10.12.2009 22:55 Uhr (Dauer 130 min)
theater
Wolf
Ein Mozart-Projekt von Alain Platel
Musik: Mit dem "Klangforum Wien"
Hunde, Sex & Karaoke: Das Mozart-Projekt des belgischen Ausnahme-Regisseurs Alain Platel entwirft auf der Bühne eine Choreographie aus Gesang, Tanz, Akrobatik, Parodie, Slapstick, Gewalt, politischer Manifestation und Poesie - ein Reich der Sinne, wie es im Theater selten zu sehen ist. Die Auseinandersetzung mit Mozart und seiner Musik führt ihn zum archaischen Mutterkonflikt des "Clash of the cultures", dem Unterschied zwischen Rohem und Gekochtem, zwischen Wildnis und domestiziertem Leben, zwischen unbehauener Lebensgier und kultivierten, gebändigten Lebensentwürfen. Platel entwirft ein Vorstadtszenario. Der Berliner Bühnenbildner Bert Neumann baute ihm dafür eine heruntergekommene Shopping-Mall. Dort flanieren zusammen 15 Tänzer und Sänger. Unter ihnen zwei Gehörlose und eine Luftakrobatin aus dem Cirque du Soleil. Sie spielen Liebe und Hass und ihre politischen Statements zur Welt- und Kriegslage aus, gerieren sich als prügelnde Street-Gang, Drag-Queens und Barschlampen. Über allem, hinter Gittern, ist das Orchester postiert. Darunter befindet sich ein weiterer Zwinger, in dem die vierbeinigen Akteure, ein Hunderudel, untergebracht sind. Sylvain Cambreling hat zusammen mit dem Klangforum Wien sowie drei Sängerinnen die musikalische Einrichtung nicht allein auf die Auswahl von Orchesterstücken, von Konzert- und Opernarien der späten Schaffensperiode Mozarts beschränkt, sondern sie kompositorisch bearbeitet: "Wolf" entstand in Koproduktion der RUHRtriennale mit Les Ballets C. de la B., Opéra National de Paris und in Kooperation mit der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin. Peter Schönhofer hat aus dem aufgenommenen Material eine Fernsehfassung erarbeitet, die weit über die Wirkung der Vorstellung hinausgeht. Das Geschehen wird in eine Filmdramaturgie überführt und erhält durch den Einsatz filmischer Effekte zusätzliche erzählerische Kraft und Intensität.
































