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Warum Schüler in Kronau mit den Händen sprechen – BNN – Badische Neueste Nachrichten

Zum Sprechen gehört nicht nur der Mund: Die Schüler an der Ludwig Guttmann-Schule in Kronau verständigen sich mithilfe von Gebärden. Das ist nicht zu verwechseln mit der Gebärdensprache von Gehörlosen.
Fabienne Stegmüller tippt zweimal mit den Fingerspitzen aufeinander. Dann wischt sie mit überkreuzten Armen vor dem Bauch, was ein bisschen so aussieht, als wolle sie abwinken. „Das waren die vielleicht wichtigsten Gebärden“, sagt die junge Frau.
Die beiden Bewegungen sind die Zeichen für die Wörter „nochmal“ und „fertig“. Die braucht es hier, in der Ludwig Guttmann-Schule in Kronau, eben regelmäßig, ergänzt Irene Leber. Sie ist Sonderpädagogin an der Schule, die Kinder mit körperlichen Behinderungen unterrichtet.

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Fabienne Stegmüller hat im vergangenen Jahr einen Freiwilligendienst dort absolviert. Dass zum Sprechen nicht nur der Mund, sondern auch die Hände und der ganze Körper gehören, ist für die beiden Alltag.
Lautsprachunterstützende Gebärden nennt sich der Ansatz, der kleinen Kindern und allen, die nicht verständlich sprechen können, die Kommunikation erleichtern soll. Festgelegte Handbewegungen begleiten dabei das gesprochene Wort.
Nicht zu verwechseln ist all das mit der Gebärdensprache, mittels derer sich viele Gehörlose im Alltag verständigen. Diese Botschaft ist Irene Leber wichtig.
Denn: Die Gebärdensprache besitzt eine eigene Grammatik, die sich grundlegend vom gesprochenen und geschriebenen Deutsch unterscheidet. Die unterstützende Kommunikation leiht sich dagegen nur die Gebärden, um damit Gesprochenes zu begleiten.

Die Gebärdensprache ist die Muttersprache der Gehörlosen.

Wolfgang Laumann, Gehörlosenverein Karlsruhe

Für Gehörlose liest sich ein Satz, den Irene Leber gebärdet, deshalb chaotisch – ein wenig so, als würde man deutsche Worte im englischen Satzbau verwenden.
Trotz der Unterschiede teilen sich beide Formen der Verständigung ein gemeinsames Schicksal: Die Verwendung von Gebärden galt jahrhundertelang als verpönt.
„Erst seit 2002 ist die Gebärdensprache in Deutschland vollwertig anerkannt“, sagt Helen Hanke aus Bad Schönborn, die an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg das Dolmetschen von Gebärdensprache studiert.

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Stattdessen wurden Gehörlose, Schwerhörige und Menschen mit Problemen beim Sprechen darauf gedrillt, sich zu artikulieren und Lippen zu lesen. Bis heute zeugt davon das als diskriminierend geltende Wort taubstumm.
Gehörlose sind nicht stumm, betont Wolfgang Laumann vom Gehörlosenverein Karlsruhe. „Die Gebärdensprache ist die Muttersprache der Gehörlosen“, schildert Laumann, selbst bis an die Taubheit grenzend schwerhörig.
Von einer „langen Unterdrückung der Gehörlosenkultur“ spricht Studentin Hanke. Auch Sonderpädagogin Leber berichtet vom zähen Einzug der Gebärden in den Schulalltag.
„Als ich 1988 angefangen habe zu studieren, waren Gebärden in der unterstützenden Kommunikation ein absolutes Nischenthema“, beschreibt sie – inzwischen sind sie als Hilfssystem hingegen an immer mehr Schulen und Kindergärten verbreitet.

Bei der Verbreitung ist noch viel Öffentlichkeitsarbeit nötig.

Wolfgang Laumann, Gehörlosenverein Karlsruhe

Selbst im Umgang mit Babys ist die Zeichensprache inzwischen angekommen: „Meine Tochter hat vor dem Sprechen Gebärden beherrscht“, sagt Sonderpädagogin Leber.
Die Vorteile, Gebärden zur Unterstützung von gesprochener Sprache zu verwenden, liegen für sie sprichwörtlich auf der Hand: „Gebärden hat man immer und überall dabei“, erklärt sie. „Und sie ermöglichen es gerade Kindern, sich differenziert auszudrücken“, sagt sie und ergänzt: „Kinder lernen wahnsinnig gerne Gebärden.“
Dass die Vokabeln seiner Sprache inzwischen mehr und mehr Verbreitung finden, hält Laumann vom Karlsruher Gehörlosenverein für einen Schritt in die richtige Richtung. Er hofft, dass davon auch die Gebärdensprache profitiert.
Weil Dolmetscher rar und teuer sind, sind tagtäglich viele Gehörlose im Alltag auf Freunde mit wenig Gebärdensprachkenntnisse angewiesen. Unbefriedigend, findet Laumann. „In Sachen Akzeptanz hat sich einiges verbessert“, beobachtet er mit Blick auf die Gebärdensprache.

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Doch: „Bei der Verbreitung ist noch viel Öffentlichkeitsarbeit nötig.“ Er kämpft weiter für das Bewusstsein, dass Sprache mehr als nur gesprochene oder geschriebene Worte sind.
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