Gewaltprävention

„Grenzen setzen – sich selbst vertrauen – Gewalt vermeiden“ – Angebote zur Gewaltprävention für gehörlose Kinder und Jugendliche“
‚Grenzen setzen – sich selbst vertrauen – Gewalt vermeiden‘, unter diesem Titel wurde im November 2009 in Berlin ein Modellprojekt gestartet, das gewaltpräventive Angebote für gehörlose Kinder und Jugendliche konzipiert und durchführt hat. Initiiert wurde das Modellprojekt vom Bundeselternverband gehörloser Kinder e.V. Konzeptionell ausgearbeitet und realisiert wurde es vom Berliner Elternverein Hörgeschädigter e.V. und dem ifgg - Institut für genderorientierte Gewaltprävention e.V. . Finanziell unterstützt wurde das Projekt von der Stiftung ‚Aktion Mensch‘ und der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin (jfsb).

Selbstbehauptung und Soziale Kompetenzen trainieren
Einer der beiden wesentlichen Bausteine des Projekts waren die Selbstbehauptungstrainings, die für Jungs und Mädchen getrennt angeboten wurden. In diesen Trainings konnten die Kinder und Jugendlichen z.B. Techniken erlernen, um sich vor bzw. in Gewaltsituationen zu schützen (Sensibilisierung für gefährliche Situationen, Deeskalation, Befreiungstechniken), die eigenen Grenzen spüren und lernen rechtzeitig nein zu signalisieren, aber auch die Signale der anderen anzuerkennen.
Der zweite Baustein waren die Workshops zur Sozialen Kompetenz, die mit kreativen Zugängen (Kochen, Schattentheater, Akrobatik, Kommunikation) den Kindern und Jugendlichen vermittelten, wie Arbeiten im Team funktioniert, wie Konflikte angesprochen und gelöst werden können und wie eigene Grenzen gesetzt werden, wie ein klares „nein“ formuliert wird.
Konzeptwerkstätten mit pädagogischen ExpertInnen
Bevor die Workshops für die Kinder und Jugendlichen durchgeführt wurden, stellten die KoordinatorInnen und WorkshopleiterInnen ihre ausgearbeiteten Konzepte einem ausgewählten Kreis pädagogischer ExpertInnen vor. In zwei Konzeptwerkstätten wurde engagiert über Inhalte und Durchführungsmöglichkeiten diskutiert.
Elternworkshops
Außerdem veranstaltet wurden spezielle Workshops für Eltern, um sie über die verschiedenen Angebote zu informieren und sie für das Thema Gewalt zu sensibilisieren. Beispielweise wie sie erkennen können, dass ihre Tochter/ihr Sohn Opfer von physischer oder psychischer Gewalt geworden ist, was effektive Strategien sein können, wenn ihr Kind aggressiv reagiert, oder um Konflikte in der Familie konstruktiv zu lösen.
Perspektiven
Das Berliner Modellprojekt soll eine Anregung sein, ähnliche Projekte an anderen Orten durchzuführen. Damit dies möglich wird, gibt es eine ausführliche Beschreibung des Projektes mit einer Auswertung der durchgeführten Trainings und Workshops in Form eines Manuals, das auf der Website des Bundeselternverbandes heruntergeladen werden kann. Auf der Tagung des Bundeselternverbandes werde ich das Projekt interessierten Eltern im rahmen der Workshops am Samstag Nachmittag vorstellen.
Wie geht es in Berlin weiter? Im Rahmen einer Abschlusstagung wurde das Projekt Pädagogen, Studierenden, Eltern und Interessierten vorgestellt und gemeinsam nach Möglichkeiten gesucht, weiterführende Angebote für Kinder und Jugendlichen zu installieren. Das Ergebnis dieser Tagung ist sehr vielversprechend. Es wurden weitere Kooperationspartner mit ins Boot geholt, sodass es auch 2011 Workshopangebote für gehörlose Kinder und Jugendliche geben wird.
Darüber hinaus sind weitere Projektideen entstanden:
Angeregt durch den Vortrag von Dr. Anja Dietzel zum Thema "Präventives Arbeiten mit hörgeschädigten Kindern u Jugendlichen zum Thema Sexuelle Übergriffe“ haben mehrere TeilnehmerInnen die Initiative ergriffen, ein Netzwerk zum Schutz vor Sexuellem Missbrauch aufzubauen.
Frau Streib-Brizic und Herr Schäfer stellten Ihr Tesya® -Trainingskonzept zum Umgang mit Aggression vor (www.tesya.de). Da es das Trainingsprogramm bisher noch nicht speziell für gehörlose Jugendliche gibt, es aber bei den TeilnehmerInnen eine sehr gute Resonanz hatte, werden wir ein Folgeprojekt beantragen: Tesya® - Deaf. Auch für dieses Projekt haben sich Kooperationspartner gefunden.

Katja Belz

 

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