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Forschungsprojekt „Kulturelle Teilhabe“ – Die Ergebnisse sind da

Wie können taube und schwerhörige Menschen besser am Theater teilhaben? Mit dieser Frage hat sich das Forschungsprojekt „Kulturelle Teilhabe“ der Universität Leipzig eineinhalb Jahre lang beschäftigt. Jetzt liegen die Ergebnisse vor – auf Deutsch und in Deutscher Gebärdensprache.

Worum geht es?

Das Forschungsprojekt „Kulturelle Teilhabe“ am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig lief von Oktober 2024 bis März 2026. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie arbeiten taube und hörende Theaterschaffende zusammen – und was kann verbessert werden?

Das Team um Dr. Uta Karstein hat dafür Interviews geführt, eine bundesweite Online-Umfrage für taube und schwerhörige Menschen durchgeführt sowie zweitägige Workshops organisiert. Alle Ergebnisse sind jetzt öffentlich zugänglich – als Text und in Deutscher Gebärdensprache.

Das Projekt auf einen Blick

  • Laufzeit: Oktober 2024 – März 2026
  • Ort: Universität Leipzig, Institut für Kulturwissenschaften
  • Förderung: DATIpilot-Programm des BMBF, Servicestelle Inklusion im Kulturbereich (Dresden), Stabsstelle Chancengleichheit der Universität Leipzig
  • Drei Bausteine: Online-Umfrage, qualitative Interviews, bilinguale Workshops

Was wurde herausgefunden?

Barrieren im Theater
Mehr als die Hälfte der Befragten (51 %) empfindet das Kulturangebot außerhalb der Gehörlosencommunity als unzugänglich. Viele fühlen sich im Theaterangebot nicht repräsentiert. 81 Prozent interessieren sich besonders für Inhalte aus der Gehörlosenkultur.

Nachträgliches Bühnenranddolmetschen ist noch immer das häufigste Angebot – aber es reicht nicht. Taube Perspektiven kommen dabei nicht wirklich in das Stück hinein. Auch werden Gebärdensprachdolmetscher*innen oft zu spät einbezogen, was die Qualität beeinträchtigt.

„Taube Theaterschaffende übernehmen im Probenalltag häufig zusätzliche Aufgaben – Übersetzungsleistungen, Aufklärungsarbeit, Organisation von Dolmetschenden. Diese Arbeit bleibt meist unbezahlt und unsichtbar.“

Was gut funktioniert
Besonders positive Erfahrungen entstehen dort, wo Zusammenarbeit als gemeinsamer Lernprozess verstanden wird: mit regelmäßigen Check-Ins, Reflexionsrunden und echtem Dialog auf Augenhöhe. Wichtig ist auch, dass mehrere taube Personen in verschiedenen Rollen beteiligt sind – als Schauspieler*innen, Regisseur*innen oder Dramaturgen.

Das Konzept der „Aesthetics of Access“ (Ästhetik der Barrierefreiheit) spielt dabei eine zentrale Rolle: Barrierefreiheit wird von Anfang an mitgedacht – nicht als nachträgliche Serviceleistung.

Drei zentrale Handlungsfelder
Aus allen Ergebnissen haben sich drei Bereiche herausgebildet, in denen besonders viel Handlungsbedarf besteht:

  • 1. Vernetzung: Taube und hörende Theaterschaffende müssen besser vernetzt sein. Auch innerhalb der Gehörlosencommunity fehlen gut zugängliche Informationsplattformen.
  • 2. Wissenstransfer: Erfahrungswissen aus gemeinsamen Produktionen muss systematisch dokumentiert und weitergegeben werden – in Ausbildung, Forschung und Praxis. Hörende Mitarbeitende sollten frühzeitig Audismus- und Gebärdensprachschulungen erhalten.
  • 3. Nachwuchsförderung: An Theaterhochschulen fehlen barrierefreie Ausbildungsangebote. Auch in Schulen kann Vermittlungsarbeit dazu beitragen, dass taube Kinder und Jugendliche Zugang zu Theater finden und taube Vorbilder erleben.

Workshops im Dezember 2025

Im Dezember 2025 fanden im LOFFT – DAS THEATER in Leipzig zweitägige Workshops statt: „Theater und Performance aus tauber und hörender Perspektive“. Geleitet von Eyk Kauly, Athena Lange und Susanne Tod arbeiteten taube und hörende Theaterschaffende aus ganz Deutschland zusammen.

Themen waren visuelle Ausdrucksformen wie Visual Signing und Gebärdensprachpoesie sowie die Frage: Wie gestaltet man einen sicheren Probenraum für alle Beteiligten? Die Illustratorin Simone Fass hat die Workshops bildlich dokumentiert.

Wo sind die Ergebnisse?

Alle Projektergebnisse sowie ein Policy Paper sind auf der Projektwebsite abrufbar – als Text in deutscher Schriftsprache und in Deutschen Gebärdensprache-Videos (produziert von der manua GmbH).

Projektwebsite: kulturelleteilhabe.wordpress.com

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