Prominente in der Taubengemeinschaft, die für Synergy werben, das passte wirklich nicht. Dass Rona, Marco und Conny aber deswegen ihre Jobs bei Sehen statt Hören verloren, war jedoch nicht das Ziel des Taubenschlags - zumal uns der Kündigungsgrund bisher nicht eindeutig klar ist.
Unmittelbar nach der Kündigung haben sich alle drei aber von Synergy losgesagt. Sie machen keine Werbung mehr, verkaufen nichts und haben eingesehen, dass ihr Synergy-Engagement in der Gehörlosengemeinschaft nicht OK war. Nun sind die drei durch ihre Entlassung wirklich hart getroffen. Rona und Marco sind arbeitslos. Selber Schuld, mag mancher denken. Uns geht es auch weniger um Mitleid oder christliche Nächstenliebe – obwohl man „reuigen Sündern“ schon verzeihen sollte! Nein, zwei Dinge bewegen uns:
Die Entlassung bei SsH kommt für Rona und Marco einem Berufsverbot gleich. Als hörgeschädigte Fernsehleute haben sie nur eine einzige Möglichkeit, tätig zu sein: bei SsH! In keiner anderen Sendung können sie eingesetzt werden. Durch die Kündigung sind sie ins berufliche und soziale Abseits befördert worden.
Wichtiger noch ist allerdings der Verlust, den das Ausscheiden
der drei für SsH und die Gehörlosengemeinschaft bedeutet. An die
„Info-Box“ von SsH werden sich nur die Älteren
erinnern. Rona war schon mit 18 Jahren als Schülerin dabei, ein
SsH-„Urgestein“ gewissermaßen, „entdeckt“
vom ehemaligen SsH-Chef Enzio Cramon. Über 20 Jahre lang hat Rona
Filme für SsH gemacht – zur Zufriedenheit aller.
Marco ist später hinzugekommen. Ausgebildet als Schauspieler und
später als Videojournalist hat er nicht nur den „Clown“
gespielt, sondern war auch als Moderator und Regisseur aktiv. Er
kennt nicht nur Sprache und Mentalität Gehörloser, er konnte sich
perfekt auf ihren Geschmack und ihre Wünsche einstellen. Durch ihn
bekam SsH ein völlig neues Gesicht. Die Gehörlosen konnten SsH mehr
denn je als IHRE Sendung betrachten.
Conny als Moderatorin wurde von den Zuschauern als „eine von
uns“ gesehen. Klar, dass sie perfekt gebärdete. Mit ihrer
frischen und freundlichen Art konnte sie die Filmbeiträge
beleben.
Das Entscheidende bei der Arbeit der drei für SsH: Sie haben die Sendung geprägt im Sinne der deaf community. SsH war anfänglich eine Sendung von Hörenden für Hörgeschädigte, mit eindeutig karitativen Zügen. Jürgen Stachlewitz war der erste gehörlose Moderator und der erste, der „echt“ in DGS moderiert hat. Durch Rona und Marco wurde die Gehörlosen-Fraktion im SsH-Team verstärkt. Und das war extrem wichtig. Das Image wandelte sich von der Behinderten-Sendung zur Sendung für eine sprachliche Minderheit. Wer würde auf die Idee kommen, eine Sendung für die dänische Minderheit nicht von Dänen machen zu lassen, oder für die sorbische Minderheit nicht von Sorben? Absurd! In anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit, dass Programme von deafies für deafies gemacht werden. SsH schien auf dem besten Weg dorthin zu sein, aber die Entlassung der drei Gehörlosen ist ein herber Rückschlag.
Seit dem Ausscheiden der drei fällt die Häufigkeit von Wiederholungen auf. Andere gehörlose ModeratorInnen tun zwar ihr Bestes, kommen aber an die Professionalität der drei nicht heran. Das kann man von ihnen auch nicht erwarten, da sie weder die Ausbildung noch die langjährige Erfahrung haben. Insgesamt hat die Qualität der Sendung merklich nachgelassen.
Im Interesse der Sendung und vor allem der
Gehörlosengemeinschaft plädieren wir deshalb dafür, dass der BR mit
der Redaktion von SsH die Entlassung von R. M., Marco Lipski und
Conny Ruppert noch einmal überdenkt und revidiert. Die drei haben
über Jahre und z.T. Jahrzehnte die Sendung geprägt und können sie
mit Sicherheit zur Zufriedenheit der gehörlosen Zuschauer auch in
Zukunft gestalten.
Darüber hinaus würden wir es sehr begrüßen, wenn SsH sich noch mehr
auf die „deaf nation“ (Begriff aus den USA) zentrieren
würde, z.B. in Form einer weiteren Verstärkung der
Gehörlosen-Fraktion im Team, durch einen gehörlosen Chefredakteur
(wenn die Stelle neu besetzt werden muss) und die Einstellung eines
Gebärdensprachdolmetschers. Die Sendung würde sich damit
internationalen Gepflogenheiten und internationalem Niveau
annähern.
































