Anzeige
0
0

deafies, die die AfD wählen – gibt es das? Ein AfD-Abgeordneter versucht, Nazi-Taubstummenlehrer reinzuwaschen, die bei Sterilisierung und Ermordung Gehörloser geholfen haben, und im AfD-Parteiprogramm wird Inklusion abgelehnt. Grund genug, die Partei NICHT zu wählen! Das sollten sich AfH-Anhänger klar machen!

Sterilisationen und Ermordungen Gehörloser – Horst Biesold hat es aufgedeckt und dafür gesorgt, dass gehörlose Opfer eine Entschädigung bekamen. Viele Taubstummenlehrer waren damals der Meinung, dass Taubheit ausgerottet werden müsste, manche haben ihre Schüler direkt ans Messer geliefert. Nach der Nazizeit wurde das Thema verschwiegen. Ich habe in Erinnerung, wie Horst empört war, dass unser Schulleiter alte Akten schnell noch entfernt hat, bevor Horst sie einsehen konnte. Dennoch hat Horst Unmengen an Belegen und Beweisen gefunden und darüber 1988 das Buch „Klagende Hände„, seine Doktorarbeit, geschrieben.

Abgehakt, das Thema? Von wegen! 2014 hat der Hörgeschädigtenlehrer Frank Andreas Brodehl seine Doktorarbeit* zum gleichen Thema geschrieben. Er geht von Horst Biesolds Urteil aus: „Sein Urteil fiel für die älteste aller heilpädagogischen Disziplinen vernichtend aus: Demnach lieferten ‚NS-Taubstummenpädagogen‘ die ihnen anbefohlenen Schüler den Schergen von Sterilisation und ‚Euthanasie‘ ohne jedweden Druck aus.“ Da kommt Brodehl aber zu ganz anderen Ergebnissen: „Ob die Reaktionen der Pädagogen nach Inkrafttreten des Gesetzes 1934 deswegen eher als Widerstand oder aber als Anpassung und als Pflichterfüllung zu beschreiben sind, lässt sich hingegen nicht ohne Fragezeichen beantworten.“ Also alles nicht so schlimm – die Sonderpädagogen können aufatmen. Nix da mit „NS-Taubstummenpädagogen“! Sie haben sich ja nur angepasst oder ihre Pflicht erfüllt, manche sogar Widerstand geleistet (s. auch taz-Artikel „Behinderte Aufklärung„). Nicht verwunderlich, dass Brodehl zum stellvertretenden Referenten des Verbands Sonderpädagogik (vds) für den Schwerpunkt Hören ernannt wurde. Nicht nur das. Brodehl ist inzwischen Landtagsabgeordneter in Kiel – für die AfD! Passt ja 100%ig, „NS-Taubstummenpädagogen“ reingewaschen vom AfD-Abgeordneten.

Da guckt man doch gleich mal in das Wahlprogramm der AfD:

8.3 Keine ideologisch motivierte Inklusion: Förder- und Sonderschulen erhalten
Die Forderung der Vereinten Nationen, behinderten Kindern Teilhabe am Bildungssystem zu garantieren, ist in Deutschland bereits erfüllt. Kinder mit besonderem Förderbedarf erhalten in der Förderschule eine umfassende Unterstützung, die die Regelschule nicht leisten kann.

Die AfD setzt sich deshalb für den Erhalt der Förder- und Sonderschulen ein.

Forderung erfüllt, also keine Inklusion, Erhalt der Förder- und Sonderschulen! Was will man mehr? Wenn es denn wenigstens differenziert dargestellt würde, also z.B. Gehörlosenschulen erhalten, als Ergänzung zur inklusiven Beschulung. Jedem nach seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Nix da, weg mit der Inklusion!

Kann man als Hörgeschädigter solch eine Partei wählen? Ein Abgeordneter wäscht die Nazi-Lehrer rein, und im Parteiprogramm wird die „ideologisch motivierte Inklusion“ pauschal abgelehnt. Bei Facebook gibt es doch tatsächlich eine AfH (Alternative für Hörgeschädigte). Da kann man wirklich nur noch mit Bert Brecht sagen:

„Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.“

Glücklicherweise gibt es aber noch Gehörlose wie z.B. bengie, die davor warnen, die AfD zu wählen: Was tut die AfD für Menschen mit Hörbehinderung?

 

*Widerstand, Anpassung, Pflichterfüllung?
Zur Konfrontation der Taubstummenpädagogik mit dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933

 

 

Drucken