AudioLog 3

- Diese Rezension wird in der Zeitschrift hörgeschädigte kinder veröffentlicht -

Das bekannte Hörtrainingsprogramm AudioLog liegt jetzt in der Version 3 vor. Nein, ein spannendes Adventure-Spiel, das so nebenbei das Gehör trainiert, ist es nicht geworden. Glücklicherweise, muss man sagen, denn das Versprechen, das so manche Lernsoftware gibt, nämlich auf lockere und spielerische Weise Lernstoffe zu vermitteln, kann ohnehin nur in den seltensten Fällen gehalten werden. Üben ist schon anstrengend und zeitaufwändig, da sollte man sich selbst und auch Kindern nichts vormachen. Dennoch kann ein Lernprogramm ansprechend und kindgerecht gestaltet werden. Bei AudioLog hat man sich im Wesentlichen auf einen Clown beschränkt, der bei jedem Lernerfolg mit einem weiteren Ball jongliert. Ein visuelles Feedback, funktional, schlicht und einfach. (Für Ältere lässt es sich gegen eine digitale Anzeige von Punkten und Fehlern austauschen.) Schlicht und einfach ist auch die optische Gestaltung von AudioLog geblieben. Noch immer strahlt es den dezenten Charme eines DOS-Programms aus. Ist es aber nicht. Es läuft unter sämtlichen Windows-Versionen. Und was für die tägliche Arbeit am wichtigsten ist: Es läuft stabil, und es lässt sich sehr leicht bedienen. Bei genauerem Hinschauen merkt man natürlich auch, dass die Grafik zwar schlicht, aber wesentlich besser ist als bei DOS. Die Bescheidenheit ist beabsichtigt und hat Methode: Man will nicht vom Wesentlichen ablenken.

Der Autor von AudioLog, G. Gyemant:Wir haben im Programm versucht, entsprechend dem Stand der Wissenschaft der Hörerziehung, alle Teilfunktionen der zentralen auditiven Verarbeitung, sowie Detektion, Identifikation, Diskrimination, Speicherung, Verarbeitung von Sequenzen, dichotisches Gehör und Signal-Rausch-Wahrnehmung, auf  außersprachlicher und sprachlicher Ebene konsequent zu fördern.“ 

Die neue Version protzt nicht mit irgendwelchen Gimmicks oder spielerischem Schnickschnack, sondern mit einer immensen Erweiterung der therapeutischen Möglichkeiten. AudioLog trägt seinen Namen nämlich zu Recht: Es ist ein Programm für Profis. Es wird in logopädischen Praxen, CI-Zentren usw. „zur Förderung der zentral-auditiven Verarbeitung“ eingesetzt. Es gibt Übungen auf Geräusch-, Laut-, Silben- und Wortebene. Neben Übungen wie „Gleich oder verschieden?“, „Richtig oder falsch?“ usw. kommen auch „Memory“ (was Kindern sicher immer Spaß macht) und „Dichotisches Gehör“ vor. Hier hört man zwei Geräusche gleichzeitig und muss beide erkennen, wie immer per Bild oder Schrift. Das dürfte sicher eine der schwierigsten Übungsformen sein, ähnlich wie die Übungen zur Signal-Rausch-Wahrnehmung bei den Silben, und damit am Ende von langsam zu erklimmenden Lernstufen stehen, nach dem pädagogischen Grundprinzip „vom Leichten zum Schweren“. Und genau das lässt sich mit AudioLog optimal einrichten.

Die Palette der Voreinstellungsmöglichkeiten ist so umfangreich, dass sie sich mit Sicherheit an alle individuellen Gegebenheiten anpassen lässt. Da lassen sich für Geräusche, Laute usw. beliebige Objektlisten auswählen, also z.B. Tiere, Wasser, Sport, bei Silben und Wörtern zudem eine Frauen- oder Männerstimme, außerdem die Pausenlänge, die Anzahl der Übungseinheiten, die Darstellung per Bild oder Text, das Feedback per Clown oder Display. Und was für den Therapeuten unschätzbaren Wert haben dürfte: Es wird alles vollständig protokolliert.

Die Protokolle lassen sich nicht nur ausdrucken, sondern zudem nach MS Excel exportieren und da beliebig bearbeiten, und was besonders luxuriös ist: Mit einem Mausklick kann man jede beliebige Übung aus dem Protokoll wiederholen, was mühsames Suchen und Konfigurieren erübrigt. Der Therapeut kann also beim Beginn einer neuen Sitzung ohne jeden Umweg sofort wieder da ansetzen, wo der „Patient“ beim vorigen Mal aufgehört hat.

Wenn anfangs die Rede vom Ernst des Lebens und des Lernens die Rede war – auch, wenn in AudioLog zielstrebig gearbeitet wird, Spaß machen kann es den großen und kleinen „Patienten“ sehr wohl. Zu den wirklich kindgerechten Übungen zählt neben dem Memory beispielsweise auch das „Anziehspiel“.

Da müssen Rita oder Peter bekleidet werden. Eine Reihe von Kleidungsstücken (die Anzahl lässt sich beliebig einstellen) wird gesprochen. Man muss sie hören, verstehen, sich merken und in der richtigen Reihenfolge anklicken. Je mehr man davon schafft, desto kompletter wird das Kind angezogen. Dabei kann man schon Ehrgeiz entwickeln. Allerdings gibt es keine Wettbewerbssituationen. Der Übende tritt niemals gegen einen Spielgegner oder den Computer an, sondern übt für sich allein. Der Maßstab für seine Lernfortschritte ist nur er selbst. Das ist auch gut so. So leistungssteigernd Wettbewerb auch sein mag, aber beim Training eines beeinträchtigten Sinnesorgans ist er sicher fehl am Platze.

Qualität hat ihren Preis. Mit 299 Euro ist das Programm sicher nicht gerade billig, als Werkzeug für den Spezialisten aber sicher preiswert – seinen Preis wert. Es sollte ganz selbstverständlich zur Grundausstattung von Profis im audiologischen Bereich gehören. Das tut es sicherlich bei den meisten schon. Das Update auf die neue Version lohnt sich aber allemal.

Für den häuslichen Einsatz ist AudioLog möglicherweise überdimensioniert. Auf die Einrichtung von „Patienten“ und das Führen von Protokollen können Eltern hörgeschädigter Kinder wahrscheinlich verzichten – obwohl es auch hilfreich sein kann. Nicht einzusehen ist aber, dass Hörtraining am Computer nur beim Profi stattfinden sollte. Dessen Zeit ist knapp bemessen und teuer. Kinder allein sind von AudioLog sicherlich überfordert. Ohne die Unterstützung der Eltern geht es nicht. Wenn die gewährleistet ist, können aber sowohl Eltern als auch Kinder ihren Spaß an AudioLog und vor allem an den Lernfortschritten haben. Die relativ hohen Anschaffungskosten sollten von den Krankenkassen übernommen werden.

Detaillierte Angaben zu Systemvoraussetzungen, Preisen, Anwendungsgebieten, Übungsvielfalt usw. bekommen Sie auf der Homepage von AudioLog: www.flexoft.de .

Bernd Rehling

rehling@taubenschlag.de