Die Künstlerin Christine Sun Kim gehört zu den MacArthur Fellows 2026. Die US-amerikanische MacArthur Foundation zeichnet sie für ihre Arbeit über die Politik von Sprache und Kommunikation aus. Das Stipendium, oft „Genie-Preis“ genannt, ist mit 800.000 US-Dollar dotiert. Das Geld wird über fünf Jahre ausgezahlt und ist an keine Bedingungen geknüpft. Bekannt gegeben wurde die Auszeichnung am 29. September 2026. Insgesamt erhielten in diesem Jahr 20 Personen die Auszeichnung.
Kunst über eine Welt, die auf das Hören setzt
Christine Sun Kim wurde 1980 in Kalifornien geboren. Ihre Eltern stammen aus Korea. Sie ist von Geburt an gehörlos, ihre erste Sprache ist die Amerikanische Gebärdensprache (ASL). Laut MacArthur Foundation geht es in ihrer Kunst um das schwierige Verhältnis zwischen gehörlosen Menschen und einer Welt, in der die Lautsprache an erster Stelle steht. Kim arbeitet mit Zeichnungen, großen Wandbildern, Performances, Videos und Installationen, die zum Mitmachen einladen.
Wie sie selbst kommuniziert, beschreibt Kim so: Sie liest nicht von den Lippen ab und spricht nicht mit ihrer Stimme. Sie nutzt geschriebenen Text und Gebärdensprachdolmetscher. „Die meisten Menschen können keine Gebärdensprache“, sagt sie. Text sei deshalb der Mittelweg, der sie mit anderen verbinde. Die Arbeit mit Dolmetschern beschreibt sie als eine Art Verschmelzen von Stimmen zu einer einzigen.
Super Bowl: groß im Stadion, kaum im Fernsehen
Einem Millionenpublikum bekannt wurde Kim im Jahr 2020. Beim Super Bowl, dem Finale der US-Football-Liga NFL, gebärdete sie die Nationalhymne und das Lied „America the Beautiful“. Eingeladen hatte sie der US-Gehörlosenverband National Association of the Deaf. Im Stadion war sie groß auf den Videoleinwänden zu sehen. Die Fernsehkameras zeigten ihren Auftritt aber nur wenige Sekunden lang – bei einem der meistgesehenen Fernsehereignisse der USA. In einem Gastbeitrag für die New York Times nannte Kim das eine verpasste Chance für mehr Inklusion in den Medien. Sie habe sich gefreut, für die Gehörlosen-Community auf dem Spielfeld zu stehen – und sei gleichzeitig wütend und frustriert gewesen.
Zuhören als Anstrengung
Viele ihrer Arbeiten entstehen gemeinsam mit anderen und beziehen das Publikum ein. Ein Beispiel ist „Game of Skill 2.0“ aus dem Jahr 2015, gebaut von Levy Lorenzo. Die Besucherinnen und Besucher führen dabei ein Handgerät an einem gespannten Draht entlang. Nur solange sie Kontakt halten, ist ein gesprochener Text zu hören. Das mühsame Gehen soll zeigen, wie anstrengend Zuhören sein kann. Das Seoul Museum of Art zeichnete die Arbeit mit dem SeMA-Hana Media Art Award aus.
Zu Hause in Berlin
Seit gut zehn Jahren lebt und arbeitet Christine Sun Kim in Berlin. In ihren Arbeiten geht es neben Klang und Gehörlosigkeit auch um ihre Erfahrungen als junge Mutter. In Deutschland ist sie längst keine Unbekannte mehr: Schon 2015 zog sich ihr Wandbild „Echo Trap“ durch das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main – gezeichnete Gebärden, die sich wie ein Echo über die Wände bewegen. Auch in Berlin hat sie Spuren hinterlassen: Für das Foyer der Deutschen Oper Berlin gestaltete sie gemeinsam mit dem Kunstmagazin WELTKUNST zwei große Wandbilder in Form von Zifferblättern. Auf der Ostseite heißt das Werk „The Sound of Another Day Rising into Being“, auf der Westseite „The Sound of Another Night Sinking into Existence“. Statt Zahlen zeigen die Uhren Notenwerte: Ganze Noten stehen für die Schlafenszeit, Achtelnoten für die Stunden, in denen Kim am aktivsten ist. So macht sie Musik sichtbar – ausgerechnet in einem Haus, in dem sonst das Hören im Mittelpunkt steht. Bei der Eröffnung 2020 wurde das Künstlergespräch in deutsche Lautsprache, ASL und Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt.
Auch das deutsche Gehörlosenfernsehen hat Kim porträtiert: Die BR-Sendung „Sehen statt Hören“ zeigt in einem Beitrag, wie die Künstlerin Klang für Gehörlose sichtbar macht.
Weltweit gefragt
Ihr TED-Talk über die Musik der Gebärdensprache wurde fast 750.000 Mal angesehen. Kim hat unter anderem im Museum of Modern Art und im Whitney Museum in New York ausgestellt. Im Jahr 2025 stand sie auf der „Power 100“-Liste des Magazins ArtReview und auf der „Time 100 Art“-Liste. Aktuell sind ihre Arbeiten in Luxemburg und Seoul zu sehen. Mit dem MacArthur-Stipendium kann sie nun fünf Jahre lang frei an neuen Projekten arbeiten.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt.






















