Die Hungerstreikenden tragen ihre Forderungen in internationalen Gebärden vor. (Video von Ramas Rentelis)

Fünf Gehörlose sind gestern an der Abbe de L'Epee-Schule in Paris in einen Hungerstreik getreten und bitten um Solidarität. Ihre Forderungen:

1. Die französische Regierung soll die Belange der Gehörlosen endlich ernst nehmen. Eine Kommission soll Missstände in der Gehörlosenpädagogik und im Alltagsleben aufklären.
2. Landesweit soll in allen 22 Gehörlosenschulen die Gebärdensprache eingesetzt werden.

Christian Vogler berichtet aus Paris:

Man mag es kaum glauben, aber in Frankreich, der Wiege der modernen Gehörlosenpädagogik und der bilingualen Erziehung, werden Gehörlose grausam unterdrückt. Mitspracherecht der Gehörlosengemeinschaft über ihre Belange? Fehlanzeige! Gehörlose Lehrer? Fehlanzeige! Bildungsperspektiven? Fehlanzeige! Wenn Abbe de L'Epee und Laurent Clerc wüssten, wie ihre unermüdliche Arbeit vor 200 Jahren in Rauch aufgegangen ist, würden sie sich sicher im Grab umdrehen.

Nun haben die französischen Gehörlosen endgültig die Nase voll und haben eine "Aktion zur Rettung der Gehörlosen" ins Leben gerufen. Der Hungerstreik dient dazu, um die Öffentlichkeit auf die Situation aufmerksam zu machen, und um die Regierung zum Handeln zu veranlassen. Sie hoffen auch auf die Solidarität der internationalen Gehörlosengemeinschaften und betreiben mehrsprachige Öffentlichkeitsarbeit:

Bilder aus Paris (Danke an R. Rentelis und eine weitere unbenannte Quelle):