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Einleitung

Dr. Christian VoglerIn der Technik und in der Telekommunikation tut sich für Gehörlose und Schwerhörige enorm viel. Unser Chef-Techie Dr. Christian Vogler sitzt mittendrin - als Leiter einer Forschungsgruppe an der Gallaudet-Universität über barrierefreie Technologien, die auch intensiv mit den Gehörlosen-und Schwerhörigenverbänden in den USA zusammenarbeitet. In "Über'm Technikrand" wirft er in unregelmäßigen Abständen einen Blick über den Tellerrand, und berichtet, was sich anderswo mit der Technik alles so tut.

SMS-Notruf wird Realität in den USA - Teil 1

SMS an 9-1-1 - die amerikanische Notrufnummer

Am Donnerstag wurde ein Stück Geschichte in den USA geschrieben: Die vier großen Mobilfunkanbieter haben sich freiwillig schriftlich verpflichtet, bis spätestens zum 15. Mai 2014 flächendeckend in den USA den SMS-Notruf zu unterstützen - und zwar für alle, nicht etwa nur für Gehörlose, Schwerhörige und Sprachbehinderte.

Diesem Ereignis ging ein jahrelanges episches Ringen voraus, in dem Gehörlose und Schwerhörige von Anfang bis Ende eine herausragende Rolle gespielt haben, und in das ich von Mitte 2011 bis heute selber verwickelt war. Ohne deren zähe Arbeit, wäre es niemals soweit gekommen.

Und vor allem nicht ohne die unerschütterliche Einigkeit von gut einem Dutzend Gehörlosen-und Schwerhörigenverbänden, obwohl U.S.-Mobilfunkanbieter wiederholt versucht hatten, einen Keil zwischen die Verbände zu treiben. Hallo Deutschland? Wie sieht's eigentlich mit der Einigkeit der Verbände zum Notruf aus?

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Katastrophen-Warnung auf dem Handy: SMS oder was?

Katastrophen-Warnung über Zell-Rundfunk auf dem Handy (Commercial Mobile Alert System - CMAS) Bild: TheSuburbanMom-Blog
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Katastrophen-Warnsysteme bereiten Gehörlosen und Schwerhörigen, ebenso wie der Notruf, einiges Kopfzerbrechen. Sirenen und Ansagen im Radio sind nicht barrierefrei, und wenn im Fernsehen die Untertitel fehlen, hilft das auch nicht weiter. Und wer lässt sowieso schon den Fernseher 24 Stunden am Tag laufen?

Eine Warnung auf dem Handy ist für viele Leute natürlich optimal, denn sie ist als Text zu lesen und wird im Fall von SMS auch durch Ton oder Vibration angesagt. Wir haben diesbezüglich vor kurzer Zeit über das KATWARN-System berichtet. Der gehörlose Dr. Ingo Barth hat es in Berlin selber schon ausprobiert und war begeistert.

Problem gelöst? Nicht unbedingt. Genauer gesagt, in einigen Fällen kann es sogar gefährlich sein, sich alleine auf das System zu verlassen, und es besteht nach wie vor dringender Handlungsbedarf.

Nehmen wir mal ein paar verschiedene Katastrophenfälle unter die Lupe, und wie gut sich KATWARN aufs Handy per SMS in jedem der Fälle bewährt hätte:

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YouTube iPhone App nun auch in Deutschland verfügbar

YouTube mit UT auf einem iPad

 Vor zehn Tagen berichteten wir, dass die neue YouTube App für iPhone, iPad und iPod verdeckte Untertitel unterstützt, aber in Deutschland vermutlich aufgrund des Rechtsstreits zwischen Google und GEMA nicht in Deutschland verfügbar war. Seit gesten hat sich das geändert - nun können auch deutsche YouTube-Nutzer in den Genuss der App kommen.

Neue iPhone YouTube App unterstützt Untertitel - ABER ...

YouTube mit UT auf iOS
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YouTube auf dem iPhone, iPad und iPod war bisher ein recht leidiges Thema für Gehörlose. Im Gegensatz zu Macs, PCs und Android-Smartphones konnte man bisher verdeckte Untertitel auf YouTube entweder gar nicht oder nur mit einem Griff tief in die Trickkiste ansehen. Der Grund war ein politisches Gezerre zwischen Apple und Google, aber der Bruch von Apple mit Google hat ein Gutes: Google steht es nun frei, selber eine App für YouTube zu entwickeln, statt darauf zu warten, dass Apple die vorinstallierte App aktualisiert.
 
Genau das das Google getan: seit einigen Tagen steht die neue YouTube iOS-App in den meisten Ländern im App-Store bereit, und sie zeigt auf Wunsch verdeckte Untertitel an (siehe das Bild oben). Deutschland glänzt allerdings dabei durch Abwesenheit, und der Grund ist alles andere als erfreulich: Durch einen Rechtsstreit zwischen Gema und Google über Musikvideos, der im April in einer vorläufig herben Niederlage für Google endete, ist Google in Deutschland in Bezug auf YouTube momentan stark eingeschränkt. Bezeichnend dafür ist ein Artikel, der lapidar feststellt: "Nutzer in Deutschland müssen sich allerdings noch gedulden, da es noch immer zu keiner Einigung zwischen Google und Gema kam."
 
 Die App ist nun auch in Deutschland zu haben.
 
Das bedeutet: Deutsche iPhone-Nutzer können immer noch keine Untertitel auf YouTube bekommen, weil sie die App nicht bekommen können
 
Wenn unter einem Rechtsstreit die Barrierefreiheit leidet und als Folge Gehörlosen und Schwerhörigen in Deutschland Untertitel verwehrt werden, ist irgendwann das Maß voll. Wäre das Thema nicht etwas für die Verbände?
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Ein neues Zeitalter für den Notruf

Notruf vom Handy zu dritt mit Leitstelle, Dolmetscher und gehörlosem Anrufer
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Hilfe, ich habe einen Herzinfarkt! Wo bleibt der Krankenwagen?

Der Notruf ist für Gehörlose und Schwerhörige in Europa und Amerika gleichermaßen ein leidiges Thema - wenn wir überhaupt eingeschränkten Zugang haben, dann nur durch veraltete Methoden wie Schreibtelefon und Fax. Hörende können innerhalb von Sekunden eine Antwort erwarten, wenn sie 112 wählen. Wir dagegen müssen nach wie vor wertvolle Zeit damit vertändeln, ein verstaubtes Faxgerät hervorzukramen und dann hoffen und beten, dass die 112-Leitstelle mit unserem Anruf überhaupt klar kommt. Ganz davon zu schweigen, dass Schreibtelefone und Faxgeräte nicht auf digitalen Telefonnetzen funktionieren. Also mal hoffen, dass es mit dem Herzinfarkt doch nicht so schlimm ist?

Stellt euch vor, es steht uns eine Revolution ins Haus, und keiner weist darauf hin.

Denn nicht weniger verbirgt sich hinter lapidaren Meldungen wie zum Beispiel dieser hier: "Einheitliche europäische Notruf-Nummer für alle BürgerInnen". Das Revolutionäre für Gehörlose und Schwerhörige liegt nämlich nicht so sehr in einer einheitlichen Nummer, sondern darin, dass man im zukünftigen Notruf per Video, Audio und Text kommunizieren kann - sogar gleichzeitig (siehe das Video unten).

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Kinobrillen hautnah


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Über die Kinobrillen von Sony wurde schon mehrfach berichtet, auch im Taubenschlag. Diese Brille blendet Untertitel ein, und zwar so, dass es keinen Hörenden stört. In den USA sind sie mittlerweile landesweit verbreitet und ermöglichen es Gehörlosen und Schwerhörigen Kinofilme zu sehen, zu jeder beliebigen Zeit. Als die Brillen vor einem Jahr offiziell angekündigt wurden, herrschte vielerorts Skepsis, ob sie wirklich so funktionieren würden wie gedacht. Unser Chef-Techie Christian hat die Brillen mal genauer unter die Lupe genommen und ist insgesamt sehr zufrieden.

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