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Dänische Regierung entschuldigt sich bei Gehörlosen

Politik
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Am 11. September 2023 hat sich die dänische Regierung bei der Gehörlosengemeinschaft entschuldigt. Die Entschuldigung wurde von der Ministerin für Soziales, Wohnungswesen und ältere Menschen, Pernille Rosenkrantz-Theil, ausgesprochen und richtete sich an die Gehörlosen, die in alten Spezial- und psychiatrischen Einrichtungen untergebracht waren und dort Misshandlungen und Missbrauch erfahren hatten.

Pernille hielt die Entschuldigungsrede im Comwell Bygholm-Park in Horsens, und sie wurde auf der Website des Ministeriums per Livestream übertragen. Sowohl vor Ort als auch im Livestream wurde eine Gebärdensprachverdolmetschung angeboten.

Im vergangenen Jahr wurde auf der Website der dänischen Regierung eine Untersuchung über die Einrichtungen für “besondere” und psychische Gesundheit zwischen 1933 und 1980 veröffentlicht. Die Untersuchung ergab, dass fast 30.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in staatlicher Obhut misshandelt und missbraucht worden waren. Unter diesen Menschen waren auch Taube, Taubblinde und hörbehinderte Personen. Einige von ihnen wurden von ihren Eltern ohne jegliche Erklärung in diesen Einrichtungen untergebracht. Die Untersuchung ergab auch, dass einige der Personen Gewalt, Vernachlässigung, sexuellen Missbrauch, Zwangssterilisation und unbefristete Heimunterbringung erlitten hatten.

Anstatt die Fehler der Vergangenheit zu ignorieren, sei die Regierung bestrebt, aus ihnen zu lernen. Jetzt erhalten diese Menschen eine Entschuldigung von der Regierung. In ihrer Rede erklärte Pernille, dies sei „eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Dänemarks“.

Der dänische Gehörlosenverband bedankte sich für die Entschuldigung und hofft, dass die Regierung den Untersuchungsbericht und die Entschuldigung nicht nur nutzen wird, um zurückzublicken, sondern auch, um nach vorne zu schauen. Dänemark hat sich durch die Ratifizierung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen dazu verpflichtet, allen Menschen das Recht auf ein möglichst normales Leben mit den gleichen Rechten und Möglichkeiten wie allen anderen zu gewährleisten. Der Gehörlosenverband ist der Ansicht, dass dies auch heute noch nicht die Realität ist, wenn man bedenkt, wie gehörlose Kinder und die Gebärdensprache behandelt werden. Der Verband hofft, dass sich die Regierung in Zukunft nicht mehr entschuldigen muss.

 

Geschrieben von Mona Riis, Teckenbro

Tags: Dänemark

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