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Die Berichterstattung über taube Menschen ist öfter von folgenden und “kreativen” Ausdrücken geprägt: Ohne Worte und Stille. Zuletzt “ein Jahr ohne Worte auf Weltreise” über eine taube Weltenbummlerin. “Jenseits der Stille” ist der bekannteste Film über taube Menschen. Mir fehlen öfter die Worte, wenn ich solchen Ausdruck lese.

Was heißt das Wort genau? Es ist laut Duden ist es eine kleinste selbstständige sprachliche Einheit von Lautung und Inhalt bzw. Bedeutung. Die Gebärdensprache ist voll von kleinsten selbstständigen sprachlichen Einheiten. Es gibt Wörter in der Gebärdensprache. Gebärdensprachen verfügen über ein umfassendes Vokabular und eine eigenständige Grammatik, die zwar anderen Regeln folgt als die Grammatik gesprochener Sprachen. Neben Wörter bestehen Gebärdensprachen auch aus Mimik und Körperhaltung, die grammatikalische Funktionen haben.

Wortlos heißt auch schweigend. Die Gedanken, dass taube Menschen sich wortlos, schweigend und stumm durch die Welt bewegen, stammen aus der Zeit, als die Gebärdensprache linguistisch und politisch noch nicht anerkannt wurde. Linguistische Entdeckung von der Gebärdensprache durch William C. Stokoe jr. erfolgte erst in 1980. Bis sich das durchgesetzt hat, dauerten noch Jahrzehnte. Die Gebärdensprache wurde mal als Pantomime (oder Affensprache) wahrgenommen. Eine Darstellungsform ohne Worte halt.

Heutzutage ist das Unwort “taubstumm” auch noch sehr verbreitet. Sowie “ohne Worte”. Kein tauber Mensch ist auch tatsächlich stumm und wortlos. Jeder tauber Mensch kann kommunizieren – sei es verbal, sei es schriftlich oder in der Gebärdensprache.

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