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Der groß angekündigte Warntag in ganz Deutschland vorgestern ging komplett an der Bevölkerung vorbei. Fast überall keine Sirenen. In sozialen Netzwerken äußerten sich viele Menschen verwundert darüber. Der Deutsche Gehörlosen-Bund nahm die Panne mit Humor und twitterte vorgestern scherzhaft: „Also, wir haben nix gehört.“

Der Tweet wurde innerhalb von einem Tag über 30.000 Mal gelikt und fast 5.000 Mal geteilt. Stern, Welt und Tagesschau berichteten darüber. Auf der Titelseite der Bild-Zeitung wurde Gehörlosen-Bund gestern als Gewinner des Tages vorgestellt. Der Gag erreichte Millionen von Menschen.

Taubenschlag sprach mit Wille Felix Zante, der hinter dem Tweet stand und seit Anfang Juli für Deutschen Gehörlosen-Bund e.V. als Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit arbeitet.

Taubenschlag: Euer Tweet war in aller Munde. Tagesschau und auch Bild-Zeitung berichteten darüber. Wie habt ihr den Tag vorgestern erlebt?

Wille Felix Zante: Ich hatte kurz vor 11 Uhr noch erfahren, dass es in Berlin wohl keinen akustischen Alarm geben würde, und daher waren meine Erwartungen entsprechend weit unten. Ich hab mich trotzdem mit meiner Kollegin von der Bundesgeschäftsstelle in Berlin ans Fenster gestellt und geguckt, ob die Leute an unserer Kreuzung reagieren. Nix. Nach zehn Minuten haben wir uns dann wieder an die Schreibtische gesetzt und ich dachte mir, ja, das war wohl nix. Und dann dachte ich mir, das könnte man ja twittern, ist ja ein bisschen lustig, von wegen, nix gehört, ha-ha. Dass das dann so einschlagen würde, hätte ich nicht gedacht. Ich hab noch zaghaft für den Fall des Falles zusätzliche Informationen angehängt, und dann ging es plötzlich los: Große Accounts teilten den Tweet, immer mehr Likes und Kommentare. Ich hab eigentlich den Rest des Tages fassungslos aufs Handy gestarrt und es bestimmt zweimal aufgeladen. Genauso waren die Mitarbeiter/-innen und das Präsidium des DGB fassungslos und wir tauschten uns immer wieder über den neuesten Stand mit Zahl der Likes und die Kommentare aus. Den Tag werden wir wohl nicht vergessen.

Konntest du in der Nacht dann noch gut schlafen?

Ja, super!

Denkt ihr jetzt über neue Strategie für Deutschen Gehörlosen-Bund nach, mehr Menschen zu erreichen und aufzuklären?

Wieso, das hat doch gut geklappt! 😉 Wenn es noch mal so gut passen sollte, werden wir diesen Weg sicher noch mal einsetzen. So eine Steilvorlage kriegt man allerdings nicht alle Tage. Doch allein der Zuwachs an Followern – fast 50 % mehr, Stand Freitag Nachmittag – wird uns eine ziemliche Reichweite verschaffen. Da müssen wir natürlich ein Stück weit auch Erwartungen erfüllen, aber letztendlich sollten wir uns nicht dazu hinreißen lassen, jetzt nur noch Gags zu posten. Das Interesse an Aufklärung war recht groß, viele User haben gesehen, dass da noch mehr Informationen mit sehr aktuellem Bezug hinter dem ersten Tweet steckten. Also, um deine Frage zu beantworten: Ja, wir werden diese Strategie definitiv weiterverfolgen, soweit sie passend ist.

Kannst du uns kurz über deine Stelle und das Förderungsprojekt erzählen?

Also, das Projekt hat am 1. Juli angefangen, der offizielle Titel ist „Nachhaltige Vertiefung der politischen Verbandsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit des DGB“, es wird aus Mitteln der Partizipationsförderung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert. Wie der Titel schon sagt, soll zum Einen Daniel Büter als Referent für politische Arbeit eben die Zusammenarbeit mit der Politik weiter vertiefen – eine Aufgabe, auf die er sich jetzt voll und ganz konzentrieren kann, nachdem er die letzten drei Jahre diese Arbeit und die Öffentlichkeitsarbeit des DGB mit vielen Informationen durchgeführt und ausgebaut hat.

Ich übernehme als neuer Referent für Presse und Öffentlichkeitsarbeit quasi Daniels Vorarbeit und baue sie weiter aus. Dabei wollen wir natürlich weiter darauf achten, dass wir nicht nur die hörende Öffentlichkeit über Gebärdensprache und Gehörlosigkeit aufklären, sondern eben auch der Gehörlosen- und Gebärdensprachcommunity nach wie vor erzählen, was der DGB aktuell macht, damit ein Bewusstsein dafür entsteht, wie aktiv gerade die politische Arbeit läuft. Seit Juli versuche ich gleich auch über Instagram zu bedienen, indem ich jeden Freitag einen kurzen Wochenrückblick gebe, eine Art Mini-Newsletter in Gebärdensprache. Das klappt gut, der Zuspruch ist super, die Leute schauen das gern.

Abgesehen davon haben wir auch einen groß angelegten Plan für die nächsten drei Jahre, den wir natürlich auch weiter verfolgen, wie etwa den nun ins Frühjahr verschobenen Bildungskongress, den anstehenden Tag der Gebärdensprachen am 23. September – und die dazugehörige Deaf Week – und natürlich auch die interne Verbandsarbeit, in die wir auch eingebunden sind.

Vielen Dank fürs Gespräch!

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