SEHEN STATT HÖREN
... 10. Februar 2002 1074. Sendung
In dieser Sendung:
Die vielen Gesichter des Gunter Puttrich-Reignard – Kulturpreisträger des Deutschen Gehörlosenbundes 2001
Präsentator Marco Lipski: Willkommen bei Sehen statt Hören! Heute zeigen wir ihnen ein halbstündiges Portrait über: Gunter!!! Wir wissen: Er ist Deutscher. Aber was für einer? Münchner? Hamburger? Oder Berliner? Fragen wir ihn doch mal...
Gunter Puttrich-Reignard
Gunter Puttrich-Reignard: Nun ja, meine hörende Familie kommt aus Berlin, zog aber später nach München um. Ich wurde dort geboren. Nach ca. 1 1/2 Jahren kamen wir wieder zurück nach Berlin und ich wuchs hier auf. Im Alter von 12 Jahren kam ich dann nach Hamburg und besuchte dort fast 10 Jahre die Realschule. In Berlin gab es für Gehörlose keine. Nach Schulabschluss zog ich wiederum nach Berlin, und wie du siehst, lebe ich hier noch.
Moderator Marco: Mich interessiert besonders deine Schulzeit in Hamburg und wie du damals zwischen Hamburg und Berlin hin und her getingelt bist.
Gunter: 1972 bin ich nach Hamburg gekommen, um die Realschule zu besuchen. Problematisch war, dass ich 7 oder 8 Mal meine Pflegemutter wechseln musste. Nur über die Schulferien, Ostern, Weihnachten oder an Geburtstagen meiner Mutter oder meines Bruders durfte ich nach Hause fahren, anfangs sogar fliegen – mit der PANAM. Doch später führte der Staat Sparmaßnahmen ein, und so musste ich mit dem Zug ganze fünf Stunden fahren, da konnte man nichts anderes tun außer lesen. Heute braucht man nur 2 Stunden für die Strecke. Als ich klein war, wusste meine Mutter nicht so recht, wohin mit mir. Der Arzt empfahl ihr, mich auf die Schwerhörigenschule zu geben. Zunächst kam ich in den Schwerhörigen-Kindergarten. Wie gebärdest du Kindergarten? Ah ja. Und danach besuchte ich die Schwerhörigenschule von der ersten bis zur dritten Klasse. Doch dann teilte eine Lehrerin meiner Mutter mit, dass ich zwar noch recht gut hören könnte, aber nichts richtig verstehe. So kam ich dann in die Gehörlosenschule. Ob ich nun herausgeworfen oder abgeschoben wurde, weiß ich nicht. Das war auf jeden Fall ein Schock für meine Mutter. Mein Bruder war von Anfang an im Gehörlosenkindergarten. In der Gehörlosenschule war ich dann meinen Mitschülern weit voraus.
Foto Gunter im Kostüm: bei seiner ersten Theateraufführung.
Gunter: Oh, mit den Artikulationsübungen in der Schwerhörigenschule, das war so eine Sache. Das „Guten Morgen“ habe ich sehr gut beherrscht. Als ich dann in der 3. Klasse zur Gehörlosenschule kam, erschrak ich, denn wir mussten uns jeden Morgen in einer Reihe anstellen und mit Wasser aus Zahnputzbechern das „R“ gurgeln üben. Das ging ja bei mir schon gut mit dem ollen Rrrr. In der Hamburger Schule standen wir sogar vor geöffneten Fenstern und übten im Chor dieses „Guten Morgen“. Da kamen die anderen ganz schön ins Würgen.
Helga Puttrich-Reignard, Gunters Mutter: Es war sehr schwer für uns alle drei, weil Rolf ist ja sein Bruder, der ist auch gehörlos. Und wir drei mussten uns selbst unsere eigene Sprache beibringen. Das haben wir versucht mit Luftballons, mit dem Spiegel, mit einer Kerze und mit Abtasten. Und es war eine Qual für uns alle drei! Gunter hat viel Sachen angestellt, weil er vieles aufgenommen hat, aber sich nicht wieder artikulieren konnte.
Foto von jungen Mama mit Gunter und Rolf.
Rolf Puttrich-Reignard: Als ich damals mit Gunter aufwuchs, war er schon so etwas wie ein „24 Stunden Motor“. Er wollte dies und das spielen, Ideen austauschen, plaudern, und das die ganze Zeit, ohne Ende, jeden Tag. Ich hatte kaum Ruhe. Später dann gingen wir unsere eigenen Wege.
Marco: Und wie ist euer Verhältnis heute?
Rolf: Er ist ein Star, und ich bin stolz auf ihn.
Fotos Gunter und Rolf als Kinder/ als Erwachsene:
Mutter erzählt: Da ist ein Märchen, von Frau Holle. Das habe ich den Kindern erzählt. Und ein paar Tage später kam ich in das Zimmer, und da hatten die Kinder die Betten aufgeschnitten und die Federn flogen durch die Wohnung.
Mutter erzählt „U-Bahn“-Geschichte: Als ich Gunter immer vom Schwerhörigenkindergarten abgeholt habe, mussten wir auch mit der U-Bahn fahren. Und da hatte Gunter einen bestimmten Platz. Und wehe, wenn da jemand draufgesessen hat, dann ist er böse geworden. Er ist durch die U-Bahn gerannt. Das war so ein Eckplatz, da war unten der Feuerlöscher drin. Und das war Gunters Platz! Einmal saß ein älterer Mann darauf. Er hatte einen Hut auf, eine Brille auf, einen Schal um und eine Tasche auf dem Schoß. Und Gunter rennt dahin, nimmt ihn den Hut ab, die Brille ab, den Schal ab, die Tasche ab und sssst: Alles flog durch die U-Bahn. Und ich hab alles zusammen gesucht, hab dem Mann das gegeben, mich entschuldigt. Und an der nächsten U-Bahnstation musste ich mit Gunter aussteigen, weil das ging ja nicht so weiter...
Marco: Du hast erstaunlich oft deine Pflegemütter gewechselt. Hast du dich da nicht manchmal gefragt, wer deine richtige Mutter ist? Oder war deine Verbindung zu deiner leiblichen Mutter immer da? Wie hast du dich mit den Pflegemüttern verstanden? Wie haben sie dich behandelt?
Gunter: Das war schwierig und traurig zugleich. Meine Mutter meinte, dass die Schule in Hamburg für mich besser wäre. Ich war 11 oder 12 Jahre alt, was sollte ich dagegen tun?! Meine erste Pflegemutter wohnte außerhalb von Hamburg, in einem Dorf, das hieß Trittau. Dort standen in einer Straße viele Reihenhäuser nebeneinander. Und in jedem Haus wohnte ein gehörloses Pflegekind! Am Anfang hatte eine dieser Mütter noch 5 Pflegekinder, später wurden sie aufgeteilt. Mit meiner leiblichen Mutter verstand ich mich blendend, sie war sehr tolerant, eine geschiedene Frau, und sie liebte uns sehr. Dagegen war meine Pflegemutter furchtbar konservativ und es gab strenge Zeitregeln und Hausordnungen. Oft schloss sie mich ins Schlafzimmer oder gar in den Keller ein. Ich verstand nie, warum?! Wie denn auch – ohne Kommunikation!? Ich erzählte es meiner Mutter, doch sie meinte „Halte durch, die Schule ist wichtiger“. Meine achte und letzte Pflegemutter war die beste.
Foto Pflegemutter: Die letzte Pflegemutter: Beate Löwis
Gunter: Sport war unglaublich wichtig in meinem Leben. In der Leichtathletik war ich einer der besten im 100, 200 und 400 Meter Lauf. Trainiert habe ich beim Hamburger GSV 1904. Ich holte mir alles an Medaillen, was es zu gewinnen gab Mein Ziel war es, an den Weltspielen für Gehörlose teilzunehmen, und auch, andere lesbische und schwule Sportler zu treffen. Zwar gab es in Deutschland ein paar, aber die waren noch recht verklemmt. Ein anderer Grund war die Gebärdensprache. Hier konnte ich so viel aufsaugen und in Deutschland weiter verbreiten, mehr unter Hamburger oder Berliner Freunden. Denn viele waren in Sachen Gebärdensprache noch ziemlich verschlafen. Ich verdanke dem Sport sehr viel. Mein Coming-out erlebte ich so... lass mich überlegen... ungefähr in den Jahren 74/75. Das war eine schwere Zeit, denn damals traute sich noch keiner in Deutschland, sich als Schwuler zu outen. In Hamburg gab es da ein Cafe Namens „Tuc Tuc“. Dort traf ich Leute wie Thomas Vollhaber, damals noch kein Doktor, nur ein einfacher Mann im Leder-outfit. Sogar Lilo Wanders trat dort auf einer winzigen Bühne auf. Dort ging ich aber nur mit Hörenden hin, weil vielen Gehörlosen einfach der Mut fehlte, sie hatten Angst, entdeckt zu werden. So nahmen mich Hörende auch zum Christopher Street Day mit, da war ich 14 oder 15. Es war wirklich eine harte Zeit. Manche Gehörlose wussten um mich Bescheid, und es kam schon mal vor, dass ich sogar für Wettkämpfe gesperrt wurde.
Mutter: Als ich erfahren habe, dass Gunter schwul ist, habe ich mit dem Wort „schwul“ fast gar nichts anfangen können. Und dann hab ich gedacht: Wenn er diesen Weg genommen hat oder gehen will und damit glücklich ist, dann soll er es tun und ich würde mich nie dagegen stellen.
Gunter: Die Gehörlosenkultur war damals noch sehr schwach ausgebildet, z.B. der Hamburger Theaterverein brachte gar nichts. Dann war eines Tages ein Workshop vom Internationalen Visuellen Theater (IVT) in Hamburg. Den schaute ich mir aus Neugierde und wegen der Kontaktmöglichkeiten an. Danach ging mir die Gebärdensprache mit ihrer Poesie nicht mehr aus dem Kopf. Ich ging zwar noch regelmäßig zum Sport, doch eines Tages türmte ich nach Paris. Da war ich 16 oder 17. Das IVT bot einen internationalen Workshop an, mit Teilnehmern aus Australien, Schweden, Amerika, Italien usw. Dort lernten wir vieles über Gebärdensprache, obwohl das Wort Gebärdensprache noch nicht benutzt wurde. Aber wir waren uns unserer Sprache schon bewusst. So bekamen wir die Kultur, Schauspielerei und Poesie vermittelt. Dabei waren u.a. Alfredo Corrado, Bill Moody und sein Lebensgefährte Ralph, oder sogar Emmanuelle Laborit – da war sie gerade mal 12 oder 13, und natürlich Chantal und Joel Liennel. Joel war damals noch Koch, aber mittlerweile macht er Karriere. Bei dem Workshop bekamen wir Poesie unterrichtet, indem man uns z.B. ein Bild von einem Elefanten zeigte. Jeder sollte dazu Improvisationen zeigen, dann wurden diese verbessert. Dann kam ein Bild von einem Hasen. Jeder sollte seine eigenen kreativen Ideen aus sich rausholen. Danach mussten wir eine Geschichte mit beiden Tieren erzählen, was zum Beispiel so aussah......
Foto mit dem IVT
Poesie „Die Galeere“
Poesie „Paris“
Gunter: Ganz ehrlich – ich habe meinen Beruf als Technischer Zeichner gehasst. Und dann kam der Sommer 1982. Wolfgang Schmidt organisierte eine Gruppenreise für 10 – 20 Personen nach Amerika. Dort besuchten wir die Gallaudet Universität. Jeden Abend gab es diverse Theaterdarbietungen. Kennst du Charlie und Alan? Großartig, die beiden. Ich war von der Vielfalt der Poesie, den Witzen und der Gebärdensprache überwältigt. Es war unglaublich. Damals war ein rotes Tuch, das aus der Hose hing, das Erkennungszeichen unter Schwulen. Und Charlie sah es und fragte mich: Are you gay? Später fuhren wir mit dem Auto weg und feierten weiter. Sie gaben mir so viele Anregungen in Sachen Poesie. Und alle waren sie schwul – wie ich.
Foto: Alan R. Barwiolek & J. Charlie McKinney
Foto “Valli”:
Als Drag Queen mit Clayton Valli
Poesie: “Schnee”:
Poesie: „Weissrußland minus 50°Grad“
Gunter: Zurück aus Amerika – schmiss ich meinen Beruf hin und flüchtete nach Berlin in die hörende Theaterwelt. Dort traf ich auf so viel Akzeptanz mit meiner Poesie, und ich spürte, was ich wollte und wer ich war.
Fotos als „junger Künstler“
Lied „I want to break free“ (Queen): I want to break free … I want to break free…
I want to break free from your lies. You`re so self satisfied… I don`t need you. I want to break free!
God knows!!! I want to break free.
Poesie “Bye, bye Robert”:
Marcos: Diese Poesie “Bye, bye Robert” erzählt die traurige Geschichte eines an AIDS gestorbenen Freundes. Gunter hat ja eine Spezialgebärde für „Tod“, nämlich so ... Gunter, du warst voll dabei, als das damals mit AIDS begann. Wie war das für dich?
Gunter: Es war eine grausame Zeit. Stell dir vor – gehörlos, schwul und Aids inmitten der 80er Jahre, also ungefähr 1985. Robert war der Lebensgefährte von Christian Müller. Beide waren ein Liebespaar. Ich erhielt kurz vor einem Auftritt in Amerika ein Fax mit der Nachricht „Robert ist verstorben“. Dann stand ich auf der Bühne und erfand „Bye bye Robert“. Zwei Jahre später in Amerika gewann Christian die Wahl zum internationalen „Mr. Leather of the Deaf“, und ich wurde „The best Drag Queen of the Deaf“. Gleichzeitig führten wir in Deutschland bei etlichen Kofo-Veranstaltungen Aids Aufklärungen durch, solange, bis auch Christian starb. Ich hatte mit ihm einen sehr innigen Freund verloren. Dann begann ich die Aids Broschüre zu entwerfen. Trotzdem gibt es bis heute noch nicht genug Aufklärung.
Foto Draggqueen:
Die „Drag Queen“ und ihr „Mr. Leather“...
Foto: Christian Müller & Robert
Foto: Gunter & Robert
Filmzuspielung Christian Müller:
Gunter, Gunters Mutter (rechts) und Freunde pflegen Christian Müller.
Marcos Frage „K 3000“: Gunter arbeitet jetzt schon 15 Jahre als Barkeeper im Lokal „Kumpelnest 3000“. Erzählst du uns, wie du zu diesem Job gekommen bist?
Gunter: Du magst das Kumpelnest, was? – Logo. – Mit meinen Bühnenauftritten alleine reichte das Geld nicht. So arbeitete ich in diversen Lokalen als „Putzfrau“. Das Kumpelnest war ursprünglich ein Puff, bis drei hörende Künstler, unter ihnen Wolfgang Müller und Reinhard diesen Laden kauften. Sie fragten mich, ob ich nicht dort arbeiten wolle. Ich sagte „Okay“, schließlich wohnte ich direkt über dem Lokal. Dann ging alles fast wie von alleine. Im Kumpelnest hatte ich unendlich viele wertvolle Begegnungen, wie z.B. mit Barbara Stauss, der Fotografin. Sie machte dann auch die Fotos für die Aids-Broschüre.
Fotos AIDS-Broschüre:
Und ich traf auch viele Prominente wie Karl Lagerfeld, Claudia Schiffer, den Schauspieler aus „Der Name der Rose“. Wirklich wundervolle Begegnungen – und das geht bis heute so.
Fotos aus dem Kumpelnest 3000: (mit Emmanuelle Laborit, Brigitte Nielsen, Whoopi Goldberg , J. Bond Chefin „M“: Judi Dench “Der Schöne und das Biest“: mit Ron Perlmann)
Gunter: Eines Tages platzten zwei Bodyguards ins Kumpelnest. Sie sahen sich um, bis dann Karl Lagerfeld rein kam, ohne Fächer, in einem einfachen Rollkragenpullover. Er roch nach Schweiß, hatte wohl sein eigenes Parfüm nicht benutzt. Zuerst wollte er mir etwas aufschreiben, doch da ging ich schon vor ihm auf die Knie. Da stand schließlich Der Modezar vor mir. Dann kam sogar noch Claudia Schiffer rein, wer hätte das gedacht? Hinzu kamen eine Sängerin und dieser Mann aus der Levis 501 Werbung. Ein Schreck nach dem anderen. Dann sagte Lagerfeld zu mir „Ich möchte dich fotografieren“. Ich sagte voller Aufregung „Ja“. Schnell war ich dann verkleidet, und er nahm einen Bleistift, um meine Lippenkonturen auszubessern. Aber die komplette Kleidung stammte von mir. Dann trat eine transsexuelle Sängerin auf, ich glaube, ihr Name war Zazie de Paris, und sang aus voller Kehle Opernarien, um die Modelle in die richtige Stimmung zu bringen. Und ich taube Nuss habe natürlich nichts verstanden. Plötzlich schmiss ich ein Glas um, der Mann neben mir lachte, und so entstanden diese Fotos.
Fotos, Musik „Vouge“ von Madonna:
Marco an Tom: Tom, du bist “völlig hörend“ und Gunter „völlig taub“. Seit acht Jahren seid ihr ein Paar! Ist das nicht schön?
Tom: Ja, es stimmt. Es sind jetzt schon 8 Jahre, dass wir zusammen sind. Und ich komme auch aus der hörenden Welt, Gunter ist gehörlos. Bevor ich Gunter getroffen hab, hatte ich überhaupt keinen Kontakt mit Gehörlosen. Aber das hat sich jetzt ja geändert, weil ich mit Gunter viel zu Gehörlosen-Veranstaltungen gehe und Gunter in meine hörende Welt mitnehme, so dass wir eigentlich die beiden Welten so’n bisschen verbinden, und ein paar von meinen hörenden Freunden jetzt auch angefangen haben, sich zu Gebärdenkurse anzumelden, und das vermischt sich jetzt so’n bisschen.
Marco: Wie hast du damals mitbekommen, das Gunter so eine bekannte Persönlichkeit ist? Wie war das für dich am Anfang? Und wie ist es jetzt?
Tom: Am Anfang kannte ich ja gar keine Gehörlosen und hab das auch gar nicht gemerkt, dass Gunter eigentlich sehr berühmt ist. Und das hab ich dann erst mitgekriegt, als ich mit Gunter weg gegangen bin oder ihn moderieren gesehen hab. Jetzt weiß ich das natürlich und weiß auch, dass das nicht nur in Deutschland so ist und komm mir manchmal schon vor wie Prinz Philipp und lauf so hinter ihm her, aber da bin ich stark genug, das schaff ich schon.
Zwei Fotos: Tom und Gunter:
Foto Mutter/ Sohn Los Angeles 93: Gunter erhält den Oscar als beste Drag Queen der Welt
Helga Puttrich-Reignard:..und dann hieß es, ich soll auch auf die Bühne kommen. Und dann bin ich auch auf die Bühne gegangen und bekam auch den „Oskar“. Und den Oskar habe ich bekommen als „Die beste Schwulenmutter der Welt“!
Musik: Lied „Erotica“ (Madonna): Erotic, erotic, put your hands all over my body …
Rolf, Gunters Bruder: Gunter, ich liebe Dich!
Tom: Gunter, ich liebe Dich, und wünsch mir, dass wir immer zusammen bleiben!
Musik weiter („Erotica“):Give it up, do as I say, give it up and let me have my way. I’ll give you love, I’ll hit you like a truck, I’ll give you love, I’ll teach you how to … Erotic, erotic, put your hands all over my body …
Marco: Ohne Zweifel kann ich folgendes behaupten: Gunter ist DER Weltstar der Gehörlosen-Szene! Manchmal habe ich aber das Gefühl, das er in Deutschland oft nicht ernst genommen wird. Einige Leute sehen ihn einfach nur als Schwulen oder als Clown. Darf ich dich fragen: Fühlst du dich hier unter Gehörlosen anerkannt genug?
Gunter: Gute Frage. Als Weltstar bin ich unter anderem in Amerika z.B. an der Gallaudet Universität anerkannt, in England habe ich z.B. für den Fernsehsender „Channel Four“ und die BBC gearbeitet, man kennt mich in Japan, Australien, Frankreich und sogar in Italien. In Deutschland war es anders. Hier galt ich immer nur als der alberne Schwule. Als Hetero hätte ich schon viel früher Preise und Anerkennungen bekommen. Aber das Thema „Schwule und Aids“ ließen das nicht zu. Aber vor kurzem bekam ich den Kulturpreis. Ehrlich – ich war nicht nur froh darüber, sondern mächtig stolz!
Filmzuspielung Kulturpreis:
3. Deutsche Kulturtage der Gehörlosen, München, 7. September 2001: Verleihung des Kulturpreises des Deutschen Gehörlosenbundes durch Gerlinde Gerkens an Gunter Puttrich-Reignard
Marco: So, ich danke euch für euer Interview. Blödsinn, dir für dein Interview. Tja, also...und was machen wir jetzt?
Gunter: Waaas? Berlin ist eine Großstadt! Eine Weltstadt und Hauptstadt: Komm schon! It`s Partytime!
Marco:Echt?
Beginn der Limousinenfahrt/ Musik „Music“ von Madonna:Do you like to boogie woogie? Do you like my dancing?
Stefan: Gunter ist ein Revolutionär!
Simon: In der Schule war er immer sehr auffällig: Wirre Locken, cooler Gang, verrückte Klamotten. Wenn er anfing zu erzählen, stand er immer im Mittelpunkt! Er hatte eine schlimme Berliner Schnauze! Doch wir Hamburger waren dankbar, er brachte uns neue Gebärden bei...
Musik weiter:And when the music starts I never wanna stop, It’s gonna drive me crazy. Music, Music …
Jürgen: Er lief damals schon mit Sicherheitsnadeln in Ohr und Kleidung herum. Man bekam direkt das fürchten...
Ilona: In Deutschland ist er einmalig. Ich sehe keinen Nachfolger. Er ist immer noch an der Spitze!
Musik weiter (Madonna): Don’t think of yesterday and don’t look at the clock I like to boogie woogie It’s like riding on the wind and it never goes away …
Stefan: Er ist ein Denkmal oder, sagen wir, eine lebende Legende der Gehörlosengemeinschaft.
Arvid: Gunter bleibt Gunter! Ich sag nur: Einmalig!
Heiko: Gunter? Kenn ich nicht!
Musik weiter (Madonna):Hey, Mister DJ !
Clayton Valli: Als ich Gunter zum ersten Mal auf der Bühne sah...Junge, Junge! Der hatte ein Temperament und eine Ausstrahlung! Ich war wie verzaubert. Und mir fiel die Kinnlade runter...
Lied „The Show must go on“ (Queen):
Moderation: Rona Meyendorf
Marco Lipski
Kamera: Thomas Henkel
Ton: Michael Heilmann
Schnitt: Jan Krüger
Wir danken: Barbara Strauss, Ülkü Bal, Annette Frick, Wilhelm Hein, Twins TV, Zentrum für visuelle Kommunikation Berlin e.V.
Fax-Abruf-Service „Sehen statt Hören“: 0190 / 150 74 107 (EUR 0,62 / Min.)
Impressum:
Bayerischer Rundfunk, 80300 München;
Redaktion Geisteswissenschaften und Sprachen / SEHEN STATT HÖREN
Tel.: 089 / 3806 – 5808, Fax: 089 / 3806 – 7691,
E-MAIL: sehenstatthoeren@br-mail.de
Redaktion: Francine Gaudray, Bayer. Rundfunk, Ó BR 2002 in Co-Produktion mit WDR
Herausgeber: Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Gehörlosen und Schwerhörigen e. V.
Paradeplatz 3, 24768 Rendsburg, Tel./S-Tel.: 04331/589722, Fax: 04331-589745
Einzel-Exemplar: 1,46 Euro