"Es wäre schön, wenn Gehörlose die Infostände besuchen würden, um zu zeigen, dass sie nicht in der Hölle der Taubheit leben, sondern in einer selbstbewussten Sprach- und Kulturgemeinschaft." Das hatten wir vor einem Jahr in einem Hinweis auf den 3. CI-Tag geschrieben (siehe unten). Zu den Zielen des 4. CI-Tags, der am 20. Juni stattfindet, heißt es jetzt: "Aber auch alle anderen Wege dieser Familien sind im höchsten Maße respektabel und wir möchten ausdrücklich auch gebärdensprachlich orientierte Hörgeschädigte ermutigen am 4. Deutschen CI-Tag teilzuhaben." Haben unsere Einwände also etwas bewirkt? Auch das neue Motto "Kommunikation - der Schlüssel zur Gemeinschaft" klingt doch schon ganz anders als ""Hören ist die wunderbarste Sache der Welt, solange man es kann." Eine Kehrtwendung der DCIG hin zur Gebärdensprache bzw. zur Zweisprachigkeit?
Warum nur kommt bei diesen Ankündigungen solch ein unwohles Gefühl auf? Auffällig ist, dass in verstärktem Maße Veranstaltungen für (gebärdensprachlich orientierte) gehörlose Eltern angeboten werden. (In Hannover findet vom 5.-7- Juni die Veranstaltung "Gehörlose Eltern: Unser Kind hört mit CI" statt, in Fulda am 12./13. Juni die Veranstaltung "Gehörlose Eltern und CI-Kinder, Management und Support"[für Profis!].) Dabei ist das doch eine winzige Minderheit innerhalb der Minderheit. Nur ca. 5% der Gehörlosen haben gehörlose Kinder. Allerdings waren die immer entschieden gegen das CI. Soll da der Widerstand ganz gezielt gebrochen werden? Damit auch die letzten gehörlosen Kinder implantiert werden können? Was geschieht mit den gehörlosen Eltern, wenn sie an Veranstaltungen teilnehmen, die speziell auf sie ausgerichtet sind? Werden sie über reale Erfolgsquoten und Risiken informiert? Wenn überhaupt, dann wohl eher am Rande. Sicher wird das CI als großartige Möglichkeit angepriesen, dem Kind per lautsprachlicher Kommunikation den Schlüssel zur Gemeinschaft der Hörenden zu geben.
Wäre es nicht auch "im höchsten Maße respektabel", wenn die DCIG hörenden Eltern, auch denen von sehr erfolgreich implantierten Kindern, den Einsatz von Gebärden empfehlen würde? Wenn sie den Ärzten erklären würde, dass "taub und trotzdem hören" eben auch bedeutet, dass die Kinder taub bleiben? Für den Einsatz der Gebärden (je nach Bedarf DGS oder LBG) gibt es viele Gründe: z.B. bei Ausfall des Geräts, beim Sport, beim Schwimmen, beim Studium (mit Dolmetscher) - und sie sind der "Schlüssel zur Gemeinschaft" der Gehörlosen. Der ist für viele CI-Kinder, die sich wie Schwerhörige zwischen den Welten der Hörenden und Gehörlosen befinden, sicherlich sehr hilfreich.
Nein, wir sind NICHT grundsätzlich gegen CIs! Aber wir sind auch für die Akzeptanz der Andersartigkeit. Nicht in jedem Fall muss die Taubheit "repariert" werden. Auch mit ihr lässt es sich gut leben. Und wir sind für die Absicherung der Kommunikation - zur unbehinderten kognitiven, psychischen und sozialen Entwicklung der Kinder. Wenn das Motto so gemeint ist, können wir nur zustimmen. Und sobald Gebärden als (gleichwertige!) Zweitsprache propagiert werden, wird auch der letzte Funken Misstrauen beseitigt werden.



































