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An der Jubiläumsfeier vom Deutschen Gehörlosen-Bund e.V. am 21. Oktober 2017 in Bremen nahmen insgesamt 180 Gäste teil. Die Feier fand im Borgfelder Landhaus in Bremen statt.

Moderatorin Conny Khadivi (Foto: Marco Strauß)

Die Moderatorin des Abends war Conny Khadivi, die alle Gäste zunächst begrüßte und das Programm eröffnete. Sie betonte die Besonderheit der Feier und machte auch darauf aufmerksam, wie sich die Lebensbedingungen der Gehörlosen im Laufe der letzen 90 Jahre verbessert haben und was der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. dazu alles beigetragen hat. Nach einer kurzen Vorstellung der etwa 80 eingeladenen Gäste, begrüßte zunächst der Präsident, Helmut Vogel, alle Gäste und brachte seine Freude über den vollen Saal zum Ausdruck. Ebenso herzlich begrüßte er den Schweizer Gehörlosenbund und den einzigen anwesenden Politiker an diesem Abend, Hubert Hüppe von der CDU, der von 2009 bis 2013 Bundesbehindertenbeauftragter war. Er hat sich viel für die Gebärdensprachgemeinschaft engagiert.

Hubert Hüppe (Foto: Oliver Bardt)

Hüppe erinnerte uns daran, dass der Bund sich ehemals auch als Notgemeinschaft vereinigte, um für die Rechte der Gehörlosen in Deutschland zu kämpfen. Er hob besonders unsere Anliegen hervor, die gesellschaftliche Teilhabe sowie die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache durchzusetzen und lobte unsere Erfolge der letzten Jahrzehnte.

„Zusammenhalt, Engagement und Verantwortung“

Helmut Vogel beschrieb anschließend, was 90 Jahre Deutscher Gehörlosen-Bund e.V. bedeuten und bezog sich dabei auf die drei Stichworte: Zusammenhalt, Engagement und Verantwortung. Diese Worte sind besonders wichtig für die Vereinsgeschichte. Er bedankte sich für die nun 90 Jahre währende, ehrenamtliche Zusammenarbeit insbesondere von gehörlosen Menschen für die Interessen der Gehörlosengemeinschaft.

Vogel zeigte einen elfminütigen Film zur Geschichte des Deutschen Gehörlosen-Bundes. Der Film wurde von seinem Geschichtsbüro erstellt.

Prof. Dr. Ulrich Hase war der zweite Redner. Er ist der Ehrenpräsident und der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft der Hörgeschädigten – Selbsthilfe und Fachverbände e.V. Er betonte, dass es seit 170 Jahren eine starke Gehörlosenbewegung gibt, ohne die er sich ein Leben gar nicht mehr vorstellen kann. Die Gehörlosen hätten in dieser Zeit auch viele Erfahrungen mit Diskriminierung, Bevormundung durch Hörende und die Unterdrückung der Deutschen Gebärdensprache erdulden müssen.

Ab den 1980-er Jahren habe dann endlich ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Ulrich Hase ist schließlich auch der Meinung, dass Inklusion für die Gehörlosgemeinschaft heute nicht nur eine Chance ist, sondern auch eine Gefahr darstellen kann, wenn sie falsch verstanden wird.

Karl-Wacker-Ehrenplakette für drei Personen

Bei der Feier wurden drei Personen mit der Karl-Wacker-Ehrenplakette ausgezeichnet. Die Plakette wurde das erste Mal 1983 verliehen und seitdem wurden 29 Personen mit ihr ausgezeichnet. Die Ehrenplakette wird an Menschen verliehen, die sich aktiv für die überregionale Gehörlosenarbeit einsetzen.

Die erste Person, die an diesem Abend ausgezeichnet wurde, war der 75-jährige Herr Prof. Dr. Siegmund Prillwitz, der 1987 das Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser an der Universität Hamburg begründete und bis 2005 leitete. Er hat sich für die Anerkennung der Gebärdensprache als Minderheitensprache und gegen
den Oralismus eingesetzt und gekämpft.

Die zweite Person, die mit der Karl-Wacker-Ehrenplakette ausgezeichnet wurde, war Erhard Müller, welcher über Jahrzehnte hinweg hauptamtlich als Sozialberater in der Beratungsstelle für Hörgeschädigte und Gehörlose in Erfurt gearbeitet hat. Bereits zu Zeiten der DDR war er im damaligen Gehörlosen- und Schwerhörigenverband als Sekretär in der Bezirksorganisation Erfurt tätig. Außerdem war er ehrenamtlich als Vorsitzender des Landesverbandes der Gehörlosen Thüringen e.V. (1994-2010) und als Präsidiumsmitglied des Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. (1999-2009) tätig.

Schließlich erhielt als dritte Person Hans-Wolfram Kleefeld die Karl-Wacker-Ehrenplakette, welcher im Jahre 1963 mit seiner Vereinsarbeit begonnen hat und anschließend als Schriftführer, Vorsitzender und Ehrenvorsitzender des Gehörlosenvereins Nürnberg e.V. tätig war. Besonders hervorzuheben ist seine Gründung eines Kraftfahrervereins der Gehörlosen in Nürnberg, in dessen Rahmen er viele Kurse über Verkehrssicherheit angeboten hat. Über Jahrzehnte hinweg war er als Vorsitzender des Bezirksverbandes der Gehörlosen Mittelfranken e.V. ehrenamtlich tätig. Außerdem war er der erste gehörlose Erzieher in Deutschland und hat von 1972 bis 2004 hauptamtlich am Berufsbildungswerk für Hör- und Sprachgeschädigte Nürnberg gearbeitet. Des Weiteren führte er zahlreiche LBG-Kurse für Hörende durch.

Die letzten 4 noch lebenden Präsidenten

Foto: Oliver Bardt

Der Höhepunkt unserer Jubiläumsfeier war, als die letzten 4 noch lebenden Präsidenten des
Deutschen Gehörlosen-Bundes e.V. (Ulrich Hase, Gerlinde Gerkens, Alexander von Meyenn und Rudolf Sailer) und der aktuelle Präsident Helmut Vogel, gemeinsam auf der Bühne standen. Mit ihnen und allen Gästen hat das Präsidium mit einem Glas Sekt auf die Arbeit der letzten 90 Jahre und die weitere Zukunft des DGB angestoßen.

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