Anzeige
0
0

Im Unterrichtsausschuss vom Österreichischen Parlament (Nationalrat) in Wien am 9. Juni 2021 wird auf Initiative der Grünen ein gemeinsamer Entschließungsantrag aller fünf Parlamentsfraktionen zur Entwicklung eines kompetenzorientierten, bedarfsgerechten und differenzierten Lehrplans zur Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) unter Einbindung von Expert:innen bis zum Schuljahr 2023/2024 beschlossen.

Seit Österreichische Gebärdensprache (ÖSG) 2005 als eigenständige Sprache anerkannt wurde, gebe es Forderungen nach einem entsprechenden Lehrplan, so der gemeinsame Entschließungsantrag zu diesem Thema.

2016 habe das Bildungsministerium einen solchen Lehrplan beauftragt, der nun vorliege. Die Fraktionen sehen darin aber Mängel, etwa weil er sich ausschließlich an taube Schüler:innen richte und Personen mit Hörbeeinträchtigung nicht berücksichtige, nicht nach dem Hörstatus differenziere und nicht kompetenzorientiert sei. Um eine qualitätsvolle und inklusive Ausbildung aller Kinder zu gewährleisten, brauche es einen bedarfsgerechten Lehrplan für gehörlose Schüler:innen, jene mit Hörbeeinträchtigung und Kinder tauber Eltern. Mit dem einstimmigen Beschluss miterledigt wurde ein Antrag der NEOS, die unter anderem die ihnen zufolge seit 2018 fertiggestellten Lehrpläne ÖGS umgesetzt wissen wollen.

»Der Lehrplan aus dem Jahr 2016 ist ein reiner Sprachlehrplan und bezieht die Österreichische Gebärdensprache nicht in andere Fächer, wie zum Beispiel Mathematik, ein. Genau das ist aber wichtig und notwendig, um umfassend inklusiv ÖGS unterrichtet zu bekommen«, erläutert Heike Grebien, Sprecherin der Grünen für Menschen mit Behinderungen, das Ziel des Antrags.

Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) wird seit 2005 als eigenständige Sprache anerkannt. 2016 wurde seitens des Bildungsministeriums ein Lehrplan für ÖGS an Primar-, Sekundarstufe I und II als Fremdsprache und ÖGS als Erstsprache beauftragt. Dieser zwölf Lernjahre umfassende Lehrplan adressierte jedoch nur Schüler:innen, die ausschließlich Gebärdensprache lernen – also taube Schüler:innen mit ÖGS als Erstsprache. Lautsprachbegleitende Gebärden für Schüler:innen mit Hörbehinderung wurden bisher nicht berücksichtigt. Es wird auch nicht nach dem jeweiligen Hörstatus, sondern nach Lernjahren differenziert. Zudem ist der vorliegende Lehrplan nach Inhalten aufgebaut und nicht – wie im Rahmen des Pädagogikpakets vorgesehen – kompetenzorientiert.

Im Sinne einer inklusiven Bildung verlangt der Entschließungsantrag die Entwicklung eines »kompetenzorientierten, bedarfsgerechten und differenzierten Lehrplans zu ÖGS unter Einbindung des Consulting Boards, von ÖGS-Expert:innen sowie der einschlägigen Stakeholder – insbesondere des Österreichischen Gehörlosenbundes – bis zum Schuljahr 2023/24«.

»Ich freue mich, dass mit diesem umfassenden Antrag bald auch hörende Kinder gehörloser Eltern sowie hörende Kinder hörender Eltern und natürlich gehörlose Kinder einen entsprechenden Lehrplan in ÖGS bekommen werden«, unterstreicht Grebien.

Anzeige
Viaots.at
BildquelleGryffindor

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.