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Die negativen Auswirkungen des Mailänder Kongresses von 1880 von der UNESCO anerkannt

Politik
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geschrieben von Sarah Massiah

Am Mittwoch, den 27. März, veröffentlichte der Weltverband der Gehörlosen (WFD) eine Pressemitteilung. Diese informierte über die Aufnahme der negativen Auswirkungen für gehörlose Menschen des Mailänder Kongresses von 1880 in das Register „Memory of the World“ der UNESCO.

Um mehr darüber zu erfahren, haben wir uns an den WFD gewandt.

Im Jahr 2021 begann die langfristige Arbeit im Rahmen eines WFD-Projekts, das von der Nippon Foundation unterstützt wurde. Ziel war die Erstellung einer „Toolbox“, um nationale Verbände weltweit bei der Anerkennung von Gebärdensprachen zu unterstützen. Teil dieses Projekts war auch die Zusammenarbeit mit der UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur).

In der Pressemitteilung wird daran erinnert, dass der Internationale Kongress 1880 in Mailand den Vorrang der mündlichen Erziehung gegenüber der gebärdensprachlichen für taube Kinder bekräftigte. Dieser Wandel hat zu einem raschen Rückgang der Verwendung von Gebärdensprachen im Bildungswesen geführt, was sich nachteilig auf die Menschenrechte von tauben Menschen weltweit auswirkte. WFD-Präsident Joseph J. Murray verweist auf die sprachliche Benachteiligung und soziale Ausgrenzung ganzer Generationen, die auch heute noch, 140 Jahre später, spürbar sind.

Um die langfristigen Folgen des Mailänder Kongresses zu belegen, hat der WFD drei Originalberichte von diesem Kongress (in Französisch, Englisch und Italienisch) zusammengestellt. Zusätzlich dazu wurde auch die Vancouver-Resolution von 2010 eingereicht, die auf dem 21. Internationalen Kongress veröffentlicht wurde. Diese Resolution lehnt die Entscheidungen des Mailänder Kongresses ab und ermutigt Nationen dazu, alle Sprachen, einschließlich nationaler Gebärdensprachen, in Bildungsprogrammen anzuerkennen.

Diese vier Dokumente wurden in das UNESCO-Register „Memory of the World“ aufgenommen. Das Register wurde 1992 ins Leben gerufen, um das dokumentarische Erbe der Welt zu bewahren. Es enthält derzeit 494 Sammlungen, darunter die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 und die Gutenberg-Bibel von 1455. Im Mai 2023 hat die UNESCO die vier WFD-Dokumente in das Weltdokumentenerbe eingetragen. Dies ist das erste Mal, dass ein Teil der tauben Geschichte in dieses Register aufgenommen wurde. Die WFD begrüßt diese offizielle Anerkennung der negativen Folgen des Mailänder Kongresses und ist davon überzeugt, dass sie ein wirksames Instrument zur Verteidigung des Rechts tauber Menschen auf Gebärdensprache sein wird.

Bericht von Sarah Massiah (Média’pi!) im Rahmen des DJE Projekts.

Tags: UNESCO, World Federation of the Deaf

Deaf Journalism Europe: Europäische Union vergibt Finanzhilfen zur Förderung des Journalismus in der Gebärdensprachgemeinschaft.

Das Projekt fördert von Juni 2023 bis Mai 2025 Informationen in Gebärdensprachen, entwickelt Bildungsmaterialien für taube Journalist*innen und gibt Empfehlungen an Regierungen zur Unterstützung tauber Medienorganisationen.

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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hartmut Teuber
    23. April 2024 17:46

    What does the Abbreviation DJE stand for?

    Antworten
  • Ralf Engelmann
    24. April 2024 8:27

    Ohne diesen Beschluss des Mailänder Kongresses von 1880 wäre unsere Gesellschaft der Gehörlosen sicher viel weiter entwickelt. Es war eine harte Handbremse für unsere Gebärdensprache und Kommunikation. 😢

    Antworten

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