Melissa

Fam. Sentürk-Eichwald sucht für den Einsatz ab September 2011 drei Dolmetscherinnen für ihre Tochter Melissa. Sie ist fit in DGS und soll in die Regelschule gehen. Die Schule ist die Volksschule Neu-Ulm/Offenhausen (Grundschule).

Die Dolmetscherinnen sollten möglichst Erfahrung im Umgang mit gehörlosen Kindern haben oder bereit sein, auch Weiterbildungen zum Thema „Dolmetschen für Kinder“ zu besuchen.

Bitte schriftliche Bewerbungen mit Foto an Fam. Sentürk-Eichwald  turansentuerkeichwald@googlemail.com

Kommentare

Von: wernerhu

Datum: 07.06.2011 08:02

Boah!Wenn das Schule macht....dann explodieren die Kosten und die DGS Dolmis werden rarer ^^

Von: jepp

Datum: 07.06.2011 09:04

@wernerhu ist längst kein Einzelfall mehr! Da gibt es bundesweit etliche Familien die dieses umsetzen! Jo die Kosten werden auf jeden Fall explodieren, da in Zukunft immer häufiger davon Gebrauch gemacht wird!

Es ist in meinen Augen eh Schwachsinn das Kind auf eine hörende Schule mit Dolmi zu schicken und eine Frechheit gegenüber der Allgmeinheit, wegen der Kosten!

Es gibt Gehörlosen.- und Schwerhörigenschulen davon sollte Gebrauch gemacht werden!

Von: HS

Datum: 07.06.2011 09:53

Diese Aussagen verstehe ich nicht. Zum einen wird sich immer beschwert, dass Gehörlose ausgegrenzt werden und Hörende sich nicht mit Gehörlosigkeit und Gebärdensprache auseinandersetzen. Zum anderen wird sich beschwert, dass sich Eltern dafür entscheiden, ihr Kind nicht auf eine Förderschule zu schicken. Ich denke in Zeiten, in denen Inklusion noch nicht selbstverständlich ist, ist dies eine mutige Entscheidung, die unterstützt werden muss.
Und die Kosten? Die werden in eine solide Ausbildung des Kindes gesteckt, welches später höhere Chancen hat, einen gut bezahlten Job zu bekommen, evtl. sogar zu studieren. Und der zahlt dann wiederum unsere Renten. Daher ist es doch sinnvoll ein Kind in eine Regelschule zu schicken. Ausserdem steigt dadurch die Akzeptanz und das Verständnis für Gehörlosigkeit bei Hörenden.
@jepp: ich weiß nicht, ob du Dolmetscher beim Arzt, beim Amt usw. benötigst und dann gerne von der Allgemeinheit die Rechnung zahlen lässt. Falls dem so ist, solltest du dich hier nicht aufregen.

Von: jepp

Datum: 07.06.2011 10:37

Lieber @HS, Du brauchst mir über "Präventive Integration" nicht's zu erzahlen ;-)

Von: HS

Datum: 07.06.2011 10:44

Lieber jepp, dann versteh ich deine Einstellung erst recht nicht.

Von: jepp

Datum: 07.06.2011 10:47

@HS das Thena ist zu komplex, als dass es man hier in Kommentaren aus diskutieren könnte, daher lass ich es GUT sein!

Von: wernerhu

Datum: 08.06.2011 06:28

Haben die Dolmis auch mal Pausen während des Schultages? Ja?Das arme Kind....Pausen ohne Verständigungshilfe.Das wäre an hörgeschädigten Schulen anders.Wie fröhlich plaudern da alle zusammen nach Schulende...^^

Von: Radon

Datum: 08.06.2011 12:05

- soziale und emotionale Kontakte fehlen.
- Identitätskrise vorprogrammiert
- Gehörlosenkulturkentnnis gering
- umgangsprachliche und jugendsprachliche Kommunikation der DGS wird fehlen
- indirekte Unterhaltung über Dolmetscher ist fatal

am besten (letzte Möglichkeit!) wäre mind. 5 Gehörlos in einer Klasse oder (beste Möglichkeit) in einer gehörlosen Schule zu schicken: München, Hamburg, usw. wo die bilinguale Erziehung herrscht.

Das einzige 'möglich' Positives daran ist, die Bildung fördern. (Aber das wird auch in den gehörlosen Schulen auch erfolgreich durchgesetzt)

Fazit:
- Der Erfolg von Inklusion für Gehörlos wird in Frage gestellt.

@jepp:
Das Thema ist komplex, das stimmt! Deshalb sollten wir auch öffentlich darüber diskutieren, wofür wir für die Inklusion halten. Ich denke, die Fam. würde sich für einzelne Kommentare interessieren.

Von: EinAugenschmaus

Datum: 08.06.2011 12:27

Oh Gott,

sicherlich gibt es Schulen für Gehörlose/Schwerhörige, aber jeder weiß, dass dort das Bildungsniveau sehr niedrig ist, weswegen immer mehr gehörlose Eltern und hörende Eltern ihr gehörloses/schwerhöriges Kind auf eine Regelschule schicken werden. Und das ist in meinen Augen auch vollkommen richtig und notwendig so, damit eine echte Inklusion angestupst wird!

Ich kann die Eltern in ihrem Entschluss nur bekräftigen und dazu beglückwünschen, dass Melissa eine normale Schule besuchen wird, denn gerade im Raum Ulm/Neu-Ulm gibt's einfach keine Schule für Gehörlose/Schwerhörige in absoluter Pendel-Reichweite. Einzige Alternativen wären Tübingen, Stuttgart, Augsburg oder München. Einem Schulkind kann man KEINE solche lange Pendeltour jeden Tag zumuten und in dem ALTER sollte kein Kind ein Internat besuchen müssen und von der Familie getrennt sein!

Ich scheiß da auf die SORGEN einiger Gehörlosen, was aus der Gehörlosenkultur und der gehörlosen Identität von Melissa oder andere Kinder wird, weil es eine egoistische Sichtweite ist - hier geht es um das ganz große Ganze: Um Zukunft für Melissa und um ein möglichst normales Familienleben.

Darum geht es. Die Eltern haben und sollen die Wahlfreiheit haben, auf welche Schule sie ihr Kind schicken und das Kind soll auch die bestmöglichste Bildung erhalten und solange die Gehörlosen- und Schwerhörigenschulen eben nicht auf dem Niveau hörender Schulen sind, ist es keine echte Wahlfreiheit. Inklusion ist hier die zwingende Lösung!

Und der Familie Sentürk-Eichwald empfehle ich meinen Blogeintrag über die Inklusion - ich wohne quasi in der Nachbarschaft und auch damals bei meiner Einschulung stand meine Familie vor diesem Problem - am Ende ging ich auf die Grundschule in meinem Ort und es war gar kein Problem: http://meinaugenschmaus.blogspot.com/2011/04/der-monitor-bericht-und-meine-gedanken.html

Von: hewritesilent

Datum: 08.06.2011 15:19

@MeinAugenschmaus: "Niedrige Bildungsniveau" mag schon bei dir und die anderen optisch gesehen stimmen. Aber hast du irgendwelche SH/GL-Schule besucht? Deshalb solltest du mit deiner Äusserung etwas vorsichtiger formulieren und nicht einfach pauschalisieren.

Früher wurden GL/SH noch regelrecht weggesperrt. Klar, dass da keine (Schul-)Bildung statt fand. Mein Professor damals, bei dem ich eine Einführung in DGS erzählt hatte, dass wenn er ältere Gehörlose auf der Straße sieht und gebärdet, sie nur hastig abwinken und sich abwenden. Dagegen sehe ich heutige Jugendliche bzw. jüngere Erwachsene in der Stadt, die sich ausgelassen mit Gebärden unterhielten und heute gibt es ja auch GL/SH und allgemein die Bereitschaft Gehörlose mit ihren Mitteln und auf Wegen, die für sie möglich sind zu bilden. Sowie ich auch früher zur GL/SH-Schule ohne Regelschule gegangen bin. Man kann nicht nur den Schulen einen Vorwurf machen, Bildung beginnt schon im Elternhaus und es liegt auch an einem jeden selber, sich weiterzubilden.

Was mit Entfernung betrifft, ist natürlich ein großes Problem und es liegt also an der Regierung, ihre falsche bzw. chaotische Politik zu ändern.

Von: EinAugenschmaus

Datum: 08.06.2011 16:25

@hewritesilent:

Hast du den Blogeintrag von mir gelesen? Dann wüsstest du auch, dass ich auf beiden Schularten war und so wohl die eine als auch die andere Seite der Medaille kenne.

Wo genau willst du den Eltern einen Vorwurf machen? Die Melissa KANN DGS, Gebärdensprache ist also eine ihr bekannte Sprache und klar wird sie auch Lautsprache können, es ist also nicht der Fall, dass dem Kind die DGS oder die Gehörlosenwelt komplett vorenthalten wird. Die Eltern sorgen nur für die bestmöglichste Bildung für ihr Kind und für ein normales Familienleben.

Es geht hier gar nicht um den Vergleich, was damals mit den älteren Gehörlosen oder den Schwerhörigen ist, sondern um den realistischen Vergleich mit dem Niveau der Gehörlosen/Schwerhörigenschule mit den normalen Schulen.

Und da schneiden nun mal die normalen Schulen besser ab.

So einfach ist die Sache - es geht hier um die Wahlfreiheit der Eltern und die bestmöglichste Bildung für das gehörlose Kind - nicht darum, ob ein gehörloses Kind mit dieser Schulwahl der Gehörlosenwelt entzogen wird, was sowieso eine lächerliche Unterstellung ist!

Von: hewritesilent

Datum: 08.06.2011 22:12

@EinAugenschmaus: Dein Blog habe ich gelesen.

Wahrscheinlich habe ich meine Frage "Aber hast du irgendwelche SH/GL-Schule besucht?" fehlinterpretiert ausgedrückt. Ich meinte, ob du die SH/GL-Schule bundesweit wie zum Beispiel in Berlin, Dresden, Frankfurt, Hamburg, NRW etc. besuchst und deine Schule verglichen hast.

Zu dem Vorwurf meinte ich: Wenn man jedoch nie richtig Lautsprache lesen UND verstehen gelehrt bekommen hat, kann man es auch nicht zum Vorwurf machen. Wie geht das? Siehe oben mein Kommentar. Es gibt solche Gehörlosen, die mir bekannt sind.

Hast du dir nicht nebenbei gedacht? Wie sähe die Dolmikosten für gehörlose Arbeitsnehmer aus? Die meisten Firmen übernehmen wie bekannt die Kosten für einen Gebärdensprachdolmetscher nicht und jeder wissen warum Gehörlose und Schwerhörige im Arbeitsleben oft Probleme mit der Kommunikation gibt. Behörden? Sehr unvernünftige Geldumverteilung und natürlich $-Irrsinn.

Von: Radon

Datum: 09.06.2011 01:00

@ EinAugenschmaus:

Definiere mal bitte das Wort "normal".

Vor allem in den folgenden Zitaten:
- .. und für ein normales Familienleben (Bzgl. vorherige Zitaten von dir: Was heißt schon "normal" in diesem Fall?)
- .. da schneiden nun mal die normalen Schulen besser ab. (Sind die gehörlosen Schulen nicht normal?)

Bitte um Erklärung. Danke!

Von: EinAugenschmaus

Datum: 09.06.2011 10:47

@hewritesilent:

Ich habe hörende Schulen von klein auf ohne Gebärdensprachdolmetscher besucht, meine Muttersprache ist also Deutsch in Wort und Schrift, die Gebärdensprache kam erst mit 17/18 Jahren dazu.

Durch den Besuch einer normalen Schule werden Berühungsängste abgebaut zwischen beiden Seiten. Durch die Inklusion lernen spätere Arbeitgeber und Angestellte, dass Menschen mit Behinderungen ganz normale Menschen sind, die die gleiche Leistung erbringen können. Das ist der Punkt, warum Inklusion wichtig ist, weil sie einen ungeheuer großen Lerneffekt mit nach sich zieht für viele Bereiche!

Und ich kenne sehr viele Gehörlose, die am Arbeitsplatz keinen Gebärdensprachdolmetscher haben, sondern diesen nur dann dazu holen, wenn Besprechungen, Veranstaltungen, Chefgespräche anstehen.

Kommunikation muss und sollte im Alltag ohne Gebärdensprachdolmetscher klappen, denn so ist Integration in den ersten Arbeitsmarkt möglich.

Man sollte als gehörloser Mensch so weit selbsttändig sein, dass man einen Gebärdensprachdolmetscher braucht, wenn man wirklich darauf angewiesen ist, aber doch nicht JEDEN TAG die ganze Zeit!

@Radon: Die normalen Schulen schneiden puncto der Bildung besser ab, schneiden einfach im Lebenslauf besser ab und vor allem: Sie sind viel öfters wohnortnah zum eigenen Wohnort als Gehörlosen/Schwerhörigenschulen!

Normales Familienleben heißt für mich: Das gehörlose Kind wächst normal auf bei ihrer Familie, sie kommt von der Schule heim, macht ihre Hausaufgaben - sie IST einfach bei ihrer Familie! Wie jedes andere hörende Kind halt auch. Und sie wird sicherlich Freunde in ihrer Klasse finden und Besuch erhalten und selbst Besuche abstatten. Das ist das normale Leben.

Ganz einfach.

Ihr solltet euch viel weniger Gedanken darüber machen, dass die Inklusion die Gehörlosenkultur zerstört, sondern mehr Gedanken darüber machen, wie man die Gehörlosen/Schwerhörige wieder für Gehörlosenvereine und den Gehörlosensport interessieren kann. Ihr könnt nicht alles für böse ansehen für die Gehörlosenkultur, weil das Unsinn ist.

Seht einfach die gehörlosen/schwerhörigen Kinder, die auf eine normale Schule gehen mit oder ohne Gebärdensprachdolmetscher als binationale Kinder an - Kinder, die mit zwei Sprachen und Kulturen aufwachsen. Und es schadet ihnen nicht, ganz im Gegenteil!

Von: hewritesilent

Datum: 11.06.2011 20:41

@EinAugenschmaus: Wenn ich mir deine Texte alles so und so durchlese, aber eines kann ich dir sagen: Du kannst nie allen verlangen.

Die Sprachkompetenz diese Leute war (neben dem Hörvermögen) fast immer abghängig von deren Erziehung. Will heissen, ist die Familie bereit (und in der Lage!) extremen Aufwand zu treiben um die durchs fehlende Hören entstehenden Defizite auszugleichen, realiisert durch intensive Einzelbetreuung meisst in Verbindung mit Jobaufgabe eines Elternteils, (nur) dann kann man bei entsprechendem Talent wirklich gute Erfolge erzielen. Die Schule alleine kann es nicht richten, ganz egal ob Regelschule oder GL/SH-Schule.

Und da kommen wir auch wieder zu der unten angesprochenen Milieuabhängigen Sprachkompetenz: Es erscheint logisch das intensive Betreuung im Elternhaus nur geht wenn nicht beide Elternteile arbeiten (müssen). Niedrigere Schichten bzw. schlecht-/falschgeförderte Eltern haben deshalb von Anfang an die schlechteren Karten. Bei GL/SH ist das viel (Sprach-)entscheidender als bei Hörenden, das weiss ich selber aus meine eigene Erfahrung durch GL/SH-Schule.

Natürlich kenne ich auch sehr viele Gehörlose, die einen Arbeitsplatz, aber auch gleichzeitig sehr viele Gehörlose die lange arbeitslos sind. Warum lange arbeitslos? Denk du mal darüber nach: Einige Unternehmen laden grundsätzlich Menschen mit Behinderungen ein, wegen der Quote, lehnen diese aber später ab. Begründungen sind oft auf nicht wissen etc. bezogen; können aber immer vorweisen, dass sie Menschen mit Behinderung eine "Chancengleichheit" gegeben haben.

Von: jepp

Datum: 13.06.2011 12:38

@EinAugenschmaus mal abgesehen davon, dass Du mit Deinen Schulvergleich völlig daneben liegst, kommt noch hinzu: Dass das Kind in einer hörenden Klasse völlig "isoliert" gegenüber den anderen ist!

In einer Schwerhörigenschule und Gehörloseschule braucht das Kind, weder einen Dolmi für den Unterricht NOCH einen Dolmi für die Kommunikation mit den anderen Schülern!

Von: Hermann

Datum: 16.06.2011 17:53

Hallo! Ich lese eben diese Meldung und die Kommentare!
Meine Erfahrung ist eine ganz andere! Seit zwei Jahren bietet deafway Schülerinnen und Schülern, Studentinnen und Studenten und anderen Menschen in Ausbildung kostenlos Gebärden- und SchriftdolmetscherInnen an.
Unsere DolmetscherInnen arbeiten nicht vor Ort sondern via Internet vom Sitz des Dolmetschers bzw. der Dolmetscherin zu den Schülern, Studenten oder Auszubildenden.
Diese nehmen ein Laptop, ein Netbook oder ein I Pad mit zur Ausbildungsstätte, brauchen zwei Cams, zwei Micros und schon wird der Unterricht, die Vorlesung oder das Seminar "live" und simultan übersetzt.
Wir haben ab dem neuen Schuljahr bzw. dem Wintersemester 2011/2012 freie Plätze!
Schreibt uns / Schreiben Sie an

deafwaysachsen@freenet.de
deafwayb@freenet.de
deafwayth@yahoo.de

oder schickt uns / schicken Sie uns eine SMS:

+ 49 157 8600 5177

ps.: In manchen Schulen und Universitäten werden zusätzlich zum PC der Auszubildenden Monitore aufgestellt, damit auch die anderen Schüler den Service nutzen können.

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