Vor 40 Jahren scheiterte in London der Plan für ein internationales Kulturzentrum für Gehörlose. Jetzt nimmt die taube Stadtplanerin Amanprit Arnold einen neuen Anlauf: DeafCity Hub soll ein Ort für Kultur, Arbeit und Begegnung werden – gebaut nach den Prinzipien der DeafSpace-Architektur. Zunächst gibt es aber nur ein Jahr auf Probe.
Ein Plan aus dem Jahr 1986
Die Geschichte von DeafCity Hub beginnt laut Projektwebsite im Jahr 1986. Damals wurde der Anastasia Trust gegründet, um in London ein „International Deaf Cultural Centre“ zu bauen. Geplant waren unter anderem ein Theater, ein Archiv zur Gehörlosengeschichte, eine Bar und sogar ein Hostel. Doch hohe Zinsen und der Einbruch am Immobilienmarkt stoppten das Projekt. 1994 gingen Geld und Vermögen des Trusts an die Organisation SignHealth über, die sich heute um die Gesundheit tauber Menschen kümmert. Ein Kulturzentrum entstand nie.
Amanprit Arnold will das ändern. Sie ist von Geburt an taub, nutzt die Britische Gebärdensprache BSL und hat als Stadtplanerin unter anderem für die Londoner Stadtverwaltung gearbeitet. Heute führt sie das Beratungsbüro Disability Urbanism und ist Vorsitzende von SignHealth. Im September 2026, kurz vor dem Internationalen Tag der Gebärdensprachen, startete sie die Kampagne für DeafCity Hub.
Was geplant ist
DeafCity Hub soll ein Kultur- und Coworking-Zentrum werden, geführt von tauben Menschen für die Gehörlosengemeinschaft. Auf der Website werden unter anderem Arbeitsplätze, Veranstaltungsräume, ein Medienstudio, ein Café, ein Kino mit Untertiteln und ein Lernzentrum für BSL genannt. Auch Organisationen aus dem Gehörlosenbereich sollen dort Platz finden.
Das Besondere ist die Architektur. Laut Guardian soll das Gebäude nach den DeafSpace-Prinzipiengestaltet werden. Dazu gehören breite Flure und Treppen, auf denen man nebeneinander gehen und gebärden kann, natürliches Licht und ruhige Farben gegen müde Augen, Glas und Spiegel für freie Sichtachsen und Räume, in denen alle im Kreis sitzen können. Arnold bringt es so auf den Punkt: Gebärdensprache sei keine Lautsprache mit Händen, sondern eine räumliche Sprache – und die brauche Raum.
Ein Jahr Zeit, um zu überzeugen
Ein erster Schritt ist geschafft: Gemeinsam mit dem Bezirk Westminster und der Oxford Street Development Corporation hat DeafCity Hub für ein Jahr eine Zwischennutzung bekommen, in einem Gebäude, das später umgebaut wird. In dieser Zeit soll das Projekt zeigen, dass es gebraucht wird. Für ein dauerhaftes Zuhause fehlen aber noch Geld und ein Partner aus der Immobilienbranche. Langfristig träumt Arnold laut Estates Gazette von fünf Hubs in zehn Jahren und einem internationalen Netzwerk.
Was ist mit den bestehenden Orten?
So überzeugend die Idee ist, eine Frage drängt sich auf: Was passiert mit den Orten, die es schon gibt? Die Website von DeafCity Hub warnt selbst, dass Gehörlosenschulen, -vereine und Treffpunkte von Schließung bedroht sind. Wie dramatisch die Lage ist, zeigen die Schulen: Laut Guardian gibt es in Großbritannien nur noch 22 Gehörlosenschulen, Anfang der 1980er-Jahre waren es noch 75.
Für viele taube Menschen, gerade für ältere, sind die örtlichen Gehörlosenclubs bis heute das Herz der Gemeinschaft. Dort treffen sie sich regelmäßig, ohne lange Anfahrt und ohne hohe Kosten. Ein modernes Zentrum in der Londoner Innenstadt kann diese Orte nicht ersetzen. Wer in Manchester, Glasgow oder auf dem Land lebt, hat davon im Alltag wenig.
Dazu kommt die Frage nach dem Geld. Fördermittel und Spenden für Gehörlosenkultur sind begrenzt. Wenn ein großes Leuchtturmprojekt viel Aufmerksamkeit und Geld bindet, könnten kleinere Vereine noch schwerer an Unterstützung kommen. Arnolds Vision von mehreren Hubs in zehn Jahren deutet zwar in eine andere Richtung. Offen bleibt aber, ob diese Hubs auch in kleineren Städten entstehen sollen – und ob sie mit den bestehenden Vereinen zusammenarbeiten oder neben ihnen stehen werden.
Und in Deutschland?
Hierzulande gibt es viele Gehörlosenzentren, oft betrieben von Vereinen und Verbänden. Gebaut wurden sie aber selten nach DeafSpace-Prinzipien. Der taube Architekt Jan Philipp Koch kritisiert, dass die deutschen Normen für barrierefreies Bauen taube Menschen kaum berücksichtigen. DeafCity Hub zeigt, wie es anders gehen könnte.
Was meint ihr? Braucht auch Deutschland ein solches Zentrum, etwa in Berlin? Und wie müsste es aussehen? Schreibt es uns in die Kommentare.
Ähnliche Projekte weltweit
- Deaf Culture Centre, Toronto (Kanada): Die Canadian Cultural Society of the Deaf eröffnete 2006 ein eigenes Kulturzentrum im historischen Distillery District, mit Museum, Galerie, Archiv und Medienstudio. Es gilt als erstes eigenständiges Zentrum für Gehörlosenkultur seiner Art. Quelle
- Gallaudet University, Washington (USA): Hier entstand das Konzept DeafSpace. Das Sorenson Language and Communication Center war 2008 das erste Gebäude auf dem Campus, das nach diesen Prinzipien gebaut wurde. Quelle
- Texas School for the Deaf, Austin (USA): Die Schule eröffnete 2022 neue Gebäude nach DeafSpace-Prinzipien. Quelle
- Gehörlosenzentrum Innsbruck (Österreich): Der Gehörlosenverband Tirol baute auf eigenem Grundstück ein Begegnungs- und Kompetenzzentrum mit Veranstaltungssaal, Büros und 21 Wohnungen. Quelle
- International Virtual Cultural Centre of the Deaf: Ein virtuelles Kulturzentrum, das der Gehörlosenverband Hamburg mit Partnern aus drei weiteren Ländern im Rahmen von Erasmus+ entwickelt hat. Quelle
Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde mit Hilfe einer KI verfasst auf Basis eines menschlichen Prompts.


















