickte aus dem Fenster und beobachtete die verregnete Landschaft. Sie war froh, dass sie nicht in diesem Regen pilgerte musste und am Ende eventuell krank im Bett in einer Herberge liegt. Später brach sie das Pilgern ab, um ihren schmerzhaften Wadenkrampf in einem Café in Tardajos zu kühlen. Ab Burgos wurde sie auf dem Weg immer mehr unruhig, denn der Weg war ruhig und öde. Auf dem langen, flachen und geraden Weg ohne Ziel im Blick tauchte ein Ort nur alle 10-12 km auf. Ihr war klar, dass dieser Weg fast 180 km lang ist. Sie dachte viel nach, hörte auf ihr Herz und entschied sich, auf diesen Weg zu verzichten. Es ist wichtig, auch mal verzichten zu können um das Ziel zu erreichen, betonte sie im Vlog. Denn sie wollte sich auf dem Weg wohlfühlen und brauchte mehr Abwechslung wie der Weg durch den Wald und über die Berge. Sie hat den Spruch „Für welchen Weg du dich auch entscheidest, sorge dafür, dass er dich glücklich macht.“ gelesen und ihn verinnerlicht. Sie war stolz auf ihre Entscheidung und ihren Mut, auf einen Teil des Weges zu verzichten und stieg in Frómista in einem Bus und fuhr 111km nach León.

Der Steinhaufen voller Sorgen und Lasten aus der Welt

In Foncebadón/Cruz de Ferro (510 km nach dem Start und 224 km vor SdC) legte sie einen Stein mit ihren aufgeschriebenen Gedanken auf den Steinhaufen mit dem Kreuz. Auf dem Steinhaufen ruhen alle Sorgen und Lasten aus der Welt. Fanie hat das sehr beeindruckt, sie dachte auf dem Weg dorthin viel über ihre vergangenen Sorgen nach und schrieb sie auf einem Stein nieder. Mit dem Stein befreite sie sich von diesen Gedanken und amtete tief auf. Sie fühlte sich auf diese Weise irgendwie leichter und ging den Weg nach Molinaseca weiter.

Je näher das Ziel rückte, desto mehr genoss sie den Weg bewusster. Denn das Ziel schien nicht mehr unerreichbar und der harte Kampf bisher war geschafft. Mit dem unbeschreiblichen Gefühl kam sie in Lavacolla (nur noch 9km vor SdC) an. Mit voller Motivation informierte sie ihre Leser/innen bei Facebook über die ungefähre Uhrzeit, zu der sie in Santiago de Compostala ankommen wird. Es sollte live gezeigt, wenn sie am Ziel ankam.

Endlich am Ziel!

So verfolgten viele Gehörlose bei Facebook, wie Fanie am 19. Mai endlich überglücklich und erschöpft am Ziel ankam. Ihre Lebensgefährtin hat gefilmt, wie sie sich einfach gebärdenlos vor die Kirche auf dem Boden hockte und ungläubis um sich schaute, dass sie wirklich endlich angekommen war. Dann holte sie ihre Pilger-Urkunde ab, indem sie ihren Pilgerausweis mit Stempeln von allen Orten, an denen sie auf dem Jakobsweg vorbeiging, vorlegte. Man soll die 100km bis SdC durchlaufen, um die Urkunde zu kriegen.

Am nächsten Tag fuhr sie mit ihrer Lebensgefährtin Marian weiter nach Fisterra „Am Ende der Welt“ (ca 80km von SdC entfernt) ans Meer. Da wo der Jakobsweg wirklich endet und nicht schon in Santiago de Compostela. Sie warf wie viele andere Pilgerer ihre Wanderschuhe in den Abgrund ins Meer. Somit hat sie ihre Last endgültig weggeworfen und kann ihr neues Leben beginnen, worüber sie auf dem Pilgerweg viel nachdachte und Mut sammelte.

Heute erzählte Fanie, dass sie seit dem Jakobsweg viel über ihr Leben nachgedacht hat. Dass es nicht so weitergehen kann wie vor dem Jakobsweg. Auch wenn es eventuell einen Umzug in ein anderes Land bedeutet. Denn sie fühlte sich in Spanien heimisch, wo ihre Lebensgefährtin lebt. Das braucht aber auch viel Mut, sagte sie nachdenklich. Es muss auch gut überlegt werden, wie sie ihr zukünftiges Leben, das sie gern Leben möchte, finanzieren kann. „Der Jakobsweg hat mich mit meinem Körper, Kopf und Seele für einen Neustart vorbereitet. Jetzt weiß ich, was ich möchte. Jetzt muss ich ihn nur noch umsetzen.“ fasst sie ihren Weg auf dem Jakobsweg zusammen.

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