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„Maskenpflicht ein großes Problem für Hörgeschädigte“ – so und viele ähnliche Überschriften sind in den letzten Tagen zu lesen. Wieso eigentlich EIN GROßES PROBLEM  F Ü R  HÖRGESCHÄDIGTE?!

  1. Kommunikation ist eine beidseitige Angelegenheit. Gibt es eine Sprachbarriere, wird das „Problem“ auch zu einem „Problem“ für privilegierte Menschen. Also ist dieses „Problem“ nicht das alleinige „Problem“ von „Hörgeschädigten“, denn  Kommunikation beruht auf einem Dialog und ist eigentlich keine Einbahnstraße. Also bitte, lassen wir dieses F Ü R „Hörgeschädigte“ einfach sein. Wir brauchen mehr als Fürsorge.
  2. Mit dieser Überschrift wird die zwischenmenschliche Kommunikation auf die visuelle Ebene alleine reduziert. Streng genommen handelt es sich hierbei um eine diskriminierende Aussage und nennt sich in Fachkreisen „Audismus„.  Deswegen erscheint diese vereinfachte Art von Überschrift mehr als unzulänglich.

Das Tragen von Masken eröffnet neue Möglichkeiten in der Kommunikation, weil sich die Gesellschaft nun mehr Gedanken macht, welche Wege der Kommunikation gegangen werden können. 

Es existieren andere Kommunikationsstrategien, die eingesetzt werden können, die bisher wenig bis gar nicht im Alltag integriert worden sind. Die da wären:

  • Schriftliche Kommunikation: Stets eine große Erleichterung, wenn   Gesprächspartner*innen von sich aus aufschreiben, was sie mitteilen möchten, ohne Umwege, ohne, dass wir groß darum bitten müssen.  
  • Verwendung von Spracherkennungsprogrammen, kostenlose Beispiele: captioner.com, Spracherkennung von GOOGLE und viele andere.
  • Der Urlaub in Italien fällt dieses Jahr wegen Corona aus? Holt euch ein Stück Italien nach Deutschland! Übt den Einsatz von natürlichen Gesten, wenn ihr keine Deutsche Gebärdensprache beherrscht. Warum seid ihr Nordeuropäer so furchtbar steif
  • setzt euch ein, dass sich die Deutsche Gebärdensprache an allen Schulen etabliert,  genauso wie Englisch. Macht Euch stark, dass Ihr die DGS-Kurse kostenlos bekommt, so wie es in Australien der Fall ist, bucht DGS-Online-Kurse, die aufgrund von Corona verstärkt auch von einzelnen Dozent*innen oder Anbietern online angeboten werden. Eine Übersicht hier.
  • Lernt nicht nur unsere Sprache, sondern auch Kultur kennen. Sprache und Kultur gehen Hand in Hand.  Schaut mal hier.    
  • Nutzt DGS-Apps (Beispiel für kostenloses Angebot), kauft Bücher (Beispiel), ab Juli gibt es auch wieder einen Kalender – jeden Tag ein Stück der Deutschen Gebärdensprache und Kultur näher kommen
  • Nutzt Ferndolmetschdienste, Beratung gibt es hier
  • Der allerwichtigste Tipp: Humor! Humor ist doch die beste Medizin; wenn mal etwas nicht klappen sollte, lacht darüber, aber verstummt bitte nicht. Lasst uns nicht alleine vor lauter Unsicherheiten. 
  • Bezieht uns als Expert*innen unbedingt ein, fragt uns, arbeitet mit uns, kämpft mit uns, aber auf keinen Fall FÜR uns und sprecht/agiert nicht ohne uns. Erkundigt Euch bei Interessenvertretungen.

Wir wollen dabei sein, denn wir haben leider noch immer große Schwierigkeiten an Informationen zu kommen. Dieselben Informationen, die ihr erhaltet, bleiben uns verwehrt.  Zugang zu Beratung, medizinischer Versorgung, gerade in Notfallsituationen, werden uns politisch massiv erschwert bis verweigert. Wir haben dieselben „Alltags-Probleme“ in Coronazeiten wie der Rest der Bevölkerung auch, jedoch werden uns die Mittel verwehrt, unsere Herausforderungen eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen. Unser Problem ist nicht die Maskenpflicht und unsere Hörschädigung, sondern Politik und Gesellschaft sich taub stellen und uns alleine lassen, dabei tragen alle Verantwortung in der Kommunikation. Es gibt für alles eine Lösung heutzutage, wir sind Expert*innen und kennen diese, aber werden auf das Finanzielle und „Nötigste“ reduziert und so abgehängt – beruflich, sozial und gesundheitlich sogar gefährdet.

An dieser Stelle ein großes Dank an alle, die keine DGS beherrschen: Für Eure Einsätze in der Kommunikation, an alle, die aufschreiben, wild mit Masken gestikulieren und nicht das Gefühl haben sich zum Clown zu machen oder gar lächerlich.Die um Finanzierungen hart kämpfen, oft mit uns leiden. Danke an alle, die alles daran geben, dass wir ein Teil der Gesellschaft sind und sich gemeinsam mit uns stark machen.

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