Die ersten vollständig implantierten Cochlea-Implantate sind da. Nach fünf Test-Implantationen im Rahmen einer klinischen Studie wurden nun zwei Menschen in freier Wildbahn implantiert. Die Operation fand am 29. September 2026 an der Uniklinik für HNO-, Kopf- und Halschirurgie des AKH Wien und der MedUni Wien statt. Die Geräte sind für die klinische Anwendung zugelassen.
Der Leiter der Uniklinik schwärmt in einer Pressemitteilung der MedUni Wien davon, dass diese Weiterentwicklung „vor allem mehr Freiheit im Alltag“ bedeuten würde und: „Hören rund um die Uhr“. Weiter heißt es „Das ist gerade bei alltäglichen Situationen wie Schlafen, Sport oder Schwimmen ein wesentlicher Unterscheid“, so Christoph Arnoldner.
In einem Bericht auf dem Technik-Portal heise.de gibt es weitere Informationen. So soll das Implantat von der Firma Med-El stammen und auf den Namen Tici Unico – Vorsicht, Kalauer – hören. Auch hier wird als Nachteil herkömmlicher Implantate genannt, dass diese „im Regen, beim Duschen, zum Schlafen“ abgenommen werden müssen. Der Schall wird durch die Haut übertragen. Wie gut das im Vergleich zum herkömmlichen Hinter dem Ohr-Mikrofon funktioniert, wird auch hier nicht konkret mit. Zahlen belegt, dürfte aber durchaus plausibel sein.
Im heise-Artikel erfährt man darüber hinaus, wie das Tici Unico mit Strom versorgt wird: der Akku muss durch Auflegen eines Ladegeräts aufgeladen werden. Wie lange das genau dauert und wie das funktioniert, wird auch hier nicht beschrieben – muss man in Reichweite einer Steckdose sitzen oder lädt man einen Ladeakku auf, den man dann wie ein herkömmliches Hörgerät trägt? Und vor allem: Wie lange dauert der Ladevorgang und wie lange halten die implantierten Akkus? Herkömmliche Akkus müssen nach ein paar Jahren ersetzt werden. Es ist davon auszugehen, dass die Operation ähnlich wie bei den Magnetentfernungen vor MRTs relativ unkompliziert funktioniert. Dennoch wird eine Operation wohl nötig bleiben.
Auch unklar bleibt, wie genau die Implantate gesteuert werden und wie man – wenn dies z.B. über Bluetooth geschieht – eine Neukopplung erzwingt. Bei herkömmlichen Implantaten schaltet man diese einfach an und aus. Geht das auch hier? Braucht man immer ein Handy, um die CIs ein- und auszuschalten?
Es gibt also viele offene Fragen. Wir haben der MedUni Wien dazu eine Mail geschickt und werden die Antworten für euch einordnen. Fest steht schon jetzt, dass der Komfortgewinn mit einigen Kompromissen einhergeht, aber für bestimmte Nutzendengruppen ein Argument für eine Vollimplantation sein könnte.





















