03.12.2009 15:45 Uhr (Dauer 45 min)
3sat
Jaffa lebt!
Herzschläge
einer Hafenstadt
Reportage
Jaffa ist eine uralte Stadt. Es ist kaum zu beschreiben, wer sie
alles erobert und verloren hat. Vor allem wegen ihres Hafens,
dessen Geschichte 4.000 Jahre zurückreicht. Wo er einmal lag,
versuchen Archäologen herauszufinden. Auf jeden Fall nicht dort, wo
heute ein munterer, etwas heruntergekommener Segel- und
Fischerhafen hinter einer Mole liegt. Oberhalb steht der alte
Leuchtturm. Vor seiner Zeit diente das Minarett der
Muhammadiya-Moschee den Schiffen als Wegweiser. Denn Jaffa war eine
arabische Stadt und ist es zum Teil noch immer. So hört man
mehrmals am Tag lautstark den Muezzin zum Gebet rufen, am
Wochenende ertönen aber auch die Glocken der vielen Kirchen. Jaffa
wurde gern als "Hafen Jerusalems" bezeichnet, weil dort die Pilger
ankamen. Deren Herbergen sind noch erhalten - prächtige, heute
restaurierte Steinbauten, die wie eine Burg aufragen. Aus dieser
Altstadt allerdings sind alle Araber vertrieben, sie ist eine etwas
aseptische Ansammlung israelischer Ateliers und Restaurants. Die
Geschichte der Vertreibung ist bitter und von den Arabern nicht
vergessen. Sie leben jetzt rund um die Altstadt in ihren kleinen
Läden und Wohnungen. Von ihren einst herrschaftlichen Villen sind
nur noch wenige übrig. Trotzdem ist Jaffa eine sehr lebendige
Stadt: Vor der von Familie Abulafia betriebenen Bäckerei, angeblich
der besten Israels, stauen sich noch um Mitternacht die Autos.
Gleich nebenan ist ein täglicher Floh- und Antikmarkt, dessen
ursprüngliche Architektur aus der osmanischen Zeit sich langsam
wieder aus den hässlichen Buden der Händler herausschält. In der
Jaffa-Bar, in einer Seitengasse versteckt, gibt es Donnerstag
nachts wilden Bauchtanz, und in einer restaurierten Zollhalle aus
der britischen Mandatszeit hat das erste Taubblinden-Theater
der Welt eröffnet.