taub und trotzdem hören
Sabine Fries und Thomas Geißler hatten zum Aufruf zum 3. Deutschen CI-Tag 2008 eine Stellungnahme geschrieben. Auf diese Stellungnahme hat jetzt der Vorstand der DCIG geantwortet, mit einer Stellungnahme zur Stellungnahme. ;-)

OK, Die DCIG ist eine Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation für CI-Träger und keine Klinik. Der Irrtum muss korrigiert werden. Und: "Von sämtlichen Ihrer Fehlinterpretationen hinsichtlich unseres Standpunkts zur Deutschen Gebärdensprache, der Gehörlosengemeinschaft sowie deren Kultur distanzieren wir uns auf das Schärfste." Die DCIG erkennt also die DGS und die Kultur der Gehörlosen an. Das hört man gerne. Aber: "Der 3. Deutsche CI-Tag richtete sich an die interessierte Öffentlichkeit mit der Grundbotschaft, dass Taubheit heute kein unabänderliches Schicksal mehr ist." Als Schicksal empfinden Spätertaubte und hörende Eltern die Taubheit, die Gehörlosen (taub Geborenen) eben NICHT! Wird da nicht der medizinisch und defizitär ausgerichtete Audismus wieder sichtbar? Haben Sie schon mal einen Arzt getroffen, der Taubheit nicht kurieren wollte? Und für den die Sprach- und Kulturgemeinschaft der Gehörlosen etwas Positives ist? (Prof. Lenarz auf RTL: "Ein Kind, das gehörlos aufwächst, kann gar nicht richtig kommunizieren.") Dazu passt dann das "Schicksal der Taubheit" perfekt.

"Die DCIG ist seit Jahren bemüht, die Gräben, die uns die Dogmatiker in den letzten Jahrzehnten hinterlassen haben, zu überwinden, um eine gemeinsame Basis der Betroffenenverbände zu schaffen, denn aus unserer Sicht verbindet uns mehr als uns letztlich trennt." Klingt gut! "Ebenso haben wir aktiv an den Ständen über die Möglichkeiten zum Besuch von Gebärdensprachkursen berichtet und entsprechende Adressen weitergegeben." Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube? Geben Sie doch einmal bei Google das Suchwort "Gebärdensprache" ein. Da taucht dann an erster Stelle Werbung für die "ohrenseite" von Michael Schwaninger auf. Michael Schwaninger ist CI-Träger und propagiert auf seiner Website natürlich das CI. Nach Infos über die Gebärdensprache sucht man dort vergeblich. Ist in der Google-Anzeige ja auch mit einem Fragezeichen versehen. Warum also Werbung mit dem falschen Suchwort? Um hörende Eltern, die einen Horror davor haben, ihr Kind könnte einmal auf die Gebärdensprache "angewiesen" sein, auf seine Seite zu locken? - Michael Schwaninger ist Vizepräsident der DCIG und hat die Gegen-Stellungnahme mit unterzeichnet. Da kann man sich vorstellen, wie die Informationen am CI-Tag ausgesehen haben mögen.

Aber nehmen wir die Beteuerungen der DCIG doch einfach als Erkärung des guten Willens, und beobachten wir weiterhin, ob Ärzte echte Wahlmöglichkeiten anbieten und die Gebärdensprache als Zweitsprache empfehlen. Davon sind wir wohl noch weit entfernt, aber die DCIG kann ja ihren Einfluss geltend machen.