Anzeige
0

Hauptziel des Fachtreffens am 20.09.2018 in Hannover: Anerkennung und Umsetzung der Deutschen Gebärdensprache als Unterrichtsfach an den Förderschulen und als Wahlpflichtfach der Fremdsprache an den allgemeinbildenden Schulen. Der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. organisierte gemeinsam mit dem Gehörlosenverband Niedersachsen e. V. das Fachtreffen „Gebärdensprache in den Schulen – Perspektiven und Strategien“ am 20. September 2018 in Hannover. An diesem Fachtreffen nahmen über 44 Personen, darunter Bildungsbeauftragte der Landesverbände der Gehörlosen, Gebärdensprachdozent/-innen, Lehrer/- innen verschiedener Schulen sowie Gebärdensprachdolmetscher/-innen teil. Der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. hat eine Pressemitteilung zu dieser Veranstaltung veröffentlicht.

Der niedersächsische Kultusminister, Grant Hendrik Tonne, eröffnete das Fachtreffen und hielt sein Grußwort. Weitere Grußworte richteten der Präsident des Deutschen Gehörlosen-Bundes, Helmut Vogel, und die zweite Vorsitzende des Gehörlosenverbandes Niedersachsen, Ludmila Schmidt, an die Anwesenden.

Dann hielt der Beauftragter für Bildung und Politik des Gehörlosenverbandes Niedersachsen, Bengt Förster, seinen Einführungsvortrag. Danach stellte Magdalena Stenzel die Online-Petition „Gebärdensprache umsetzen! Bilingual – bimodal – endlich normal!“ vor, mit den Unterschriften gesammelt werden sollen, um die Gebärdensprache auf allen Ebenen des Bildungswesens im deutschen Raum bezüglich des Artikels 24 der UN-Behindertenrechtskonvention voranzubringen. „Es muss doch selbstverständlich sein, dass tauben Kindern und Schülern ihre Gebärdensprache als Unterrichtsfach angeboten wird. Mit der aus der UN-Behindertenrechtskonvention sich ergebenden Gleichstellung folgt dies zwingend!“ wird Prof. Helen Leuninger zitiert!

Nach einer kurzen Kaffeepause erläuterte Prof. Dr. Claudia Becker (Humboldt-Universität zu Berlin) in ihrem Vortrag die Notwendigkeit der Deutschen Gebärdensprache (DGS) als Unterrichtsfach und die möglichen Schritte zur Implementierung von DGS als Sprachfach. Eine europaweite Studie zu Gebärdensprachen in Deutschland und in Europa wurde vorgestellt.

Dann informierte Prof. Dr. Christian Rathmann (Humboldt-Universität zu Berlin) über den aktuellen Stand der Kultusministerkonferenz zu DGS als Unterrichtsfach und über weitere erforderliche Maßnahmen wie den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) für Gebärdensprachen, das Assessment für die Anerkennung der DGS als Fremdsprache sowie über Qualifizierungsmaßnahmen. Anschließend gab es Diskussionen und Austausch.

Nach einstündiger Mittagspause brachte Prof. Dr. Barbara Hänel-Faulhaber (Universität Hamburg) (neuro-)wissenschaftliche Argumente für die Einführung und den Aufbau eines Rahmenlehrplans in DGS vor. In ihrem Beitrag wurden im ersten Teil zunächst wesentliche Erkenntnisse zu Sprachverarbeitung und Spracherwerb der DGS in unterschiedlichen Lerngruppen vorgestellt. Im zweiten Teil wurde am Beispiel des neuen Hamburger Rahmenlehrplans für das Fach DGS gezeigt, wie die verschiedenen Sprachebenen, Inhalte und Lernpotenziale der DGS berücksichtigt werden können.

Die Lehrerin an der Berliner Ernst-Adolf-Eschke-Schule, Sieglinde Lemcke, stellte einige standardillustrierende Beispiele aus dem Rahmenlehrplan DGS Berlin und Brandenburg und Unterrichtseinheiten aus dem schulinternen Curriculum vor und berichtete von ihren Erfahrungen, wie man aus einem Abschnitt des Rahmenlehrplans ein paar Unterrichtsbeispiele entwickelt.

Nach kurzer Kaffeepause berichteten drei Schulleiter, Christoph Plickert (LBZH Osnabrück), Joachim Budke (LBZH Hildesheim) und Jürgen Rode (Hartwig-Claussen-Schule Hannover) über die Entwicklung von DGS als Unterrichtsfach an ihren Schulen. Dana Apel zeigte einen kurzen DGSFilm über Schüler/-innen, die die Notwendigkeit von DGS in der Schule begründeten. Nun informierte Katrin Pflugfelder (Bundeselternverband gehörloser Kinder) über den Bundeselternverband und trug die Perspektive der Eltern vor, sich für die Kinder einzusetzen und für deren Förderung mit DGS sowie über den Bedarf an Austausch und Beratung der Eltern. Karin Pflugfelder berichtete auch über verschiedene Erfahrungen mit diesem Thema und über schulische Biografien.

Anschließend gab es eine Abschlussdiskussion und einen gemeinsamen fachlichen Austausch.

Drucken

Hinterlasse einen Kommentar

2000

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei