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In China hat ein Anwalt ein Video auf Gebärdensprache veröffentlicht, das bald darauf viral verbreitet wurde. Tang Shuai, ein hörender Rechtsanwalt drehte das Video, um die Gehörlosengemeinschaft auf die Gefahren von Ponzi-Systemen (ähnlich wie Schneeballsysteme) aufmerksam zu machen. Er hat im Februar das Video auf WeChat veröffentlicht.

WeChat ist eine in China sehr beliebte App, die ungefähr dieselbe Rolle spielt wie Facebook, welches in China aber verboten und gesperrt wurde.

Seit Februar wurde sein Video sehr weit verbreitet. Bisher haben sich schon Hunderte Gehörlose bei ihm gemeldet, um mit ihm über ihre gesetzlichen Probleme zu reden. Zudem habe er so viele Freundschaftsanfragen bekommen, dass er WeChat darum bitten musste, seine Freundschaftsbegrenzung von 5.000 auf 10.000 zu erhöhen.

Tang ist CoDA (“Child of Deaf Adults”) und ist mit seinen gehörlosen Eltern in der großen Stadt Chongqing aufgewachsen. Seine Eltern waren von seiner Leidenschaft für Gebärdensprache nicht besonders begeistert.

“Meine Eltern mochten es zuerst nicht, dass ich Gebärdensprache lerne. Ich hatte keine andere Wahl, als mich heimlich in die Fabrik meine Eltern zu schleichen, um dort mit den tauben Damen und Herren zu lernen”, sagte er.

Er hat auch mehr gelernt, indem er die beliebte Touristengegend Chaotianmen besucht hat. “Viele Gehörlose von außerhalb der Stadt kommen dorthin. Es war für mich möglich, viele Varianten der Gebärdensprache zu lernen.”

In China verwenden die meisten Gebärdensprachdolmetscher und Lehrer eine künstlich standardisierte Form der Chinesischen Gebärdensprache (CSL), die durch das Schriftchinesisch stark beeinflusst wird. Diese Standardform ähnelt somit LBG in Deutschland. Wenn Gehörlose untereinander sind verwenden sie hingegen die natürliche Chinesische Gebärdensprache, die von der chinesischen Schriftsprache bzw. den chinesischen Lautsprachen unabhängig ist und aus einer Vielzahl an Dialekten besteht. Um die Situation mit Deutschland zu vergleichen, ist es, als ob nur LBG als Gebärdensprache anerkannt worden wäre, und nicht die natürliche DGS. Da die künstliche Standardform der Gebärdensprache für Leute, die der Schriftsprache nicht mächtig sind, viel schwieriger zu verstehen ist, führt diese Situation oft zu Missverständnissen im Gerichtssaal.

Bevor er Anwalt wurde, arbeitete Tang Shuai sechs Jahre lang als Gebärdensprachdolmetscher in Gerichtshöfen. Wegen seines Hintergrundes beherrscht Tang Shuai nicht nur die LBG-ähnliche Standardform der CSL sondern auch die natürlichen Formen der Sprache, die Gehörlose eher verstehen und selbst verwenden. Durch seine Arbeitserfahrung wurde ihm klar, dass unter Gehörlosen ein Mangel an Wissen über ihre gesetzlichen Rechte besteht. Dadurch haben Sie oft weniger Chancen auf ein faires Verhandlungsergebnis vor Gericht. Deshalb hat er sich entschieden, Jura zu studieren.

Er erzählt von einem Fall, in dem er einen Mann vertrat, der des Diebstahls verdächtigt wurde.

„Als ich in die Haftanstalt der Stadt ging, um [meinen Klienten] zu treffen, habe ich die natürliche Gebärdensprache verwendet. Er war überrascht zu sehen, dass ich mit ihm kommunizieren konnte … dann sagte er mir, ‚ich kann nicht viel von der Gebärdensprache verstehen, die von den [Polizei-] Dolmetschern benutzt wird.“

Obwohl sich in den letzten Jahren die Bildungssituation von Gehörlosen in China etwas verbessert hat, sind Gehörlose immer noch allzu häufig Opfer von Trickbetrügern, die sie als leichte Beute sehen und versuchen von ihnen Geld zu erschwindeln. Deshalb sah Tang die Notwendigkeit, ein Aufklärungsvideo über dieses Thema zu machen und zu verbreiten.

In seinem Video benutzt er Kaninchen und einen Wolf als Metapher für die Opfer und den Betrüger von einem Ponzi-System. Die Kaninchen geben dem Wolf Möhren gegen ein Versprechen, dass sie viel mehr Möhren später bekommen. Das System wächst und mehr und mehr Kaninchen kommen dazu, doch irgendwann verschwindet der Wolf mit den ganzen Möhren.

Tang wurde für sein Video nicht nur von der Gehörlosengemeinschaft gelobt sondern auch von (hörenden) Benutzern des Internets sowie den lokalen Medien.

Nach den Hunderten von Anfragen nach Rechtshilfe hat er angefangen, Gehörlose zu schulen, die eine Rechtskarriere anstreben. Medienberichten zufolge habe Tang fünf Absolventen einer Universität eingestellt und bilde sie aus, um gehörlosen Menschen Rechtsberatung anzubieten.

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