Seite 1 2 3 4 5 > >>

Verkürzter Versorgungsweg

WISO

Der "verkürzte Versorgungsweg" bei der Hörgeräteversorgung umgeht die Hörgeräteakustiker. Hörgeräte werden direkt vom HNO-Arzt vermittelt. Ob das wirklich vorteilhaft ist? Beim Hörgeräteakustiker sind Auswahl und Anpassung ein langwieriges und aufwändiges Verfahren, und es werden meist mehrere Geräte verschiedener Hersteller getestet. Das können HNO-Ärzte wohl kaum leisten.

Diese Problematik will das ZDF aufgreifen:
Für die Sendung WISO plant das ZDF eine Produktion über Vor- und Nachteile des verkürzten Versorgungswegs beim Kauf von Hörgeräten. Hierfür werden Hörgeschädigte gesucht, die sich von ihrem HNO-Arzt oder Hörgeräteakustiker unzureichend beraten gefühlt haben und dadurch günstigere Angebote nicht wahrnehmen konnten.

Betroffene senden bitte eine Mail an: jsmonitor@arcor.de

Auch Hörende haben eine Behinderung

Jule

Julia Probst (Jule) hat bei der Fußball-WM von sich reden gemacht mit ihrem "Ableseservice". Sie hat während der Fernsehübertragungen den Fußballern von den Lippen abgelesen und das dann getwittert. Sie ist sich aber auch darüber im Klaren, dass ihre Ablesefähigkeit eine Ausnahmebegabung ist, über die längst nicht jeder Gehörlose verfügt. Natürlich ist dieses Ablesen weder Ersatz für Untertitel noch für Dolmetscher. Für die setzt Jule sich seit langem vehement ein.

Das Medien-Portal MEEDIA hat Jule jetzt interviewt. Jule nimmt ausführlich Stellung zur Problematik der Untertitel im Fernsehen, besonders bei den privaten Sendern, sie lehnt die Abschaffung der Gebührenbefreiung ab und will erst dann zahlen, wenn 100% untertitelt werden, und sie fordert die 1:1-Untertitelung. Natürlich setzt sie sich auch dafür ein, dass DVDs nur dann Fördermittel erhalten, wenn sie untertitelt werden. Und sie zitiert abschließend einen "Follower" ihres Ableseservice: "Auch Hörende haben eine Behinderung – sie können nicht Lippenlesen."

Interview mit Jule: Auch Hörende haben eine Behinderung

Ich bin ICH - Identität und emotionale Entwicklung

GECO-Logo

Der Verein GECO (Gehörlose Eltern - CODA e.V.) wurde 2007 als Selbsthilfegruppe gegründet und im November 2009 als Verein eingetragen. Er bietet am Sonntag, den 13. Juni, einen Eltern-Vortrag an. Referentin ist Tanja Jokisch, hörende Diplom-Psychologin. Sie ist CODA und ihre Muttersprache ist deshalb DGS! Sie referiert in DGS - ohne Dolmis! Ihr Thema: "Ich bin ICH - Identität und emotionale Entwicklung".

Die Platzanzahl ist begrenzt, daher bitte anmelden. Kinderbetreuung ist vorhanden, allerdings nur für CODA-Kinder (hörende Kinder) ab 3 Jahren.

 

My deaf family

My deaf family

Marlee Matlin, gehörlose Oscar-Preisträgerin und bekannt aus einer Vielzahl von Filmen, wollte das Leben einer gehörlosen Familie in einer Fernsehserie, einer "Reality Show", darstellen. Die Produktion hat sie aus eigener Tasche vorfinanziert. Die Sender fanden den Pilotfilm auch Klasse, fürchteten aber, dass sich zu wenig Hörende den Film ansehen würden - und lehnten ihn ab. Marlee hat den Film kurzerhand bei YouTube hochgeladen. Nun können ihn Zuschauer auf der ganzen Welt sehen, mit ASL (American Sign Language) und englischen Untertiteln.

Die "deaf family" ist übrigens eine stinknormale deaf family, nicht zum Vorzeigen geschönt. Vier von den sechs Familienmitgliedern sind gehörlos, zwei Kinder hörend. Die CODAs sind stolz auf ihre Eltern, aber manchmal wäre es schon einfacher, wenn sie hören könnten. Und der Vater ist oral erzogen worden und hat erst als Teenager Gebärden gelernt. Statt "deaf is beautiful"-Fassade also das wirkliche Leben. Und Marlee Matlin selbst taucht gelegentlich auch in dem Film auf, als Moderatorin, aber nur am Rande.

Film My deaf family bei YouTube

Marlee Matlin launches reality series on YouTube - mit Interview

Erfahrungsaustausch gehörloser AltenpflegerInnen

nicht genug Arme, um alle Arbeiten zu schaffen

Es gibt immer mehr ältere Menschen. Entsprechend müsste es immer mehr AltenpflegerInnen geben. Aber gibt es die wirklich? Müssen die vorhandenen PflegerInnen nicht ständig rotieren, haben nicht genug Zeit für die alten Menschen und nicht genug Arme, um alle Arbeiten zu schaffen? Und wie sieht es in den Gehörlosen-Altenheimen aus? Gehörlose PflegerInnen sind da in Sachen Kommunikation optimal. Aber wie kommen sie im Alltag und mit ihren hörenden KollegInnen zurecht?

Ariane Philipps und Adelindis Braun sind als Gehörlose in der Altenpflege tätig. Sie wollen nicht länger Einzelkämpfer sein, sondern wünschen sich einen Erfahrungsaustausch mit gehörlosen KollegInnen. Wenn Sie auch daran interessiert sind, nehmen Sie doch Kontakt mit den beiden auf!

Am 23. April findet der Altenpflegetreff in Kassel statt (siehe unten).

Dr. Roland Zeh in sternTV

Vorgestern, am 24.02., berichtete sternTV u.a. über Dr. Roland Zeh (siehe unten). Im RTL-Stil ein wenig reißerisch unter dem Titel "Ertaubt und Chefarzt: Die sensationelle Karriere des Roland Zeh", aber inhaltlich OK - und eine Sensation ist es ja tatsächlich, wenn ein Spätertaubter HNO-Chefarzt wird!

Leider war es der allerletzte Beitrag in der Sendung. Wenn Sie ihn verpasst haben - hier bei uns können Sie den Film über Roland Zeh nachträglich sehen, und hier das sternTV-Interview mit Günther Jauch.

Ertaubt und Chefarzt: Die sensationelle Karriere des Roland Zeh

Übrigens hatte RTL den Beitrag offen untertitelt und beim Interview eine Dolmetscherin eingesetzt. Sehr schön! Dass Jauch bzw. RTL dann den von vielen Zuschauern geäußerten Wunsch nach mehr Untertiteln mit dem Hinweis auf Technik und Live-Sendung abschmetterte, war allerdings weder neu noch stichhaltig. Offensichtlich müssen die Privaten gesetzlich zur Untertitelung gezwungen werden. Dazu passt die Meldung "Frankreich: Privatsender M6 untertitelt vollständig". Sinnigerweise gehört der Sender zur Hälfte der RTL-Gruppe!

 

Ich schäme mich


Bild vergößern

Maximilian Dorner ist erfolgreicher Lektor, Dozent und Autor. Als bei ihm die unheilbare Nervenkrankheit Multiple Sklerose diagnostiziert wurde, war das für ihn ein gewaltiger Schock. Als junger Mann behindert zu sein, für den Rest des Lebens - unvorstellbar. Aber er versucht, das Beste daraus zu machen, z.B. indem er über sein Leben mit MS schreibt.

"Maximilian Dorner neigte schon immer zu Zahnpastaflecken auf der Kleidung, aber seitdem er als Behinderter
mit Stock durchs Leben geht, haben sich die schamvollen Momente gehäuft. Deswegen hat er beschlossen, sich der Scham zu stellen, und zwar mit Humor."

Am 25. Februar liest Maximilian Dorner aus seinem Buch "Ich schäme mich" im Deutschen Institut für Menschenrechte in Berlin. Die Lesung und das anschließende Gespräch werden in DGS gedolmetscht.

Von Flugzeugen, Spionen und CARE-Paketen

Alliiertenmuseum

Von Flugzeugen, Spionen und CARE-Paketen erzählt die Führung in Gebärdensprache von Anna-Kristina Mohos durch die Dauerausstellung des AlliiertenMuseums. An ausgewählten Objekten erläutert sie die Geschichte der Präsenz der Westmächte in Berlin von 1945 bis 1994. Die Besichtigung eines Luftbrückenflugzeuges von innen und eines "echten" Spionagetunnels machen die Nachkriegszeit und die Zeit des Kalten Krieges in Berlin besonders erfahrbar!
Neben der Führung besteht die Möglichkeit, einen Film mit einem gehörlosen Zeitzeugen in Gebärdensprache anzuschauen. Manfred Kranz ist mit seiner Schwester Renate in Berlin aufgewachsen und erzählt Spannendes aus seiner Kindheit in der unmittelbaren Nachkriegszeit. So erfahren die Zuschauer von seinen Tauschgeschäften mit amerikanischen Besatzungssoldaten, von der Jagd nach Schokoladenfallschirmen und dem Beginn einer wundervollen deutsch-amerikanischen Brieffreundschaft - immer auch mit Augenmerk auf der besonderen Situation gehörloser Menschen.
Dauer: Führung: ca. 75 Minuten, Film: ca. 45 Minuten
Mindestteilnehmerzahl: 5
Kosten: keine
Rechtzeitige Anmeldung unter: AlliiertenMuseum, Clayallee 135, 14195 Berlin, Tel.: 030 81 81 99 81, Fax: 030 81 81 99 91, birkemeyer@alliiertenmuseum.de

HASE-Stammtisch

HASE
Bild vergößern

HASE? Nein, das sind keine alten Hasen sondern eher junge: Hörgeschädigte Azubis und Studenten Erleben's! Und zwar jeden 1. Freitag im Monat in Stuttgart-Stadtmitte. Spaß muss sein, und Austausch bzw. Hilfestellungen unter Gleichgesinnten sind auch von Vorteil!

Zum HASE-Stammtisch sind ALLE herzlich willkommen, also egal ob Gehörloser, Schwerhöriger, Spätertaubter, CI-Träger – Student, Azubi oder auch Absolvent!

Das nächste HASE-Treffen findet am Freitag, 5. Februar 2010 um 19 Uhr im "AMADEUS" in Stuttgart statt.

Wenn Ihr Interesse habt, dann meldet Euch an: hase.stammtisch.in.stuttgart@googlemail.com

Revolutionäre Experimente

Melanie Drewke und Lutz Pepping

Seminare zu Themen wie "CI und Gebärdensprache" oder "Identität und Gehörlosigkeit" barrierefrei machen, das ging an der Uni Hamburg ganz anders als gewohnt. Unterrichtssprache war DGS, d.h. ALLE, sowohl die Dozentin als auch die gehörlosen und hörenden StudentInnen, haben in DGS referiert und diskutiert. Traumhaft für die gehörlosen und gebärdensprachkompetenten hörenden StudentInnen! Nur die in DGS nicht ganz so fitten Studis hatten Mühe. Aber für sie gab es Dolmis - und so Barrierefreiheit! Verkehrte Welt, aber wo, wenn nicht hier, kann und sollte in DGS gelehrt werden? Und so ganz nebenbei wurde deutlich, dass DGS keine Primitivsprache für den small talk ist, sondern sehr wohl auch dem akademischen Bereich gewachsen ist.

Melanie Drewke und Lutz Pepping hatten diese kleine Revolution angestoßen (s.u.). Jetzt haben sie über die ersten Erfolge berichtet: "Kommunikationsrevolution hat sich bewährt". Damit ist aber längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Sie machen weiter, und man darf gespannt sein auf ihren dritten Bericht.

Filmpremiere in Zürich: 'Verbotene Sprache'

Verbotene Sprache

Der Schweizerische Gehörlosenbund organisiert am 30. Oktober in Zürich eine Filmpremiere der besonderen Art. Es geht dabei um die schweizweite Erstaufführung des Films „Verbotene Sprache“ über den Gebärdensprachkünstler Rolf Lanicca.

Rolf erhält als erstes Kind in der Schweiz ein Cochlea Implantat. Medizin und Eltern trimmen Klein-Rolf, sich in der Welt der Hörenden zu integrieren. Erst als junger Erwachsener bricht er aus, lernt die Gebärdensprache und findet seine Identität als gehörloser Mensch. Heute drückt sich Rolf Lanicca virtuos als Gebärdensprachkünstler auf der Bühne aus und provoziert an Poetry Slams mit pointierten und provokativen Texten. Ein emotionaler Film über ein in der Welt der Hörenden vernachlässigtes Thema. Die Diskriminierung einer weiteren Landessprache – der Gebärdensprache.

Erlebte Geschichte: 20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit

friedliche Revolution

Diskussionsabend mit Volkmar Jaeger, Zeitzeuge aus Leipzig und Helmut Vogel, Historiker am Mittwoch, 7. Oktober 2009, 17.30 – 19.30 Uhr, Einlass 16.30
Rhein.- Westf. Berufskolleg Essen, Kerckhoffstraße 100, Essen-Frohnhausen
Gebärdensprachdolmetscherinnen sind im Einsatz, eine Induktionsanlage ist vorhanden.

Vor 20 Jahren begannen die Montagsdemonstrationen in Leipzig. Am 9. Oktober trafen sich dort - trotz willkürlicher Verhaftungen und Angst vor einem Schießbefehl - 70.000 Menschen zu einer gewaltlosen Demonstration. Das war der Durchbruch für noch größere Demonstrationen und das Ende des DDR-Regimes.
Wenig bekannt ist, dass auch Gehörlose regelmäßig an den Protestdemonstrationen teilnahmen. Volkmar Jaeger (81 Jahre, gehörlos) war Mitorganisator und wird auf der Veranstaltung über seine Erfahrungen berichten. Helmut Vogel (Historiker, gehörlos) wird den zeitgeschichtlichen Hintergrund erklären und das Podiumsgespräch mit Volkmar Jaeger führen.

'Taubstummer' junger Mann NICHT verschüttet

Nach dem Erdrutsch-Unglück wurde er vermisst, ein 22-jähriger Gehörloser aus Nachterstedt. Er war im Haus seines Vaters, das bei dem Erdrutsch in den Fluten versank, noch polizeilich gemeldet, hielt sich aber zumeist woanders auf. Gestern tauchte er an der Absperrung zum Unglücksgebiet auf und gab sich zu erkennen. Er hat Glück gehabt, aber der Verlust des Elternhauses und vor allem des Vaters ist natürlich ein Schock für ihn. Er wird deshalb seelsorgerisch betreut.

Presseartikel:
Vermisster Mann aus Nachterstedt wohlauf
Erdrutsch in Nachterstedt: Ein Vermisster aufgetaucht
Nach Erdrutsch gesuchter Sohn in Nachterstedt aufgetaucht - Taubstummer wird seelsorgerisch betreut
(In allen Presseartikeln wird vom "taubstummen" Sohn berichtet. Die Journalisten sollten doch einfach mal in den Duden schauen!)

Hörende Gymnasiasten bei Taubblinden

Schüler bei Taubblinden
Bild vergößern

Empathie, das Mitfühlen mit anderen Menschen, ist nicht angeboren. Man muss sie erlernen. Angst vor Behinderten verliert man am besten durch den Kontakt zu ihnen. Genau das haben Gymnasiasten des Georg-Büchner-Gymnasiums Winnenden getan. Sie haben taubblinde Bewohner der Paulinenpflege besucht, mit ihnen Kontakt aufgenommen, gelernt, mit ihnen zu kommunizieren - und gemeinsam mit ihnen Spaß gehabt. Was sie vorher sicher nicht für möglich gehalten hätten!

Am 18. Juli findet ein Abschlussfest für alle Beteiligten und für Besucher statt.

Was siehst du? - Was hörst du?

Duell

Den Witz kennen Sie sicher schon:

"Ein Blinder und ein Tauber duellieren sich. Fragt der Blinde: Ist der Taube schon da? Fragt der Taube: Hat der Blinde schon geschossen?"

Dahinter steht die scheinbar unüberwindbare Kommunikationsbarriere zwischen dem Augen- und dem Ohrenmenschen. Die hat das ZEIT-Magazin aufgegriffen und ein Treffen zwischen einer Blinden und einem Gehörlosen arrangiert, und per Dolmetscherin überbrückt. Und da kommen schon gleich zu Anfang die Zweifel. Bevor das Gespräch beginnt, hat die Blinde einige Fragen an die Dolmetscherin: »Kann man damit (mit der Gebärdensprache) alles sagen?« »Vieles, wenn auch nicht so viel wie die Sprechenden.« Ups, und das von einer Dolmetscherin? Mit der Gebärdensprache kann man NICHT alles sagen? "Mario Torster schaut aus wachen Augen zu und wartet, dass Frau Spring ihm übersetzt." Da sitzt der Gehörlose daneben, während sich die Dolmetscherin mit der Blinden unterhält und bekommt nichts mit. Nur anschließend, zeitversetzt! Und genau dies wird als Gesamteindruck vermittelt: "Es ist ein Interview mit Zeitverzögerung" - eine nicht vollwertige, verzögernde und damit zeitlich behindernde Sprache! Auch wenn ansonsten in DGS gedolmetscht wurde, in dieser Situation wäre ein Ausweichen auf LBG mit Stimme angebracht gewesen. Aber die Dolmi-Faux-Pas gehen weiter: "Dann sagen Sie ihm...!" Eine der wichtigsten Grundregeln für das Dolmetschen: Die Gesprächspartner sprechen MIT einander und nicht ÜBER einander. Der Dolmi ist nur Medium, nicht der eigentliche Gesprächspartner. Genau das hätte im Vorgespräch geklärt werden müssen!

Aber nicht nur Dolmetschen und Gebärdensprache werden in einem falschen Licht dargestellt.

Weiterlesen »

Fast wie Beethoven?

not quite like Beethoven

Nein, besser! Natürlich nicht, was die Musik betrifft, aber was den Umgang mit der Taubheit bzw. Schwerhörigkeit betrifft allemal! In seinem "Heiligenstädter Testament", einem Brief, schrieb Beethoven:

… aber bedenket nur daß seit 6 jahren ein heilloser Zustand mich befallen, … muste ich früh mich absondern, einsam mein Leben zubringen, wollte ich auch Zuweilen mich einmal über alles das hinaussetzen, o wie hart wurde ich durch die verdoppelte trauerige Erfahrung meines schlechten Gehör's dann Zurückgestoßen, und doch war's mir noch nicht möglich den Menschen zu sagen: sprecht lauter, schrejt, denn ich bin taub…

Sicher hätte Beethoven in der heutigen Zeit digitale Hörgeräte oder CIs, und mit denen hätte er dann seine Neunte zum erstenmal selber hören können. Aber die Akzeptanz der Hörschädigung ist heute wie vor 200 Jahren nicht einfach. Allerdings bietet auch da der technische Fortschritt, sprich: das Internet, ganz neue Möglichkeiten. Statt zu vereinsamen, kann man sich in die virtuelle Öffentlichkeit begeben. Allerneuestes und geradezu vorbildliches Beispiel: der Blog "not quite like Beethoven" (nicht ganz wie Beethoven). Da schreibt "nqlB" sich das von der Seele, was ihn als deafie ("hörgeschädigt" mag er nicht ;-) bewegt. Aber ganz und gar nicht wehleidig und jammerig à la Beethoven, sondern mit Humor, Selbstbewusstsein und immer pfiffig - auch wenn er das Pfeifen vielleicht nicht hört. ;-) Sein neuester Coup: "Du findest Hörgeräte doof, willst lieber gut aussehen? Ab nach Thailand". Einfach köstlich, wie er das beschreibt: Thailänder bewundern seine Hörgeräte, weil sie sie für Bluetooth-Geräte halten. OK, schöner werden die Dinger dadurch auch nicht, aber vielleicht werden sie so eher als Hightech-Geräte akzeptiert.

nqlB zu lesen ist ein Hochgenuss. Sollten Sie per RSS abonnieren! Und dort Kommentare zu schreiben macht auch Spaß!

Neuer Blog: not quite like Beethoven

Gehörlosenmeeting der Anonymen Alkoholiker in Bremen

Anonyme Alkoholiker

In Bremen ist eine neue AA-Gruppe gegründet worden, die sich speziell an Menschen wendet, die sowhl ein Hörproblem als auch ein Alkoholproblem haben. Diese Meetings werden in Gebärden- und auch Lautsprache abgehalten. Zusätzlich wurde ein SMS Telefon eingerichtet, damit auch so der erste Kontakt aufgenommen werden kann.
 

Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so!

Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so!
Bild vergößern

Ein Buch zum Thema Schwerhörigkeit, und zwar von einer Ärztin geschrieben. Frau Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner ist zwar Allgemeinmedizinerin, aber den HNO-Ärzten, Hörgeräteakustikern und anderen Fachleuten müsste sie wertvolle Erkenntnisse vermitteln können. Sie ist selbst betroffen, und wer könnte über eine "Krankheit" besser berichten als Betroffene selbst? Um es vorweg zu sagen: Mit dem "das ist auch gut so" ist das nicht so ganz einfach, das Buch ist eher eine "Dennoch"-Geschichte. Aber die ist wirklich sehr eindringlich, eindrucksvoll und vor allem mit umwerfender Offenheit geschrieben. Ulla Schultens-Kaltheuner lässt den Leser mitleiden, aber sie vermittelt auch den Mut, die Trauer um den Verlust des Hörens zu durchleiden, um dann zu einem positiven Leben mit der Hörschädigung zu finden. Bei einer Lesung in Leverkusen hat sie sogar Musik so spielen lassen, wie sie sie wahrnimmt (Wenn die Wut wächst). Für Normalhörende irritierend und aufschlussreich. Das Buch ist allerdings in erster Linie für Betroffene gedacht. Sie können es im Buchhandel und auch bei Amazon erhalten.

Homepage: Ich bin schwerhörig - und das ist auch gut so!

Lesen Sie unsere Rezension:

Polizist schlägt Gehörlosen brutal zusammen

gewalttätige Verkehrskontrolle

Es ist zwar schon zwei Jahre her, aber jetzt erst wurde der Fall in der Öffentlichkeit bekannt. Und die Gehörlosengemeinschaft in den USA ist empört: Ein Gehörloser wird von der Polizei angehalten, weil er zu schnell gefahren ist. Er steigt aus, will seinen Ausweis herausholen - und darauf hinweisen, dass er gehörlos ist. Der Polizist befürchtet, dass der Gehörlose eine Waffe zücken will und schlägt ihn mit dem Kopf gegen die Heckscheibe seines Autos. So stark, dass die Nase gebrochen ist. Die Polizei beteuert, dass es sich um eine Ausnahme handle. Der Polizist wurde für zwei Tage vom Dienst suspendiert. Die Stadt Fort Worth zahlt dem Gehörlosen eine Entschädigung von 50.000$ - um ein Gerichtsverfahren zu vermeiden, das VIEL teurer werden könnte.

Die Empörung der (gehörlosen) Öffentlichkeit ist ausgelöst worden durch ein Video, das das brutale Vorgehen des Polizisten dokumentiert: Violent Stop

Ein Vorkämpfer der Emanzipation der Gehörlosen tritt in den Ruhestand

Peter Hemmi

Peter Hemmi auf die Frage "Hat sich zwischen früher und heute etwas verändert?" :

Es hat sich stark verändert. In der Zeit von 1950–1980 waren wir einfach «Behinderte». Wir durften nicht reklamieren, wir mussten dankbar sein und mussten uns «anständig aufführen». Heute ist das schon wesentlich anders. Ich bin für mich selbst verantwortlich und kann frei entscheiden. Die Behinderung steht für mich nicht mehr im Vordergrund. Ich sehe die Gehörlosigkeit heute als eine Herausforderung. Wenn ich in eine schwierige Situation gerate, dann muss ich selbst einen Weg suchen, wie ich diese überwinden kann. Ich kann zum Beispiel eine Dolmetscherin bestellen, oder ich schreibe etwas auf. Manchmal muss man auch vorausblickend Massnahmen treffen, um ein Problem lösen zu können. Da mache ich mir fast eine Art Sport daraus, Lösungen zu suchen. Was sich auch sehr verändert hat, ist die Stellung der Gebärdensprache. Früher haben wir uns geschämt zu gebärden und die Leute betrachteten sie als minderwertig. Heute sind wir stolz auf die Gebärdensprache. Diese zwei Dinge haben sich stark gewandelt: die Haltung gegenüber den Gehörlosen und die Beurteilung der Gebärdensprache.

In der Schweiz kennt jeder (Gehörlose) Peter Hemmi. Er ist ein Vorkämpfer der Emanzipation der Gehörlosen, und er ist Redaktionsleiter der Zeitschrift visuell plus. Ende April geht er in den Ruhestand. Phil Dänzer, mit dem zusammen er den Film "Tanz der Hände" gemacht hat, hat ihn aus diesem Anlass interviewt:

Was bedeutet es, schwerhörig zu sein?

Was bedeutet es, schwerhörig zu sein?

"Er hört nur das, was er hören WILL!" Solche und ähnliche Sprüche kennt man als Schwerhöriger zur Genüge. Und immer wieder erklären zu müssen, warum man einmal etwas verstanden hat und ein anderes Mal nicht, das kann schon entnervend sein. Erfahrungen mit einem Schwerhörigen zu haben, hilft noch lange nicht, wenn man einen anderen kennenlernt. Jede Schwerhörigkeit ist anders! Und an wem soll man sich als Schwerhöriger orientieren, an den Hörenden oder an Gehörlosen? Als Schwerhöriger sitzt man lebenslänglich zwischen den Stühlen. Statt "deaf pride" (Stolz, taub zu sein) nur eine Leidensgeschichte? Wie werden Schwerhörige damit fertig?

Manfred Hintermair und Jörn Draheim haben jetzt ein neues Buch zu diesem Thema veröffentlicht:

Im Zuge eines zunehmenden Verständnisses psychosozialer Arbeit aus einer Empowermentperspektive heraus bekommt die konkrete Erfahrungswelt Betroffener einen äußerst bedeutsamen Stellenwert in vieler Hinsicht.
Einzutauchen in diese Erfahrungswelt ist besonders wichtig, weil es den Betroffenen ihre Stimme gibt und damit »Definitionsmacht« über ihre Angelegenheiten. Es bietet aber auch gut hörenden Menschen die Chance,
sozusagen aus erster Hand zu erfahren, was »schwerhörig sein« bedeutet. Sie bekommen dadurch wichtige Impulse für die Beziehungsgestaltung mit schwerhörigen Menschen, sei es in der Frühförderung, in der Familie, in der Schule, im Beruf oder im Alltag.

Erhältlich ist das Buch im Median-Verlag.

Kopfzerbrechen, gestern war noch alles anders ...

Kopfzerbrechen, Gestern war noch alles anders ...

Große Pläne hatte Samantha Sußmunt. Aber es ist alles ganz anders gekommen. Als junge Frau erkrankte und ertaubte sie. Mit 25 Jahren als Frührentnerin untätig herumsitzen und Trübsal blasen? Nicht Samantha! Sie hat sich von der Seele geschrieben, was sie erlebt und was sie bedrückt hat:

Ich habe ein Buch veröffentlicht, welches meine Lebensgeschichte beinhaltet. Ich habe die NF2 und die MS als Krankheiten und berichte darüber in dem Buch. Wie ich es erfahren habe, wie ich damit umgehe und vor allem wie das Umfeld mit mir umgeht. Auch berichte ich über meine Beziehungen, die ich hatte, und die Sorgen und den Kummer und vor allem die Angst, dass die Krankheit weiter ausbrechen wird. Jedoch möchte ich mit dem Buch erreichen mehr Menschen auf das Krankheitsbild aufmerksam zu machen und vor allem Menschen zu helfen, denen es ähnlich geht. Die Hoffnung nie aufzugeben und sich Ziele zu setzen, die man noch erreichen kann. Lebensmut schöpfen und jeden Tag zu genießen. 

Ich bin rechts taub und links schwerhörig. Es ist nicht einfach am täglichen Leben teilzunehmen, vor allem wenn man das Missempfinden der Mitmenschen spürt und die fehlende Unterstützung in manchen Bereichen mitbekommt. Ich bin mit 25 Jahren Eu Renterin geworden durch die Krankheiten. Ein Tiefschlag, denn ich wollte im Beruflichen hoch hinaus. Doch man darf sich nicht unterkriegen lassen, und genau das habe ich geschafft. Ich suchte mir eine neue Beschäftigung wie ein Buch zu schreiben.

Das Buch können Sie über ertaubt.de bei Amazon bestellen: Kopfzerbrechen, Gestern war noch alles anders ...

Lufthansa-Flugbegleiterin mit DGS - da heben die Tauben ab! ;-)

Robert R. Grund kommuniziert mit der Flugbegleiterin in DGS

Immer wieder tauchen Nachrichten auf, dass Gehörlosen der Flug (ohne Begleitung) verweigert wird (s.u.). Robert R. Grund hat genau das Gegenteil erlebt, den vollständig barrierefreien LH-Flug nach Peking.

Auf einer beruflichen Auslandsreise flog Robert Remarque Grund im Dezember 2008 bereits zum 15. Mal nach China, dieses Mal mit einer Lufthansa-Maschine. Über eine barrierefreie Kommunikation an Bord hatte er sich schon häufig Gedanken gemacht, zumal die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache bereits seit 7 Jahren gesetzlich verankert ist. Nach einem Austausch mit einer Gebärdensprachdolmetscherin, die auch als Flugbegleiterin (Stewardess) arbeitet, wurde es organisiert, dass sie auf dem Flug LH722 von München nach Peking an Bord war.

Übrigens: In diesem Jahr werden mehrere Reisegruppen Gehörloser nach Taiwan fliegen. Vielleicht sollten die Reiseveranstalter darauf achten, dass Frau Wnendt mit an Bord ist.

Robert berichtet:

Weiterlesen »

Kunst kennt keine Behinderung

Rafael-Evitan Grombelka

Das 3sat-Magazin vivo präsentiert am Samstag (28.02., 17:30 Uhr) den gehörlosen Künstler Rafael-Evitan Grombelka:

Das "vivo"-Porträt stellt den Schauspieler und Poet Rafael-Evitan Grombelka vor. Grombelka ist von Geburt an taub. Heute, mit Anfang 20 gilt er als der „Star“ der sehr lebhaften Gehörlosen-Kunstszene, hat in Filmen mitgewirkt und schon einige Poesiepreise gewonnen. Doch der Weg dahin war nicht immer leicht. In der Schule oft gehänselt hat Grombelka früh in der Kunst seine Bestimmung gesehen. vivo lernt den Künstler näher kennen und stellt vor allem die besonderen poetischen Ausdrucksmöglichkeiten der Gebärdensprache vor.

Kunst kennt keine Behinderung

Hörst du mich?

Familie Pisecky
Bild vergößern

Eine bunt gemischte deafy-Familie, die Piseckys aus Wien! Vater Manfred ist einseitig taub, Mutter Jutta von Geburt an schwerhörig, Tochter Verena hörend und Sohn Lukas gehörlos. Als selbst Hörgeschädigte kannten die Eltern sich natürlich mit dem Thema Hörschädigung schon aus. Durch den gehörlosen Sohn konnten sie aber noch viele Erfahrungen sammeln. Lukas ist CI-Träger. Unabhängig davon und gegen den Rat der Fachleute hat die ganze Familie aber für Lukas Gebärden gelernt. Und er hat die bilinguale Gruppe im Kindergarten des BIG besucht.

Ihren reichen Erfahrungsschatz wollen die Piseckys nicht für sich behalten, sondern mit anderen Eltern hörgeschädigter Kinder teilen. Aus diesem Grunde haben sie eine Website eingerichtet:

http://www.hoerst-du-mich.net

Seite 1 2 3 4 5 > >>