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Der 23jährige Til und seine Schwester sind beide von Geburt an taub, ihre Familie ist hörend. Ihren Eltern wurde damals von den Ärzten abgeraten, Gebärdensprache zu benutzen. Til sollte Sprechen lernen und Hörimplantate bekommen. Trotz Logopädie kam Til nur schwer in die Lautsprache. In seinen ersten Lebensjahren kann er kaum mit seiner Familie kommunizieren. Nur grundlegende Dinge wie „Essen“ oder „Toilette“ konnte er mitteilen.

NDR hat mit ihm ein Interview im Rahmen der Reihe „7 Tage“ geführt. Als Til 8 Jahre alt wurde, entschieden sich seine Eltern für das Cochlea Implantat (CI). Für die Ärzte ist das CI wie ein Wunderheilmittel, doch Til hatte damit Probleme. Das CI verstärkt nicht nur Sprache, sondern auch Nebengeräusche wie das Ticken einer Uhr oder das Rascheln von Blättern. Solche Geräusche können Hörende ausblenden, doch für Til war das eine sehr anstrengende Aufgabe. Besonders in lauten Umgebungen konnte er Sprache nicht aus den anderen Geräuschen herausfiltern. Außerdem bekam er von den CIs einen Tinnitus.

Mit 12 Jahren wechselte Til auf eine Hörgeschädigten-Schule in Dortmund. Dort kam er das erste Mal mit Gebärdensprache in Kontakt und erlernte sie durch seine Mitschüler. Zum ersten Mal konnte er ungezwungen kommunizieren. „Mit Gebärdensprache fühle ich mich frei“, sagt er.

Die Ärzte rieten ihm weiterhin, Sprechen zu üben, doch Til fühlt sich mit der Gebärdensprache wohl. Es geht ihm körperlich besser, da er nicht mehr so angestrengt und müde ist. Die Kopfschmerzen sind verschwunden.
Inzwischen studiert er Philosophie und hat ein freiwilliges soziales Jahr in Uganda absolviert.

Seine Mutter bereut, damals auf die Ärzte gehört zu haben. Zuhause kennt sie Til zurückhaltend und still. Auf seiner Abiturfeier sah sie dann Videos von ihm, wie er lebhaft mit seinen Mitschülern gebärdete. Sie hat nun angefangen, Gebärdensprache zu lernen.

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