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Vorgestern am 27. Januar 2021 gedachte der Deutsche Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus. Vor 25 Jahren hatte Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar, das Datum der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, zum nationalen Gedenktag erklärt. Die Veranstaltung wurde im Fernsehen live übertragt – aber natürlich nicht barrierefrei.

Mark Zaurov, der taube Historiker, hat sich auf Twitter bei Phoenix, ARD und Tagesschau darüber beschwert, dass die Gedenkstunde im linearen Fernsehen nicht in die Gebärdensprache übersetzt wurde, sondern nur online.

Seinen Beitrag hat Ralph Raule, der Senatskoordinator für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Hamburg, geteilt und die gleiche Frage an ARD gestellt, warum es keine barrierefreie Version im Fernsehen gibt. Das Erste antwortete, dass sie „in der Tat keine Sendungen mit Gebärdensprache“ ausstrahlt. In der Mediathek und live über HbbTV gebe es jedoch ein großes Angebot, so die Antwort.

Raule reagierte mit folgenden Worten: „Sorry, aber ich wusste, dass diese Antwort kommt. Ist ja Standard. Meine Antwort darauf: was ist mit den vielen Menschen, die kein HbbTV haben oder Internet, weil sie auf dem Land wohnen oder technisch nicht versiert sind? Bleiben die außen vor, bis die natürliche Auslese greift?“

Das Erste auf Twitter: Uns ist bekannt, dass die Gebärdensprache in D im Gegensatz zu anderen Ländern keine Tradition hat. Nach unseren Informationen strahlt kein lineares deutsches Programm mit GBS aus. Einen Zeitplan, wann sich hier etwas ändert, können wir Ihnen noch nicht vorlegen.

Das Erste erklärte dann, dass es ihnen bekannt sei, dass die Gebärdensprache in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern keine Tradition hat. Nach ihren Informationen strahlt kein lineares deutsches Programm mit Gebärdensprache aus.

Unzählige Menschen haben darauf reagiert. Sven Niklas schrieb zum Beispiel: „Eine unglaubliche Aussage. Was ist denn mit der Sendung: Sehen statt Hören im Bayerischen Rundfunk? Phoenix wurde ja bereits genannt. Es zeigt ein trauriges, diskriminierendes Bild und bestätigt die fehlende Akzeptanz. Ich bin mehr als enttäuscht über den Tweet und hoffe auf Reaktionen“

Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft e. V. twitterte: „Diese Antwort ist leider mehr als unglücklich. Das hätte man auch diplomatischer ausdrücken und mehr Bereitschaft signalisieren können.“

Deutscher Gehörlosen-Bund e.V. erzählte heute darüber auf Instagram und möchte sich juristisch dagegen wehren.

Das Erste erklärte etwas später auf Twitter: „Hier liegt ein Missverständnis vor. Die ARD ist selbstverständlich weiterhin engagiert darum bemüht, den Umfang ihrer Angebote mit Gebärdensprache zu erhöhen. Der Tweet vermittelte nicht die Haltung der ARD sondern versuchte sich an einer möglichen Erklärung.“

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3 KOMMENTARE

  1. Während Krisenzeiten sprechen Bundeskanzlerin und Bundespräsident in TV mit der Nation. Wenn aber ARD/ZDF uns Schwerhörigen/Gehörlosen auf HbbTV/Mediathek wegen der Gebärdensprache verweisen, wer sind wir dann. Gehören wir nicht zur Nation? Vielleicht ein versteckter Teil der Nation?
    Ich möchte doch auch, Gehörlosen und Hörende gemeinsam zur selben Zeit und zur selben Stunden auf dem gleichen Sendeplatz auch an der Rede der Bundeskanzlerin und des Bundespräsidenten teilhaben.
    Übrigens: Ich habe hörende Kollegen gefragt. Sie befürworten sogar, daß Dolmetscher daneben stehen. Sie verstehen es nicht, sie sehen in ausländische Nachrichten mit Dolmetscher/innen und warum in Deutschland nicht. Darauf kann ich keine Antwort geben.

  2. unverschämt! nix mit er ngagement zu tun, sondern mit dem allgemeinwissen, das ist echt flop! Wie einige schon sagen, gibt es schon sehen statt hören usw… ob es nicht die Haltung von ARD ist, ist ein Witz. Es ist schon eine Haltung darüber, dass man es nicht genau wissen möchte! diese solche Sprüche… Her mit dem Grundgesetz, dass alle Menschen gleichwertig sind, aber auch alle !DEUTSCHE! Sprachen auch gleichwertig!

  3. Wieder einmal die allbekannten Aussagen der Fernsehgewaltigen in der die Gebärdensprache ablehnenden Haltung. Nur durch weitere Beschwerden und Eingaben kann sich etwas ändern.
    Unsere Stellungnahme des VKGD (Verband der Katholischen Gehörlosen Deutschlands e.V.) vom Oktober und die Presseerklärung im Januar zu Dolmetsch-Einblendungen im linearen Fernsehen wurden gar nicht oder mit gleichen Worten beantwortet. Es kann nur weiterer Protest hlfen!
    Geschäftsführer VKGD Norbert Schulze Raestrup

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