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Die American Civil Liberties Union (ACLU) im US-Bundesstaat Georgia hat eine Klage gegen das Georgia Department of Corrections und den Begnadigungsausschuss des Bundesstaates sowie mehrere einzelne Angeklagte wegen systematischer Diskriminierung und Missbrauch ihrer tauben und schwerhörigen Insassen eingereicht.

Einer der 14 Kläger ist Jerry Coen (44). „Von dem Moment an, in dem du reingehst, bist du in jeder Hinsicht gefangen“, sagt er. „Du versuchst zu kommunizieren, aber du kannst weder die Regeln noch die Informationen aus dem Lautsprecher verstehen; es ist ein totaler Kommunikationsausfall.“

Nach Angaben der Kläger haben sie wegen abgelehnten Anfragen nach Gebärdensprachdolmetschern, Verweigerung der medizinischen und psychischen Gesundheitsversorgung und Gewalt durch die Wachen gelitten.

Im Laufe seiner Haft hat Coen mehrere Beschwerden eingereicht; alle davon wurden abgewiesen oder sind ewig in dem Status „unerledigt“ geblieben. 

Weil es für ihn keine Möglichkeit gab zu telefonieren, musste seine Familie regelmäßig mehrere Stunden zu ihm Fahren, um überhaupt mit ihm kommunizieren zu können. Laut der Gehörlosenrechtsgruppe HEARD haben taube Insassen in nur sieben Gefängnissen in der USA Zugang zu Video-Telefonie.

Coen wurde sogar mehrmals wegen „schlechten Verhaltens“ diszipliniert, obwohl ihm die Regeln nie in einer Sprache erklärt wurden, die er versteht. Einmal wurde er eine Woche lang in Einzelhaft gehalten. Bis heute weiß er immer noch nicht, welche Regel er überschritten hat und warum er diese Woche dort verbringen musste, weil ihm bei der Disziplinarverhandlung ein Dolmetscher verweigert wurde. Bei der Anhörung konnte er nicht mal versuchen mit Gesten zu kommunizieren, da seine Hände hinter dem Rücken gefesselt waren. 

Ihm wurde auch ein Dolmetscher für Arzttermine verweigert. Da hat er versucht, hin und her zu schreiben, aber er hat die Worte nicht verstanden. Auch die psychische Gesundheitsversorgung wurde ihm verwehrt, obwohl er wiederholt eine Bewertung forderte. Einmal schrieb er: „Ich brauche wirklich Hilfe.“

„Sie sagen, ich hätte Wutprobleme. Natürlich hatte ich Wutprobleme. Ich war frustriert!“ sagt Coen. Er habe auch keinen Zugang zu irgendwelchen Rehabilitationsprogrammen gehabt, die vom Gefängnis für die hörenden Insassen zur Verfügung gestellt werden; ohne Dolmetscher sind für taube Häftlinge 12-Schritte-, Aggressionsbewältigungs- und Bildungsprogramme nutzlos. 

„Die Wachen waren so grausam“, sagte er ferner. „Einmal wurde einer von ihnen verrückt und nahm mein Hörgerät und zertrat es.“ Coen reichte eine Beschwerde über den Zwischenfall ein, aber die Strafvollzugsbehörde wies die Beschwerde zurück und schrieb, dass die Zerstörung seines Besitzes „ihn nicht persönlich betroffen“ habe.

Da gehörlose Insassen nicht mit ihren Mitgefangenen kommunizieren können, wird diese Situation von Aktivisten für Behindertenrechte oft als „Gefängnis innerhalb eines Gefängnisses“ beschrieben.

„Es kann für inhaftierte Menschen mit Behinderungen fast unmöglich sein, ihre Erfahrungen mit Trauma und Diskriminierung mit der Außenwelt zu teilen“, sagte Zoe Brennan-Krohn von der ACLU.

Joan Heath, Fürsprecherin für das Georgia Department of Corrections sagte, die Agentur wolle sich nicht zu den anhängigen Rechtsstreitigkeiten äußern, es werden aber Verbesserungen im System vorgenommen, um die Situation für schwerhörige Insassen zu verbessern.

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