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Glück pur – auch ohne Worte?

gehörlose Eltern

Glück pur für die gehörlosen Eltern: ein HÖRENDES Kind. Das haben 95% der gehörlosen Eltern - also nichts Besonderes. Wichtiger noch: Warum das große Glück, nur weil das Kind hörend ist? Wäre das Glück getrübt, wenn das Kind gehörlos wäre? Im Gegenteil! Viele Gehörlose wünschen sich gehörlose Kinder, weil es dann weniger Probleme gibt, und weil sie dann uneingeschränkt zur Gehörlosengemeinschaft gehören, wie die Eltern! Standardantwort auf die Frage, ob sie sich ein hörendes oder gehörloses Kind wünschen: "Egal, Hauptsache gesund!" Und ein gehörloses Kind IST gesund, es kann halt nur nicht hören.

Alles das ist für Hörende, die mit Gehörlosen keinerlei Erfahrungen haben, unvorstellbar. So auch für die Journalisten von DerWesten (Portal der WAZ Mediengruppe). Auch sie stellen fest, dass das Kind "kerngesund" sei, meinen damit aber, dass es hörend ist. Weil es doch "vorbelastet" ist! Die Gehörlosigkeit als Last! Deshalb muss das Kind auch vorsichtshalber in wenigen Wochen wieder zur Kontrolle.

Besonders aufschlussreich ist das Video zu dem Artikel, betitelt: Video-Porträt - Gehörlose Eltern. Ein Elternporträt, bei dem die Eltern überhaupt nicht zu Wort kommen. Die Mutter darf gerade mal "Mama/Papa" artikulieren, und der Vater verabschiedet sich. Zu Wort kommt nur die hörende Tante - und die hätte besser geschwiegen! Ein Paradebeispiel für Bevormundung. Die erwachsenen Gehörlosen werden wie Kinder behandelt. Unfassbar! Aber für die Journalisten "Glück pur - auch ohne Worte".

Video-Porträt - Gehörlose Eltern

Kommentar von Christiane Link: “Papa kann sie noch nicht” - Christiane hat sich die Mühe gemacht, den Text des - natürlich nicht untertitelten - Videos aufzuschreiben!

Jules Meinung: Wieder mal eine Zeitungskritik - diesmal geht sie an "DerWesten".

 

Was siehst du? - Was hörst du?

Duell

Den Witz kennen Sie sicher schon:

"Ein Blinder und ein Tauber duellieren sich. Fragt der Blinde: Ist der Taube schon da? Fragt der Taube: Hat der Blinde schon geschossen?"

Dahinter steht die scheinbar unüberwindbare Kommunikationsbarriere zwischen dem Augen- und dem Ohrenmenschen. Die hat das ZEIT-Magazin aufgegriffen und ein Treffen zwischen einer Blinden und einem Gehörlosen arrangiert, und per Dolmetscherin überbrückt. Und da kommen schon gleich zu Anfang die Zweifel. Bevor das Gespräch beginnt, hat die Blinde einige Fragen an die Dolmetscherin: »Kann man damit (mit der Gebärdensprache) alles sagen?« »Vieles, wenn auch nicht so viel wie die Sprechenden.« Ups, und das von einer Dolmetscherin? Mit der Gebärdensprache kann man NICHT alles sagen? "Mario Torster schaut aus wachen Augen zu und wartet, dass Frau Spring ihm übersetzt." Da sitzt der Gehörlose daneben, während sich die Dolmetscherin mit der Blinden unterhält und bekommt nichts mit. Nur anschließend, zeitversetzt! Und genau dies wird als Gesamteindruck vermittelt: "Es ist ein Interview mit Zeitverzögerung" - eine nicht vollwertige, verzögernde und damit zeitlich behindernde Sprache! Auch wenn ansonsten in DGS gedolmetscht wurde, in dieser Situation wäre ein Ausweichen auf LBG mit Stimme angebracht gewesen. Aber die Dolmi-Faux-Pas gehen weiter: "Dann sagen Sie ihm...!" Eine der wichtigsten Grundregeln für das Dolmetschen: Die Gesprächspartner sprechen MIT einander und nicht ÜBER einander. Der Dolmi ist nur Medium, nicht der eigentliche Gesprächspartner. Genau das hätte im Vorgespräch geklärt werden müssen!

Aber nicht nur Dolmetschen und Gebärdensprache werden in einem falschen Licht dargestellt.

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Legoland setzt noch einen drauf!

Drachenbahn im Legoland Berlin

Gehörlose müssen weiterhin draußen bleiben bei der Drachenbahn im Legoland Berlin (siehe unten). Thomas Geißler, 2. Vorsitzender des Gehörlosenverbands Berlin, hat LEGOLAND Deutschland angeschrieben wegen der diskriminierenden Vorschriften. In seinem Antwortschreiben weist der Legoland-Gästeservice darauf hin, dass im Legoland Berlin Sicherheitsvorschriften "durch die Feuerwehr Berlin / Bauaufsichtsamt und den Vermieter des Sony Centre Berlin" vorgegeben sind. Da wird nicht überlegt, ob die Vorschrift vielleicht unsinnig sein könnte, nein, es werden alle Behinderten über einen Kamm geschoren. Und Legoland setzt noch einen drauf: "Gehörlose im LEGOLAND Deutschland dürfen alle Attraktionen benutzen, benötigen aber aus Sicherheitsgründen die Begleitung eines hörenden und sehenden Gastes für den Fall einer Evakuierung." Das muss man sich mal klar machen: Ein Gehörloser, ein gehörloses Paar, eine gehörlose Familie, ein Gehörlosenverein - alle dürfen nur rein in Begleitung eines Hörenden! Mit fadenscheinigen Begründungen werden Gehörlose behandelt wie Kleinkinder (nur in Begleitung von Erwachsenen)! Da sollte sich Legoland Deutschland ein Beispiel nehmen an Legoland USA, wo es solche unsinnigen und diskriminierenden Bestimmungen nicht gibt und sogar Dolmetscher gestellt werden (Bericht von Hartmut Teuber).

Lesen Sie den Briefwechsel zwischen Thomas Geißler und LEGOLAND Deutschland:

Wir müssen draußen bleiben: Gehörlose

Drachenbahn im Legoland Berlin

"Mit Sicherheit viel Spaß!" Das verspricht ein Schild im Berliner Legoland. Klingt gut. Leider ist das Gegenteil gemeint! Gehörlose dürfen die Achterbahn nicht benutzen! Das kann doch nicht wahr sein, denken Sie? Doch, dass das sehr ernst gemeint ist, musste kürzlich die gehörlose Familie Luksza erfahren. Wie bei einem Hund vor dem Fleischerladen hieß es: Wir müssen draußen bleiben!

Die Gehörlosen sind es nicht alleine. Nicht mitfahren dürfen u.a. Babys, Schwangere, Epileptiker, Rollstuhlfahrer, Herzkranke, Blinde... Bei denen mag es ja berechtigt sein. Aber warum nur dürfen Gehörlose nicht mitfahren?

Eine eindeutige Diskriminierung! Legoland Berlin sollte das schnellstens ändern!

Bestechung bei HNO-Ärzten und Hörgeräteakustikern

Hörgeräte

"Gibst du mir Geld, gebe ich dir Patienten - nach diesem Motto schanzen sich Ärzte und Hörgerätehersteller Kunden zu. Der Schaden geht in die Millionen." Das berichtet die Financial Times. Schon in der Überschrift benutzt sie Ausdrücke wie "Bestechungsmentalität" und "Korruptionssumpf". "Bis zu 200 Euro kassieren die Ärzte pro Ohr." Da fragt man sich schon, wie viel ein Hörgeräteakustiker an einem Hörgerät verdienen mag, wenn bis zu 200 Euro Bestechungsgeld möglich sind. Aber: "Die Preise sind hoch und wenig transparent: In den Schaufenstern der meisten Geschäfte tragen die Hörhilfen keine Preisschilder." Und über Verdienstspannen reden Hörgeräteakustiker schon mal gar nicht. Geschäftsgeheimnis! Eigentlich kein Wunder, dass es Versuche gibt, Hörgeräteakustiker zu umgehen, z.B. mit der "integrierten Versorgung". Da bestellt der HNO-Arzt das Hörgerät samt Ohrpassstück direkt bei einer Firma wie Sanomed. Das mag billiger sein, aber ist mit Sicherheit NICHT der bessere Weg. Jeder Hörgeräteträger kennt den langwierigen Prozess der Hörgeräteanpassung, bei der auch viele verschiedene Hörgeräte getestet werden - was bei der "integrierten Versorgung" sicher nicht möglich ist. Nur, wenn jetzt viele Ärzte und Akustiker im "Korruptionssumpf" stecken, fördert das nicht gerade das Vertrauen der Patienten bzw. der Kunden. Statt dem Arzt das Geld zuzustecken, sollten die Hörgeräteakustiker lieber ihren Kunden eine Preissenkung zugute kommen lassen. Und vor allem: Mehr Transparenz ist sicherlich vertrauensbildend!

Korruptionsmentalität bei Medizinern - Hörgeräte im Bestechungssumpf

Teure Hörgeräte

Unglaublich: Geld für Ausbildung, aber nicht für das Internat!

Maria Franz

Maria Franz (25, gehörlos) war arbeitslos. Jetzt macht sie eine Ausbildung zur Examinierten Altenpflegerin bei IBAF in Rendsburg. Die Ausbildung wird finanziert, aber die für Übernachtung und Verpflegung bewilligten Gelder reichen nicht für die Unterbringung im Internat. Deshalb sucht Maria jetzt ein Zimmer oder eine Pension in Rendsburg oder Umgebung, und zwar möglichst ab sofort, bis zum 13. Juli, dann wieder Mitte Oktober bis Mitte November und im nächsten Jahr.

Wenn Sie mit Zimmer oder einem Tipp helfen können, schreiben Sie an Frau Franz!

Hören ist Leben ???

 Logo von Forum besser Hören

Die meisten von uns deafies tragen Hörgeräte. Sind also gute Kunden der Hörgeräteakustiker. Niemand hat etwas gegen Hörgeräte oder die, die sie herstellen oder verkaufen. Was sich allerdings die VHI - Vereinigung der Hörgeräte-Industrie auf ihrer Website www.forumbesserhoeren.de leistet, das spottet jeder Beschreibung und lässt nicht gerade Freude aufkommen:

Hören ist Leben - Nichthören also TOD???
Nur wer gut hört, bleibt geistig fit und vital. - Die Nicht-Gut-Hörenden verblöden also?
Nur wer gut hört, kann sich über die Welt auf dem Laufenden halten. - Als gäbe es NUR akustische Informationsquellen!

Stefan Jerusalem hat die "Sieben Gründe für ein gutes Gehör" einmal unter die Lupe genommen und seine Kommentare dazu geschrieben.

Schon vor Jahren hatten wir den AA (AmO) für den Werbespruch "Ich höre, also bin ich" verliehen. Die Hörgeräteindustrie wäre gut beraten, wenn sie endlich von ihren unüberlegten und diskriminierenden Werbesprüchen Abstand nehmen würde!

Wie weit darf Werbung gehen?

Aber bitte mit UT!

Filmausschnitt mit UT

Aber bitte mit Sahne? Naja, auf die kann man zur Not auch verzichten. Und außerdem ist sie im Schlager von Udo Jürgens sogar tödlich. "Tödlich" ist es dagegen für deafies, wenn Fernsehfilme und DVDs KEINE Untertitel haben.

Sabine Rabus ist hochgradig schwerhörig und beim Fernsehen auf Untertitel angewiesen. Die Jüngste ist sie nicht mehr und kann demzufolge auf jahrelange Untertitelerfahrungen zurückblicken. Immer wieder ärgerlich, wenn aufgrund technischer Störungen die UT ausfallen oder nur verstümmelt dargestellt werden. Noch ärgerlicher, wenn man sich eine DVD kauft und feststellen muss, dass sie keine Untertitel enthält. Sabine Rabus hat ihre Erfahrungen in einer kleinen Erzählung festgehalten:

Hörprobleme? Na, so schlimm wird es schon nicht sein.

Maik S. und Anwalt

Da sticht ein junger Mann, Maik S., seine Mutter und deren Freund nieder. Beide überleben, der Freund nur knapp. Schlimm genug, solch eine Tat!

Was sich aber in der Gerichtsverhandlung abgespielt hat, ist nicht minder schlimm. Abgesehen von einer Gehbehinderung, die nach einem Motorradunfall zurück geblieben ist, abgesehen von einer sehr instabilen und wechselhaften Kindheit, abgesehen davon, dass der Freund der Mutter Maiks Vater getötet hatte (alles schon schwerwiegende Fakten) - Maik ist schwerhörig. "Also wenn Sie etwas nicht verstehen, von dem Sie meinen, es wäre wichtig zu hören, sagen Sie es ruhig!" "Das ist Richterlogik" meint SPIEGEL-Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen dazu. Sehr richtig! Wie soll man, wenn man etwas NICHT verstanden hat, beurteilen, ob es wichtig war? Und warum soll der Schwerhörige sich auf vermeintlich Wichtiges beschränken? Hat er nicht das Recht, ALLES zu verstehen?

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nix kapiert

Zeichnung'doof bleibt doof'
Bild vergößern

Dank langem, hartem Training – und einem Implantat, mit dem die Taubheit aus unserer Gesellschaft verschwinden kann. (siehe unten)

Dass gegen solch eine Formulierung Gehörlose, allen voran der DGB, protestieren - das kann die Autorin Sabine Rückert nicht nachvollziehen. Ihre Argumentation zeigt, dass sie aber auch GAR NICHTS verstanden hat:

Wollen Sie auch Artikel über Brillen und Rollstühle vor den Presserat zerren, weil Kurzsichtige und Gehbehinderte sich als gleichwertige Menschen mit eigener Identität davon beleidigt fühlen könnten?

Ein wenig "Nachilfeunterricht" für JournalistInnen:
Gehörlose sind die EINZIGEN Behinderten, deren (kommunikative) Behinderung verschwindet, wenn sie untereinander sind. Sie können sich locker und entspannt miteinander unterhalten - in der Gebärdensprache. Wenn Blinde und Rollis zusammenkommen, wird ihre Behinderung dadurch nicht annulliert! Die eigenständige Sprache und die darauf basierende Kultur sind die Lebensgrundlage der Gehörlosen. Sie fühlen sich weniger als Behinderte als vielmehr als sprachliche und kulturelle Minderheit. Statt einen Vergleich mit anderen Behindertengruppen heranzuziehen hätten Sie besser mit anderen sprachlichen Minderheiten vergleichen sollen, Frau Rückert: Roma und Sinti, Sorben, Dänen... Genauso, wie Sie diese Minderheiten sicherlich nicht "verschwinden" lassen wollen, wollen auch die Tauben nicht verschwinden.

Das Problem zu verstehen, was man sieht und hört - scheint auch für preisgekrönte Journalistinnen zu bestehen.

doof = taub (im Holländischen und Plattdeutschen)

So gesehen wollen wir gerne 'doof' - oder besser noch: Deaf! - bleiben. ;-)

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