Heidelberg

Es ist nicht alles Gold was glänzt. Diese Erfahrung haben Hörgeschädigte gemacht, die eine Berufsausbildung am SRH Berufsförderungswerk in Heidelberg machen. Kompetente Hilfe für Hörgeschädigte heißt es auf der Homepage des Bfw. Da ist die Rede von Unterricht in DGS oder LBG, von SonderpädagogInnen für Hörgeschädigte, vom Erstellen von pädagogischen Unterrichtsmitschriften usw. usw. Traumhafte Bedingungen für deafies, möchte man meinen. Leider berichten "Kunden" (=Auszubildende) ganz anderes. Sie beklagen leere Versprechungen und fühlen sich allein gelassen.

Natürlich können wir den Wahrheitsgehalt nicht überprüfen. Wir hoffen aber, dass Bfw und Betroffene miteinander ins Gespräch kommen, angeregt durch diese Verröffentlichung, und dass die Ausbildungsbedingungen so optimal werden wie auf der Homepage verkündet.

23 Hörgeschädigte aus dem BFW Heidelberg berichten:

Das SRH Berufsförderungswerk in Heidelberg bildet seit über 10 Jahren Gehörlose und andere hörgeschädigte Menschen aus. Damit wird auch auf einer Webseite geworben, mit Videos in Deutscher Gebärdensprache. Es finden Berufsfindungsmaßnahmen statt, die die ganze Zeit von Gebärdensprachdolmetschern begleitet werden, und in denen den hörgeschädigten Teilnehmern fast alle Berufe im Berufsförderungswerk als möglich angeboten werden. Das ist für die Hörgeschädigten erst mal eine gute Nachricht Dabei wird viel versprochen. Zum Beispiel, dass die Ausbildung integrativ und mit Begleitung der Sonderpädagogik Hörgeschädigte ablaufen wird.

Die Sonderpädagogik Hörgeschädigte sind die Dolmis und Mitschreiber.

Die Realität sieht anders aus: Die Dolmetscher sind unter- und fehlbesetzt. Es sind mit ca. 35 - 40 Leuten zu wenige da, um über 100 Hörgeschädigte (die Zahlen variieren für beides je nach dem wer gefragt wird) betreuen zu können. Die Mitschreiber hatten oft noch nie mit hörgeschädigten Menschen zu tun, und können den Stoff nicht so vermitteln, dass er verstanden wird, weil sie nicht wissen, dass viele Gehörlose Probleme beim Lesen haben. Viele Kurse werden gar nicht Dolmetscherversorgt, das ist besonders für die Teilnehmer, die in diesem Jahr geprüft werden schlecht. Die SRH will diesen Teilnehmern nicht helfen oder deren Leistungslücken sehen. Die Dozenten und Case-Manager sagen, das können sie den Kostenträgern nicht erklären. Den Hörgeschädigten wird gesagt, sie müssten die Ausbildungen dann eben wiederholen, wenn sie nicht im Unterricht mitkommen, oder die Ausbildungen abbrechen. Die Hörenden dürfen uns nicht helfen, sie bekommen dann Ärger, weil sie dann im Unterricht nicht mitkommen. In vielen Kursen haben wir auch gar keinen Kontakt zu den Hörenden, weil sie die Kommunikationsprobleme nicht verstehen und es keiner erklärt. Wir sind sehr wütend. Es ist nicht richtig, dass wir wochenlang ohne Dolmetscher in Kursen mit Hörenden sitzen, nichts verstehen, und wenn wir dann schlechte Zensuren schreiben, soll das unsere Schuld sein. Wir haben den Stoff doch gar nicht bekommen. Es kommen auch immer neue Hörgeschädigte an. Wie sollen die betreut werden?
Wir fühlen uns alleingelassen.
23 Hörgeschädigte (und 2 hörende Kurse) aus dem BFW Heidelberg

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