Elektronische Führer für gehörlose und sehbehinderte Menschen eingeführt

"Ein Gehörloser hat mir gesagt, er möchte keinen ermäßigten Eintritt mehr zahlen - er gehöre jetzt nicht mehr zu den benachteiligten Personen." (Ursula Wallbrecher, Öffentlichkeitsreferentin und Schwerbehindertenvertreterin des Landesmuseums)

Deutlicher kann man kaum machen, welche Bedeutung solch ein kleines Gerät für Gehörlose haben kann. Für Hörende fast schon eine Selbstverständlichkeit: An der Kasse kann man sich ein Gerät mit Kopfhörer ausleihen, und beim Gang durch das Museum hört man sich die Erklärungen an.

Für Gehörlose bisher nicht denkbar. Natürlich gibt es inzwischen eine Vielzahl von Führungen in Gebärdensprache. Die haben zweifellos auch ihre Vorteile: Man hat einen Menschen "aus Fleisch und Blut" in Lebensgröße vor sich, und man kann Fragen stellen. Allerdings ist man auf bestimmte Zeiten angewiesen, kann nicht "mal eben" ins Museum gehen, wenn man es gerne möchte. Da ist der Führer im Mini-Format wirklich hilfreich. Und wenn man mal etwas nicht verstanden hat, wiederholt er mindestens so geduldig wie der Führer live. ;-)

Das Landesmuseum Mainz ist das erste Museum in Deutschland, das für eine ständige Ausstellung eine elektronische Führung in Deutscher Gebärdensprache anbietet. Auf fünf Video-Guides (handgroße Mini-Computer, so genannte PDAs) können sich Gehörlose anderthalb Stunden lang 38 Kunstwerke bzw. Kunstepochen in Kurz-Videos erklären lassen. Dazu sind an den Kunstwerken bzw. an den Eingängen zu den Räumen Nummern angebracht, die auf dem Video-Guide frei eingegeben werden können. Sofort startet dann der passende Gebärdensprach-Film.

Die Videos wurden übrigens von Gebärdenwerk erstellt, mit Sonja Wecker und Helmut Vogel als Gebärdensprach-Darstellern. In dem kleinen Trailer hier oben haben sie Mini-Ausschnitte aus ihren Führungen zusammengestellt.

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