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Die Politik macht nach Auffassung der Bundesbürger nicht genug für Inklusion. 81 Prozent der Deutschen sagen, dass Bund, Länder und Kommunen mehr tun könnten, um Bedingungen zu schaffen, die das Arbeitsleben und den Alltag der Betroffenen erleichtern. Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Befragung im Auftrag der Coloplast GmbH.

Für die Befragung „Inklusion in Beruf und Alltag“ wurden 1.000 Deutsche ab 18 Jahren im Mai und Juni 2019 befragt. Das FORSA-Institut führte die repräsentative Befragung im Auftrag der Coloplast GmbH, in Kooperation mit dem IMWF Institut für Management und Wirtschaftsforschung, sowie mit Unterstützung von Selbsthilfe Stoma-Welt e. V. und Inkontinenz-Selbsthilfe e. V. durch. Die Ergebnisse sind auf ganze Zahlen gerundet.

Seit 2009 sind die politischen Akteure in Deutschland durch die UN-Behindertenrechtskonvention dazu verpflichtet, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Gleichberechtigung zu gewährleisten. Das bedeutet, dass die Umgebung in Beruf und Alltag so gestaltet sein sollte, dass eine Behinderung oder Erkrankung kein Handicap darstellt.

Handlungsbedarf in Sachen Inklusion gibt es an vielen Stellen. Dazu zählen zum Beispiel Mängel bei der Barrierefreiheit oder die soziale Ausgrenzung von Betroffenen. Lediglich zwölf Prozent der Deutschen finden, dass die Politik derzeit genug für die Inklusion tut. Die Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass es besonders in Jobs für Nicht-Akademiker an Inklusion hapert. Am dramatischsten schätzen Menschen die Lage ein, die höchstens über einen Hauptschulabschluss verfügen. Nur acht Prozent von ihnen empfinden die politischen Bemühungen zum Thema Inklusion als ausreichend. Geringfügig besser fällt das Fazit von Menschen mit Mittlerer Reife (zwölf Prozent) und Abitur beziehungsweise Fachhochschulreife (zehn Prozent) aus. Nur Akademiker bewerten die Lage optimistischer. So kommen immerhin 23 Prozent von ihnen zu einem positiven Urteil.

Die Einschätzung beruht bei 45 Prozent der Befragten auf Erfahrungen im persönlichen Umfeld: 13 Prozent von ihnen sind unmittelbar selbst von einer chronischen Erkrankung oder Behinderung betroffen. Bei 31 Prozent leidet jemand aus dem Familien- oder Bekanntenkreis unter einer solchen Krankheit und bei sechs Prozent ist ein Arbeitskollege betroffen (Mehrfachnennungen waren möglich).

„Inklusion ist ein Menschenrecht“, sagt Henning Reichardt, Geschäftsführer bei Coloplast. „Dennoch werden Menschen mit Handicap in Deutschland noch zu oft ausgegrenzt. So war zum Beispiel ihre Arbeitslosenquote 2018 fast doppelt so hoch wie der Durchschnitt. Es ist auch Aufgabe der Politik, Hürden für Betroffene in Beruf und Alltag abzubauen.“

Inklusion als Win-win-Situation

Immerhin scheinen die bisherigen Schritte in die richtige Richtung zu gehen. So hat sich die Inklusion im beruflichen Umfeld seit 2015 deutlich verbessert. 64 Prozent der Berufstätigen, die Erfahrungen mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen gemacht haben, schätzen die Einbindung am Arbeitsplatz inzwischen als „gut“ oder sogar „sehr gut“ ein. Das ist ein Anstieg um 13 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2015.

„In der Wirtschaft findet gerade ein Umdenken statt“, sagt Reichardt. „Aufgrund des Fachkräftemangels können es sich Unternehmen immer weniger leisten, auf Menschen mit Handicap zu verzichten. Die Folge ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.“

Der Fortschritt dürfte sich für die Unternehmen auszahlen: Nach Einschätzung vieler Berufstätiger wirkt sich die Einbindung von Menschen mit Handicap positiv auf eine Firma aus. Drei von vier Befragten erwarten, dass so die sozialen Kompetenzen im Betrieb gesteigert werden können. Unternehmen profitieren außerdem davon, dass betroffene Fachkräfte ihnen länger erhalten bleiben, meinen zwei von drei Arbeitnehmern. Jeder zweite Berufstätige glaubt sogar, dass Inklusionsmaßnahmen zu einem Wettbewerbsvorteil führen, da das Unternehmen als verantwortungsbewusster Arbeitgeber wahrgenommen wird.

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