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Sprache von CI-Trägern

Veronika Neumeyer

Veronika Neumeyer hat am Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung der LMU München studiert und Gehörlosenpädagogik als Nebenfach belegt.

Veronika schreibt:

Bereits in meiner Abschlussarbeit habe ich mich mit der Vokalproduktion von CI-Trägern beschäftigt. Derzeit habe ich ein Stipendium und arbeite am Institut für Phonetik in München an meiner Doktorarbeit. Da meine Abschlussarbeit mein Interesse an dem Thema „Sprache von CI-Trägern“ geweckt hat und ich über ein Thema forschen will, bei dem ich Menschen helfen kann, befasse ich mich jetzt auch in meiner Doktorarbeit mit der Artikulation von CI-Trägern. Was meine Arbeit im Wesentlichen von bisherigen unterscheidet, ist, dass ich mich nicht damit beschäftige, wie viel ein CI-Träger hört, sondern wie er spricht um daraus Rückschlüsse auf das Hörvermögen ziehen zu können.

Deshalb suchen wir aktuell CI-Träger für die Teilnahme an einer Artikulationsstudie am Institut für Phonetik und Sprachverarbeitung der LMU München.

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Gute Besserung! - Offener Brief zum Thema CI-Zwang

Bundeselternverband

"Mit Respekt auf die Autonomie des Kindes und sein Recht, später selbst zu entscheiden, ob es in der Welt der Hörenden oder der Deaf Community oder in beiden leben möchte, empfehlen wir – wie inzwischen auch der Bundeselternverband gehörloser Kinder e. V.  –, gehörlose Kinder sowohl mit einem CI zu versorgen, als auch Gebärdensprache erlernen zu lassen."

Über diese vermeintliche Empfehlung des Bundeselternverbands, "zitiert" im Artikel "Haben gehörlose Kleinkinder ein Recht auf ein Cochleaimplantat?" von Müller und Zaracko, hatten wir uns schon in unserem ersten Hinweis (s.u.) gewundert. Natürlich hat der Verband diese Empfehlung NIE ausgesprochen. In einem Offenen Brief wird das jetzt klargestellt. Natürlich besteht der Elternverband auf der Entscheidungsfreiheit der Eltern und wehrt sich vehement gegen den von Müller/Zaracko propagierten Zwang zum CI: "Das Letzte, was wir als Eltern benötigen, ist ehrlich gesagt ein Artikel wie der Ihrige, der Angst macht, unter Druck setzt und evtl. eine Entscheidung treffen lässt, die eigentlich so nicht gewollt ist." Es wird die UN-Konvention zitiert: "... die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit. Von dieser Achtung und Akzeptanz haben wir in Ihrem Artikel nichts gespürt. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen gute Besserung." - Diesen guten Wünschen können wir uns nur anschließen.

Auch GIBZEIT hat eine Stellungnahme veröffentlicht und kommt zu dem Schluss:

Unserer Meinung nach dürfen weder gehörlose noch hörende Eltern in diesen sensiblen Fragen zu etwas gezwungen werden. Sie brauchen einfühlsame Beratung, konkrete Hilfsangebote und Ermutigung. Ganz gleich ob sie sich für die Implantation ihres Kindes entscheiden, oder ob sie keine Implantation für ihr Kind wünschen, sie sollten in jedem Fall die Unterstützung bekommen, die sie benötigen, und vor allem Respekt. Ein Ruf nach Zwang zur Implantation wie von Müller und Zaracko erhoben wird von uns entschieden zurück gewiesen.

(siehe auch die Stellungnahmen von Prof. Dr. Jens Heßmann und Dr. Michael Zichy)

Auch der DGB hat eine Stellungnahme veröffentlicht (s.u.).

Sören Gericke, Student des Diplomstudiengangs Erziehungswissenschaft am Institut für Pädagogik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, hat eine Erziehungswissenschaftliche Stellungnahme geschrieben. (s.u.)

Schon bemerkenswert, welche Flut von Stellungnahmen der Aufsatz von Müller und Zaracko ausgelöst hat - und bis jetzt keine einzige positive!

Arno Vogel schreibt in seinem Kommentar (s.u.):

"Als Therapeutischer Leiter des Cochlear Implant Centrums Schleswig-Kiel konstatiere ich, dass die im Artikel von Müller / Zaracko geäußerten Gedanken die erfolgreiche Entwicklung bis in die Anfänge zurück wirft, wenn ihnen nicht vehement und eindeutig
widersprochen wird! Die Ausführungen zerstören Vertrauen, spalten und erreichen, was wir gerade weitgehend abbauen konnten: die Abwendung Gehörloser vom Cochlea Implantat!
"

Sogar die DCIG distanziert sich von Müller und Zarackos Aufsatz in einem Offenen Brief.

Video: 'Hörenzwang'

Mahnmal Verbotene DGS

Genauso alt wie der Taubenschlag - das will schon was heißen! ;-) Schon 1997 haben Christopher Buhr und Freunde ein Video gedreht mit dem Titel "Hörenzwang" und es beim Filmfestival in Dresden vorgestellt. Gemeint ist der Zwang zu hören und das Verbot der Gebärdensprache. Ein Thema, das Gehörlose seit vielen Jahren bewegt. Hörenden mag das abstrus erscheinen. Dass es aber, was den ZWANG zum CI betrifft, nicht so ganz utopisch war und ist, zeigt die augenblickliche Auseinandersetzung von Fachleuten pro und contra CI-Zwang. Da war das Video geradezu prophetisch: Der ursprüngliche Titel war "Flucht vor CI-Zwang".

Kurzfilm "Hörenzwang"
(Vorausgegangen ist "Hörenzwang" der Kurzfilm "Antideaf".)

CI-Zwang? - Anmerkungen von Jens Heßmann

Prof. Dr. Jens Heßmann

Beim Namen Jens Heßmann erinnern sich viele spontan an seine Kolumne "Schon gehört? Unerhört!" im ZEICHEN. Die war immer ganz hinten im Heft, wurde von den meisten aber als erstes gelesen. Und hat oftmals Lachtränen bewirkt - aber immer voll ins Schwarze getroffen. Ja, toll schreiben konnte er schon immer. Und Sachverstand hat er zudem. Seit Wintersemester 1998/99 ist er als Professor für Gebärdensprachdolmetschen am Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) tätig, mit Beginn des Wintersemesters 2003/04 im Amt des Dekans. Nicht nur das. Durch seine gehörlose Frau und deren gehörlose Familie ist er zudem voll drin in der Deaf Community. Er weiß, wovon er spricht und schreibt, als Wissenschaftler und auch privat. Ins Tagesgeschehen hat er in letzter Zeit aber nur selten eingegriffen. Nun konnte er es sich aber wohl nicht mehr verkneifen.

Zum Aufsatz "Haben gehörlose Kleinkinder ein Recht auf ein Cochleaimplantat?" von Müller & Zawacko (s.u.) musste er einfach seinen Senf dazu geben. Und er tut das im bekannten Stil von "Schon gehört? Unerhört!". Mit unschlagbaren Sachkenntnissen, aber durchaus nicht abgehoben professoral, sondern z.T. ein wenig frech und schnodderig, und an manchen Stellen kann man sich das Lachen nicht verkneifen. Bitterernst ist allerdings seine Ablehnung von Zwangsmaßnahmen, und er setzt sich vehement gegen die Diskriminierung der Gehörlosengemeinschaft zur Wehr.

Am Schluss seiner Stellungnahme hebt er die wissenschaftlichen Qualifikationen seiner Kolleginnen hervor. Aber: "Es wird wohl so sein, dass dem schreiberfahrenen Zugriff des vielbeschäftigten Wissenschaftlers die spezifischen Gegebenheiten eines bestimmten Wirklichkeitsbereichs fremd bleiben können. Und haben nicht auch kluge Autorinnen das Recht auf einen schlechten Aufsatz? Gewiss doch, aber ein bisschen schämen sollten sie sich schon." - Da kann man sich das Lachen dann wieder nicht verkneifen!

Auch mit den Händen hören!

Norbert Ellersiek

"Auch mit den Händen hören!" Das soll der Name einer CI-Selbsthilfegruppe werden, die Norbert Ellersiek gründen möchte. Dafür sucht er gehörlose oder schwerhörige CI-Träger, die wie er mit der Gebärdensprache aufgewachsen sind und trotz CI weiter gebärden wollen.

Norbert:
"Anders als bei vielen CI-Selbsthilfegruppen, bei denen viel oral geredet wird, soll in der besonderen Selbsthilfegruppe das Gebärden selbstverständlich sein."

Das erste Treffen soll im Mai in Essen stattfinden.

Interessierte melden sich bitte an bei: Norbert Ellersiek, Fax 02162-979711 oder Email: n.ellersiek@online.de

Das ERSTE Treffen der etwas anderen CI Deaf Selbsthilfegruppe "Auch mit den Händen hören" findet am 29. Mai am Essener HBF ab 14:00 Uhr statt. Ende offen.  Wir treffen uns dort am Taxistand, Richtung Innenstadt, und gehen in ein Café.

Auch normalhörende, schwerhörige und andere Interessierte, Familienmitglieder, ob jung oder alt, sind herzlich willkommen.

Umgangssprache ist vor allem DGS, auch LBG möglich.

 

Autonomie sticht

Kirchentag 2010

Matthias Derrer von den Evangelischen Gehörlosengemeinden in Bayern:

"Der ökumenische Kirchentag in München bot auch die Möglichkeit zum Dialog in der Frage des Cochlea Implantats (CI). Kirchenrat Pfarrer Klenk und die Moderatorin Christine Linnartz (taub) hatten im Namen des Kirchentags geladen.

Die Gäste waren hochkarätig und vor allem willens einen notwendigen Dialog in Gang zu setzen. Pfarrerin Fries, Dr. Zichy, Prof. Dr. Rathmann und Prof. Dr. Hoppe diskutierten 90 Minuten intensiv und „klopften“ an den Türen der drängenden Fragen an.

Die knapp 250 Besucher der Diskussion erlebten einen erfrischenden Auftakt und von allen Teilnehmenden den klaren Willen zum Dialog. Die evangelisch-lutherische Gehörlosenseelsorge in Bayern möchte die Rolle der Gastgeberin und Plattform zum Dialog auch in Zukunft anbieten und lud alle Diskussions-Partner zu einem weiterführenden Dialog ein."

Kirchentag hilft Dialog zu führen

Einer der Teilnehmer der Diskussion, Dr. Michael Zichy, hat seinen Standpunkt in einem Blogbeitrag dargestellt:

Hörschädigung und Ethik: Sollen gehörgeschädigte / gehörlose / taube Kinder mit einem Cochlearimplantat ausgestattet werden?

Er kommt zu dem Schluss: Autonomie sticht. Gemeint ist, dass Eltern selbst frei entscheiden sollen, ob nun für oder gegen ein CI.
 

Haben gehörlose Kleinkinder ein Recht auf ein Cochleaimplantat?

Zeitschrift Nervenheilkunde

Diese Frage versuchen S. Müller und A. Zaracko in einem Aufsatz zu beantworten, der in der Zeitschrift Nervenheilkunde veröffentlicht wurde. Schnellleser sehen sich meist zuerst das Fazit, das Ende des Artikels an, und das stimmt scheinbar versöhnlich:

Mit Respekt auf die Autonomie des Kindes und sein Recht, später selbst zu entscheiden, ob es in der Welt der Hörenden oder der Deaf Community oder in beiden leben möchte, empfehlen wir – wie inzwischen auch der Bundeselternverband gehörloser Kinder e. V. –, gehörlose Kinder sowohl mit einem CI zu versorgen, als auch Gebärdensprache erlernen zu lassen. Statt des Entweder-oder sollte im Interesse der betroffenen Kinder ein Sowohl-alsauch ermöglicht werden.

CI PLUS Gebärdensprache, das klingt doch wirklich sehr versöhnlich. Aber hat der Bundeselternverband wirklich die Versorgung mit einem CI empfohlen?

Und wer ein wenig genauer hinschaut, findet auch dies:

Verweigern nun die Eltern die Versorgung ihres Kindes mit einem CI, kann beispielsweise der das Kind behandelnde Arzt das zuständige Familiengericht anrufen, das dann zu prüfen hat, ob ein Sorgerechtsentzug für die Frage der Versorgung mit einem CI vorzunehmen ist. Ein vollständiger Entzug des Sorgerechts stünde dabei nicht zur Debatte, sondern nur der Entzug des Sorgerechts für diese bestimmte Gesundheitsfrage. Bislang gibt es aber noch keine Präzedenzfälle.

Ein schwacher Trost: NOCH hat es keinen solchen Fall gegeben. Aber es könnte ihn durchaus geben. Ärzte und Richter wissen schließlich genau, dass Hören besser ist als Taubsein. Haarsträubend! Schlimm genug, dass "Fachleute" Eltern traktieren, ihr gehörloses Kind implantieren zu lassen. Demnächst könnten sie womöglich dafür sorgen, dass Eltern das Sorgerecht (nur für diese Entscheidung natürlich!) genommen wird und Kinder zwangsimplantiert werden. Kommen da nicht unselige Erinnerungen hoch? - Aber die Kinder haben ja ein "Recht auf ein CI!"

Diesen Artikel muss man gelesen haben:
Neuroethik & Neurophilosophie: Haben gehörlose Kleinkinder ein Recht auf ein Cochleaimplantat?
[Free download] anklicken!

P.S.: Dazu passt ein Fall, der zur Zeit in den USA vor Gericht verhandelt wird. Eine Frau hat ihren geschiedenen Mann verklagt, weil er die gemeinsame Tochter nicht zwingt, ihre CIs zu tragen, sondern in ASL mit ihr kommuniziert:
Man Faces Contempt of Court for Not Forcing Daughter to Wear Ear Implants

'Teufelsding' oder 'Sesam öffne dich' ?

Lukas 14

In Frankfurt findet ein Vortrag von Michael Schwaninger zum CI mit Gebärdensprachdolmetscher statt:

Das Cochlea Implantat - Hörprothese: „Teufelsding“ oder „Sesam öffne dich???“

Samstag, 27.02.2010, 10 – 12 Uhr im LUKAS 14, Vilbeler Straße 36, 60313 Frankfurt

Michael Schwaninger, selbst CI-Träger und 1. Vorsitzender des Cochlear Implant Verbands Hessen-Rhein-Main e.V., steht Rede und Antwort und berichtet aus eigener Erfahrung.

Der Vortrag wird in Gebärdensprache gedolmetscht.
 

Mensch und Maschine wachsen zusammen

Spiegel Online

Unter diesem Titel berichtet Spiegel Online über künstliche Körperteile. Da geht es um künstliche Gliedmaßen, künstliche Augen usw. Brisant wird es da, wo sie mit dem menschlichen Nervensystem verbunden werden. Da verwächst die Technik mit dem menschlichen Körper. Und genau das geschieht beim CI, dem Cochlea Implantat. Im Artikel selbst nimmt das CI nur zwei kleine Absätze ein. Im Diskussionsforum ist es aber DAS Thema geworden. Da kommen Hörende und Gehörlose, Betroffene, Gegner, Eltern und Fachleute zu Wort. Es ist zwar der alte Schlagabtausch, aber wer es lesen mag oder sich einmischen will:

Spiegel-Online-Forum: Künstliche Körperteile: Mensch und Maschine wachsen zusammen

Artikel: Künstliche Körperteile - Mensch und Maschine wachsen zusammen

Filmpremiere in Zürich: 'Verbotene Sprache'

Verbotene Sprache

Der Schweizerische Gehörlosenbund organisiert am 30. Oktober in Zürich eine Filmpremiere der besonderen Art. Es geht dabei um die schweizweite Erstaufführung des Films „Verbotene Sprache“ über den Gebärdensprachkünstler Rolf Lanicca.

Rolf erhält als erstes Kind in der Schweiz ein Cochlea Implantat. Medizin und Eltern trimmen Klein-Rolf, sich in der Welt der Hörenden zu integrieren. Erst als junger Erwachsener bricht er aus, lernt die Gebärdensprache und findet seine Identität als gehörloser Mensch. Heute drückt sich Rolf Lanicca virtuos als Gebärdensprachkünstler auf der Bühne aus und provoziert an Poetry Slams mit pointierten und provokativen Texten. Ein emotionaler Film über ein in der Welt der Hörenden vernachlässigtes Thema. Die Diskriminierung einer weiteren Landessprache – der Gebärdensprache.

Prellen ohne Ton?

Lisel

Auf der HP von www.auheim-magics.de - ein "hörender" Handballverein - ist jetzt ein Interview veröffentlicht mit Lisel, einer hörgeschädigten Torhüterin, die in der höchsten Spielklasse (Oberliga Hessen Süd) im Team Handball spielt, und das sehr erfolgreich! Lisel ist CI-Trägerin, aber in der Kommunikation mit ihr müssen ihre Mitspielerinnen sich schon ein wenig auf ihre Hörschädigung einstellen:

Lisel: Also, niemand soll Scheu vor mir haben, mich anzusprechen. Ich freue mich über jedes Gespräch. Wenn ich was nicht verstanden habe, dann bitte ruhig bleiben und wiederholen, notfalls mit anderen Worten. Und auf jeden Fall mich anschauen. Nur wenn mich jemand anschaut, kann ich auch etwas verstehen. Wenn alle lachen und ich nichts vom “Witz” mitbekommen habe – so soll eine zu mir kommen und mir schnell/kurz darüber erzählen, was gewesen war. So fühle ich mich dann auch DABEI im Team. Wenn ich alles verstanden habe, dann fühle ich mich nicht so abseits. Es wäre auch toll, wenn unsere Trainer – trotz der manchmal aufkommenden Hektik in einem Spiel – ruhig mit mir reden könnten. Dann ist die Chance, deren Vorstellungen umzusetzen, sehr groß. Ich will nämlich IMMER gewinnen!

Lesen Sie das ganze Interview: Prellen ohne Ton?

Dolmetschen für CI-Träger/innen

Annica Scheiwiller

Annica Scheiwiller ist angehende Gebärdensprachdolmetscherin im letzten Studienjahr an der HfH-Heilpädagogischen Fachhochschule in Zürich und schreibt zurzeit eine Bachelor-Arbeit zum Thema:
Dolmetschen für CI-Träger/innen
- Welche Formen von Dolmetschen in welcher Situation werden von CI-
Träger/innen gewünscht?
- Welche Auswirkung hat dieser technische Fortschritt für die Zukunft der
Gebärdensprachdolmetscher/innen?

Betroffene Menschen haben sich für ein CI entschieden, weil sie unter anderem hörgerichtet leben wollen. Dennoch gibt es immer wieder Situationen, in welchen die Teilnahme an einer gelingenden Kommunikation mit großen Anstrengungen verbunden ist. Eine reibungslose Informationsaufnahme und Informationsaustausch sind nicht immer gewährleistet. In solchen Situationen ist ein/e Dolmetscher/in oft eine große Unterstützung.

Gesucht werden daher betroffene Personen, die ein CI ein- oder beidseitig implantiert haben und gerne bereit sind, den Fragebogen auszufüllen - unabhängig davon, ob bereits Erfahrungen mit Dolmetscher/innen bestehen oder nicht.

BBW Leipzig mit Film und Forum beim CI-Tag dabei

Ausbildung in einer Firma

Zum 4. Deutschen CI-Tag am 20. Juni 2009 gibt es vom BBW Leipzig eine Filmpremiere zum Thema "Ausbildung mit CI" im Internet. Passend dazu findet von 10 bis 15 Uhr ein Internetforum statt. Fachleute aus dem BBW beantworten Jugendlichen mit Cochlea Implantaten (CI), deren Eltern und allen Interessierten Fragen rund um das Thema Berufsausbildung.
Das BBW Leipzig zählt zu den wenigen Berufsbildungswerken, die eine Ausbildung in einer Firma in Wohnortnähe begleiten. Mit Beratung des Ausbildungsbetriebes und Unterstützung der Auszubildenden (z.B. Hör- und Sprachtraining, technische Ausstattung des Ausbildungsplatzes). Die Auszubildenden können dabei die Berufsschule des BBW besuchen. Die Arbeit in Kleingruppen, visuelle Lernmedien, gute Raumakustik und eine den individuellen Bedürfnissen der Schüler angepasste Kommunikation der Lehrkräfte unterstützen den Lernerfolg.

Für junge CI-Träger, die aufgrund ihres Hörstatus' und ihrer Sprachentwicklung an manchen Punkten Unterstützung benötigen, sind die langjährige Erfahrung des BBW im Umgang mit hörgeschädigten Menschen sowie die durchlässigen integrierten Ausbildungsformen ein guter Weg für eine erfolgreiche Ausbildung und Integration in den Arbeitsmarkt.

Film und Forum erreichen Sie über www.ausbildung-mit-ci.de

Kommunikation - der Schlüssel zur Gemeinschaft

4. CI-Tag

"Es wäre schön, wenn Gehörlose die Infostände besuchen würden, um zu zeigen, dass sie nicht in der Hölle der Taubheit leben, sondern in einer selbstbewussten Sprach- und Kulturgemeinschaft." Das hatten wir vor einem Jahr in einem Hinweis auf den 3. CI-Tag geschrieben (siehe unten). Zu den Zielen des 4. CI-Tags, der am 20. Juni stattfindet, heißt es jetzt: "Aber auch alle anderen Wege dieser Familien sind im höchsten Maße respektabel und wir möchten ausdrücklich auch gebärdensprachlich orientierte Hörgeschädigte ermutigen am 4. Deutschen CI-Tag teilzuhaben." Haben unsere Einwände also etwas bewirkt? Auch das neue Motto "Kommunikation - der Schlüssel zur Gemeinschaft" klingt doch schon ganz anders als ""Hören ist die wunderbarste Sache der Welt, solange man es kann." Eine Kehrtwendung der DCIG hin zur Gebärdensprache bzw. zur Zweisprachigkeit?

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Hörst du mich?

Familie Pisecky
Bild vergößern

Eine bunt gemischte deafy-Familie, die Piseckys aus Wien! Vater Manfred ist einseitig taub, Mutter Jutta von Geburt an schwerhörig, Tochter Verena hörend und Sohn Lukas gehörlos. Als selbst Hörgeschädigte kannten die Eltern sich natürlich mit dem Thema Hörschädigung schon aus. Durch den gehörlosen Sohn konnten sie aber noch viele Erfahrungen sammeln. Lukas ist CI-Träger. Unabhängig davon und gegen den Rat der Fachleute hat die ganze Familie aber für Lukas Gebärden gelernt. Und er hat die bilinguale Gruppe im Kindergarten des BIG besucht.

Ihren reichen Erfahrungsschatz wollen die Piseckys nicht für sich behalten, sondern mit anderen Eltern hörgeschädigter Kinder teilen. Aus diesem Grunde haben sie eine Website eingerichtet:

http://www.hoerst-du-mich.net

Wie Hören und Sehen wiederkommen

Kind mit CI

Unter diesem Titel berichtete die FAZ gestern über Neuro-Prothesen. Können Blinde bald wieder sehen, Querschnittgelähmte wieder gehen - dank der Neurotechnik? Geforscht wird intensiv. In einem Bereich hat man das Ziel schon erreicht: beim Cochlea Implantat. Bemerkenswert der Schlusssatz des Artikels:

Während Menschen gewohnt sind, Arzneimittel einzunehmen, gibt es gegen die elektrischen Mini-Impulsgeber Vorbehalte. Die Unternehmen kennen diese Ängste und wollen beschwichtigen: "Da wir den Patienten einen der Sinne wiedergeben, sehe ich hier keine ethischen Bedenken, auch wenn ich weiß, dass einige Gehörlose die Wiederherstellung des Gehörsinnes verneinen und lieber weiter die Gebärdensprache praktizieren", sagt Schlösser. Deshalb arbeiten Unternehmen wie Cochlear eng mit Medizinern, Audiologen, Neurologen und Therapeuten zusammen, um die Patienten über die Risiken aufzuklären.

Mal ganz abgesehen von den Fehlinformationen (keine "Wiederherstellung" bei taub Geborenen, eher KEINE Aufklärung über Risiken!) - die Zusammenarbeit mit den Fachleuten lohnt sich allemal. Nicht zufällig erscheint der Artikel in der Rubrik Wirtschaft/Unternehmen. Da geht es nicht um die edlen und selbstlosen Helfer der Menschheit, sondern um Umsätze und Profit. "2005 lag das Marktvolumen bei ungefähr 440 Millionen Dollar. Bis zum Jahr 2012, schätzen Fachleute, ist auf diesem Gebiet ein Umsatz von 1,6 Milliarden möglich."

Für 2€ können Sie den Artikel bei der FAZ herunterladen: Wie Hören und Sehen wiederkommen.

Maryanne Becker auf der Leipziger Buchmesse

Maryanne Becker - copyright: Peter Strobel Photodesign

Sie wollten Maryanne Becker schon immer mal persönlich kennenlernen? Auf der Leipziger Buchmesse haben Sie dazu die Gelegenheit. Am 14. März finden Sie sie und ihre Bücher in der Zeit von 12.30 bis 16.30 Uhr am Stand A 200 / Halle 4 bei SUCHBUCH.DE.

Im Rahmen von «Leipzig liest» wird sie dann um 18 Uhr im Haus des Hörens ihr Buch "Klänge aus dem Schneckenhaus – Cochlea-Implantat-Träger berichten" vorstellen und signieren.
 

schnecke-online

schnecke-online

Sie kennen sicherlich die Zeitschrift "Schnecke – Leben mit CI & Hörgerät". Als Ergänzung zur Printausgabe gibt es seit heute die Website "schnecke-online.de – hören & verstehen – ci & hörgerät!" - "um der Fülle von Themen sowie den zahlreichen Erfahrungs- und Veranstaltungsberichten auch weiterhin einen gebührlichen Platz zu geben, den wir innerhalb der gedruckten Schnecke nicht immer ausreichend zur Verfügung hatten – erfreulicherweise."

schnecke-online

Johanna lernt neu hören

Johanna

23.10.2008 06:50 Uhr (Dauer 25 min)
hr
Johanna lernt neu hören

Johanna ist sechs Jahre alt und durch eine Fehlbildung der Hörschnecke fast taub. Nach vielen anstrengenden Untersuchungen steht jetzt fest, dass ein Cochlea-Implantat ihr möglicherweise helfen kann. Dieses hochtechnische Gerät wird ihr unter Vollnarkose implantiert. Die Hoffnung ist groß, dass Johanna anschließend besser hören kann.

Zusammenfassung der CI-Auseinandersetzung

Humboldt-Universität

Angefangen hatte es mit der Ankündigung einer Tagung der DCIG mit dem Titel "Taub und trotzdem hören!" - die wir als "audistische Schwarzweißmalerei" bezeichnet hatten. Sabine Fries und Thomas Geißler von der Humboldt-Universität Berlin veröffentlichten dann eine Stellungnahme, die wiederum viele Einzelpersonen und Verbände zu weiteren Stellungnahmen veranlasste. Viele waren positiv, andere enthielten aber auch scharfe Kritik - und mangelndes Verständnis. Dass die Verwendung des Begriffes "taub" z.B. keine "sprachliche Ungenauigkeit", sondern voll beabsichtigt ist, haben nicht alle verstanden.

Sabine Fries und Thomas Geißler nehmen deshalb einen "neuen Anlauf", um ihre Ansichten und Absichten zu verdeutlichen. Der Schlusssatz ihres Resümees bringt es auf den Punkt:

„Wir wissen zwar, dass es ein weiter Weg ist, um eine bilinguale Existenz mit Gebärdensprache und CI bekannt zu machen, aber wir sind bereit, diesen zu gehen. Längst nicht jeder braucht die Gebärdensprache, doch jeder sollte wissen, dass CI und Gebärdensprache sich nicht ausschließen.“

Gehörlosigkeit bedeutet nicht Sprachlosigkeit

Kinder gebärden

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit! Es weiß aber leider nicht jeder, und gerade Mediziner stellen es immer wieder so dar: Wenn Ihr Kind kein CI bekommt, ist es zur Sprachlosigkeit verdammt.

Katja Belz, Präsidentin des Bundeselternverbandes gehörloser Kinder, hat in ihrer Stellungnahme zum 3. Deutschen CI-Tag so einiges gerade gerückt - aus Sicht betroffener Eltern. „Wir fordern eine neutrale und vollständige Aufklärung und Beratung.“ Genau das findet nämlich fast nie statt. Trauriger Alltag ist, dass Eltern unter Druck gesetzt werden. Und Katja Belz scheut nicht davor zurück, Dinge, die sonst eher tabuisiert werden, beim Namen zu nennen: "Das CI ist nicht nur ein Hilfsmittel, es ist auch ein lukratives Geschäft."Karitativ getarnte kommerzielle Interessen! Da passt es dann natürlich nicht ins Konzept, dass es auch OHNE ginge. Und die Fronten sind letztlich wie zu seligen Oralismus-Zeiten: Die einen plädieren für Wahlfreiheit und Bilingualität, die anderen preisen die Wunder der Medizin und der Technik und bejubeln das "Hören trotz Taubheit". Kooperation und gemeinsame Veranstaltungen? Gut und schön, die machen aber nur dann Sinn, wenn die Alternativen wirklich als gleichwertig betrachtet werden - auch von Seiten der CI-Protagonisten.

Stellungnahme des Elternverbands zum CI-Tag

weitere Stellungnahmen

Deutliche Worte: Stellungnahme des DGB zu den Auseinandersetzungen zum CI-Tag

DGB-Logo

Mit deutlichen Worten hat der Präsident des DGB, Alexander von Meyenn, Stellung bezogen zu den Kommentaren von Sabine Fries und Thomas Geißler anlässlich des 3. Deutschen CI-Tags, und vor allem zu den darauf folgenden Reaktionen.

Kurz gefasst: Äußerungen auf www.taub-und-trotzdem-hoeren.de sind diskriminierend und nicht dazu geeignet, eine umfassende Beratung von Eltern zu gewährleisten. Der Unmut von Fries/Geißler war somit rundum voll berechtigt.

Dennoch ist der DGB bereit, sich am 4. Deutschen CI-Tag 2009 zu beteiligen. Allerdings: "Zentral für eine umfassende Beratung bei der schwierigen Entscheidung für oder gegen ein CI ist aus Sicht des Deutschen Gehörlosen-Bundes e. V. daher, dass die Gebärdensprache auf jeden Fall eingeschlossen ist und auch ein Leben ohne CI eine denkbare Alternative sein kann."

Uns erreichten noch weitere Stellungnahmen:

Gedanken von Dr. Ulrich Hase, Vorsitzender der Deutsche Gesellschaft der Hörgeschädigten - Selbsthilfe und Fachverbände e.V. zu diversen Stellungnahmen zum CI

Stellungnahme von Hermann W. Aufderheide, Referatsleiter CI im Deutschen Schwerhörigenbund e.V.

Wenn das Cochlea-Implantat nicht leistet, was die Werbung verspricht

Sabrina und ihre Mutter gebärden
Auf keinen Fall gebärden! Das Kind hat ein CI und muss sich in der lautsprachlich orientierten Welt der Hörenden zurecht finden. - So lautet (fast) immer der Ratschlag von "Fachleuten". Wie oft sie damit daneben liegen, lässt sich schwer nachweisen. Viele CI-Kinder kommen zuerst an die Regelschule, scheitern irgendwann kläglich und wechseln dann zur Schule für Hörgeschädigte über. Auffällig ist jedenfalls, wie viele CI-Kinder die Hörgeschädigtenschulen besuchen.

In der Zeitschrift "visuell plus", die vom Schweizerischen Gehörlosenbund SGB-FSS herausgegeben wird, hat Phil Dänzer, bekannt als Co-Autor des Films "Tanz der Hände", einen Bericht über Sabrina geschrieben. Die eher abstrakt und emotionslos klingende Frage, ob nun mit oder ohne Gebärden, wird in Phils Bericht voller Empathie beantwortet. Für Sabrina war der Besuch der Regelschule trotz CI eine Qual. Erst in der Schule für Hörgeschädigte blühte sie auf - MIT der Gebärdensprache! Ein Bericht, der unter die Haut geht:

'Neugier genügt' - Interview zum Thema CI

Dr. Marcus John
Am 30. Mai bringt der Radiosender WDR 5 innerhalb der Sendung "Neugier genügt" ein Interview mit unserem Teammitglied Dr. Marcus John. Marcus ist spätertaubt und seit zwei Jahren CI-Träger. Die Entscheidung hat er sich nicht leicht gemacht - aber nicht bereut! Einen Erfahrungsbericht hatte er schon auf der von ihm betreuten TS-Website www.spaetertaubt.de veröffentlicht: Wege zwischen den Stühlen hindurch. Morgen stellt er sich nun den Fragen eines WDR-Moderators.

Man kann die Sendung heute (30. Mai) um 10:05 Uhr auf WDR 5 hören - im Radio, via Satellit oder auch im Internet (auf www.wdr5.de rechts oben "Live hören" anklicken). Das Interview wird ca. zwischen 11.05 und 11:30 Uhr gesendet. Wir hoffen aber, nach der Sendung einen Mitschnitt und eine Mitschrift hier veröffentlichen zu können.
 
Redezeit - Die Prothese im Kopf
Nachtrag: Wer die Sendung verpasst hat, kann sie noch "nachören", als MP3-Datei herunterladen oder als Podcast abonnieren: www.wdr5.de/nachhoeren/redezeit.html

Ein ganz besonderer Service des WDR: Sie können das Interview jetzt nachlesen. Der WDR präsentiert auf seiner Website jetzt die Mitschrift.

DCIG propagiert Gebärdensprache? - Stellungnahme zur Stellungnahme

taub und trotzdem hören
Sabine Fries und Thomas Geißler hatten zum Aufruf zum 3. Deutschen CI-Tag 2008 eine Stellungnahme geschrieben. Auf diese Stellungnahme hat jetzt der Vorstand der DCIG geantwortet, mit einer Stellungnahme zur Stellungnahme. ;-)
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