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DAS ZEICHEN ist eine Fachzeitschrift für neueste Ergebnisse aus Forschung und beruflicher Praxis zur Sprache und Kultur tauber Menschen und besteht seit 1987. Ganz neu ist, dass die Fachzeitschrift seit Oktober 2021 nur im digitalen Format auf ihrer Webseite erscheint.

Karin Wempe (65) war von Anfang an dabei und hat bis Ende 2020 für DAS ZEICHEN gearbeitet – von 1987 bis 1993 als Redakteurin und dann bis 2020 als verantwortliche Redakteurin. Von 1996 bis Juli 2021 war sie auch die Geschäftsführerin der GGKG e. V., die als Herausgeberin der Fachzeitschrift fungiert. Seit Juli 2021 übernahm Elena Mpadanes (26) die Geschäftsführung. Im September 2021 stieg Alena Michel (28) mit ins Team der Geschäftsführung und Redaktion ein.

Ein schriftliches Taubenschlag-Interview mit Wempe, Mpadanes und Michel über die neue Entwicklung von DAS ZEICHEN

Taubenschlag: Wie wurde DAS ZEICHEN gegründet?

Karin Wempe (65). 1975–1981 Studium der Fächer Germanistik, Russisch, Erziehungswissenschaften; 1983 Beginn der Tätigkeit für Prof. Dr. Siegmund Prillwitz an der Universität Hamburg (1987 erfolgte die Gründung des Zentrums für Deutsche Gebärdensprache); seit 1987 Redakteurin für DAS ZEICHEN, 1993–2020 als verantwortliche Redakteurin. Außerdem von 1996 bis Juli 2021 Geschäftsführung der GGKG e.V. Derzeit als Korrektorin u.a. für die GGKG e.V. tätig.

Karin Wempe: Die Zeitschrift DAS ZEICHEN wurde im Sommer 1987 auf Initiative von Prof. Dr. Siegmund Prillwitz gegründet. Ziel der Zeitschrift war zunächst, die damals in der breiten, aber auch in der akademischen Öffentlichkeit vorherrschenden Wissenslücken über Gebärdensprache zu schließen und deren Anerkennung voranzutreiben. Finanziert wurde die Produktion des ZEICHENs von Beginn an über die Ende 1986 gegründete Gesellschaft für Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser (GGKG) e. V. und ein Teil meines Stellenbudgets als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum/Institut für Deutsche Gebärdensprache wurde für die redaktionelle Arbeit zur Verfügung gestellt.

Wie hat sich DAS ZEICHEN seit seiner Gründung bis heute verändert? Was waren die größten Veränderungen?

Wempe: Die größte Veränderung nach außen war sicherlich das durch die Grafikerin Katrin Hinrichs-Woitas entwickelte Layout im Jahre 1994, das dem ZEICHEN zu einem Outfit verhalf, was sich sehen lassen konnte. 2006 entwickelte sie einen Relaunch, der bis 2020 Bestand hatte. Die größte Veränderung nach innen war eine parallel zur zunehmenden Anerkennung der Gebärdensprache laufende Veränderung der Ausrichtung: Während der ersten Jahre lag der Fokus auf der Aufklärung der fachlichen und nicht fachlichen Öffentlichkeit. Über manchem Heft schwebte entsprechend das Mantra: Gebärdensprache ist eine Sprache, eine Sprache, eine Sprache. Sehr viel spannender wurde es ab dem Moment, als eine derartige Überzeugungsarbeit immer weniger vonnöten war und der redaktionelle Fokus sich zunehmend auf die verschiedenen Fachdiskurse der beteiligten Disziplinen konzentrieren konnte.

Alena Michel: Eine weitere einschneidende Veränderung ist sicherlich der im letzten Jahr angestoßene Digitalisierungsprozess. Das ZEICHEN als Online-Zeitschrift bietet ganz neue Möglichkeiten, z. B. auch verstärkt DGS-Artikel zu publizieren und so nicht nur Rezipierenden, sondern auch tauben Autor*innen eine vielfältigere Plattform für die Veröffentlichung ihrer Forschung zu bieten.

Wie arbeiten Sie zusammen? Wie haben Sie die Übergabe vorbereitet?

Elena Mpadanes (26). Geboren und aufgewachsen in München; 2013 Abitur am Michaeli-Gymnasium München; 2013 Umzug nach Wien; 2016 Bachelor of Arts an der Universität Wien im Fach Sprachwissenschaft (der Besuch des Moduls „Grundlagen der Österreichischen Gebärdensprache“ weckte mein Interesse am Fachgebiet); 2017 Beginn des Masterstudiums im Fach Gebärdensprachen an der Universität Hamburg; Abschluss November 2020; November 2020 bis Juli 2021 Projektleitung bei der yomma GmbH; seit November 2020 Mitarbeiterin der Geschäftsstelle der GGKG e.V. und der Redaktion von DAS ZEICHEN; seit Juli 2021 Geschäftsführerin der GGKG e.V.

Elena Mpadanes: Aufgrund der Corona-Pandemie erfolgte meine Einarbeitung durch Karin primär digital über Zoom. Kleinere Themen oder Rückfragen wurden ggf. per E-Mail oder Messenger geklärt. Wir haben neben dem Kontakt im allgemeinen Arbeitsalltag regelmäßige Meetings vereinbart, um uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen und anstehende Themen zu besprechen und zu planen. Trotz der Distanz erfolgte die Einarbeitung ohne Probleme und hat in meinen Augen auch für einen guten und schnellen Austausch gesorgt.

Da ich bereits im November 2020 (sprich acht Monate vor der offiziellen Übergabe der Geschäftsführung) zum GGKG e. V.- Team dazugestoßen war, hatte ich ausreichend Zeit, mir alle Abläufe etc. von Karin zeigen zu lassen und in Zusammenarbeit mit ihr und dem Vorstand die Digitalisierung rund um DAS ZEICHEN einzuleiten.

Michel: Im September 2021 habe ich das Team der Geschäftsführung und Redaktion komplett gemacht. Auch hier liefen/laufen Einarbeitungsprozesse überwiegend über digitale Formate. Elena und ich versuchen aber, uns in regelmäßigen Abständen off-screen zu treffen, um gemeinsam an komplexeren Themen zu arbeiten. Natürlich haben wir den Vorteil, dass wir beide in Berlin wohnen, was die Zusammenarbeit in Präsenz (vor allem während der andauernden Pandemie) deutlich erleichtert.

Wir sind beide sehr froh, dass Karin uns als Korrektorin für DAS ZEICHEN erhalten bleibt, und wir bei Bedarf auf ihre Expertise zurückgreifen dürfen.

Frau Mpadanes, sind Sie auch für die Inhalte von DAS ZEICHEN sozusagen als „Chefredakteurin“ verantwortlich?

Mpadanes: Die inhaltliche Verantwortung für die Beiträge in DAS ZEICHEN liegt ab DZ 117 beim Vorstand der GGKG e. V. Dieser erhält wiederum Unterstützung durch den wissenschaftlichen Beirat.

Ab wann genau wird die Fachzeitschrift DAS ZEICHEN in einem digitalen Format erscheinen?

Mpadanes: DAS ZEICHEN wurde am 01. Oktober 2021 zum ersten Mal auf der fertiggestellten DZ-Homepage veröffentlicht. Seitdem können Mitglieder, die bereits bisher veröffentlichten und die neu erschienenen Artikel dort selbstständig über einen Mitgliederzugang aufrufen sowie herunterladen.

Wie genau schaut das digitale Format aus?

Alena Michel (28). Abitur 2012; 2013-2014 Studienjahr an der Ludwig-Maximilians-Universität München im Fach „Prävention, Inklusion und Rehabilitation von Menschen mit Hörschädigung“ (BA PIR); 2014 Studienwechsel: 2014-2017 BA- Studium „Deaf Studies“ an der Humboldt-Universität zu Berlin (mit Auslandssemester an der Auckland University of Technology in Auckland, Neuseeland, im Bereich Deaf Studies und NZSL); 2018-2021 MA „Gebärdensprachdolmetschen“ an der Humboldt-Universität zu Berlin; 2019 bis September 2021 Projektleitung bei der yomma GmbH, seit September 2021 Mitarbeiterin der Geschäftsführung der GGKG e.V. und der Redaktion von DAS ZEICHEN sowie freiberuflich arbeitende Gebärdensprachdolmetscherin in Berlin und Umland.

Michel & Mpadanes: Alle kommenden Beiträge werden auf der zuvor erwähnten DZ-Homepage eingepflegt und sind für die Mitglieder der GGKG e. V. über einen Mitgliederzugang sowohl online lesbar als auch herunterladbar. Im Moment arbeiten wir, neben der Vorbereitung der nächsten Ausgabe, vor allem daran, das Archiv der Webseite nach und nach mit bereits veröffentlichten ZEICHEN-Artikeln zu füllen, die dann allen Mitgliedern ebenfalls zum Download zur Verfügung stehen. Da die Autor*innen zunächst ihre Zustimmung für die digitale Veröffentlichung geben müssen, wird es bei knapp 1.400 zu kontaktierenden Autor*innen bis zur finalen Vervollständigung wohl noch etwas dauern. Wir geben aber unser Bestes, damit dies so schnell wie möglich geschieht. Wir möchten alle bisherigen und zukünftigen Autor*innen dazu ermutigen, neben dem schriftsprachlichen Text auch eine Artikelzusammenfassung (oder den kompletten Text) in DGS zur Verfügung zu stellen. Die Videos erscheinen zusammen mit dem Text in der Online-Ansicht. Die Artikel mit DGS-Videos sind auf der neuen Homepage entsprechend gekennzeichnet.

Durch das digitale Format ist es für uns auch leichter, andere DGS-Inhalte anzubieten, bspw. aktuelle News oder Empfehlungen zu aktuellen Artikeln.

Wie entscheiden Sie, was veröffentlicht wird?

Mpadanes: Die Entscheidung darüber, welche Artikel veröffentlicht werden und welche nicht, wird durch ein gemeinsames Votum des Vereinsvorstands und des wissenschaftlichen Beirats getroffen. Über die Veröffentlichung wird jedoch erst dann final entschieden, wenn ein Manuskript vorliegt und der vollständige Inhalt des Beitrags ersichtlich ist.

Was ist genau die Aufgabe vom wissenschaftlichen Beirat, der die Redaktion von DAS ZEICHEN unterstützen wird?

Michel & Mpadanes: Der wissenschaftliche Beirat wurde vom Vorstand der GGKG e. V. einberufen, um diesen bei der Artikelakquise und -auswahl zu unterstützen. Dabei formulieren die Beiratsmitglieder für die entsprechenden Artikel ein erstes inhaltliches Feedback, sodass die Autor*innen die Texte entsprechend bearbeiten können. Wir (Elena und Alena) koordinieren den Austausch und die Bearbeitung der Artikel und wirken quasi als Bindeglied zwischen den Autor*innen und dem wissenschaftlichen Beirat.

Frau Wempe, wie hat sich die Arbeit bei DAS ZEICHEN auf Sie und Ihren Lebensweg ausgewirkt?

Wempe: Hätte es ab 1987 für mich nicht die Möglichkeit gegeben, Teil der Redaktion zu sein und dann ab 1993 auch die Verantwortung für die Zeitschrift zu übernehmen, wäre ich wahrscheinlich nicht mein ganzes Berufsleben über am Institut für Deutsche Gebärdensprache geblieben. Insofern hat die Zeitschrift eine immense Auswirkung auf meinen beruflichen Lebensweg gehabt. Ich hatte in der Ausformung meiner Tätigkeit jegliche Freiheit und es hat mich immer wieder – 116 Hefte lang – von Neuem begeistert, jede einzelne Ausgabe von der allerersten Minute der Konzeptionierung bis zur Abgabe der Druckvorlage maßgeblich zu gestalten und hierbei immer wieder Neues lernen zu können – sei es im Kontakt mit den zahllosen Autor*innen, sei es in produktionstechnischer Hinsicht, sei es in der Zusammenarbeit mit verschiedenen Dienstleister*innen.

Was motiviert Sie persönlich daran, für DAS ZEICHEN zu arbeiten, Frau Mpadanes?

Mpadanes: Die Arbeit für die GGKG e. V. und damit auch für DAS ZEICHEN bringt eine Fülle an verschiedenen Arbeitsbereichen mit sich. Neben den verschiedenen Herausforderungen und Freuden, die meine Tätigkeit birgt, werde ich von dem Wissen motiviert, dass meine Arbeit einen wahrnehmbaren Beitrag in einem Bereich leistet, der bis heute weiterhin mehr Sichtbarkeit einfordert. Ich möchte die Möglichkeit, am Zugang zu Inhalten rund um den Bereich Gebärdensprachen mitzuwirken, wahrnehmen und die Verbreitung von gebärdensprachlichen Inhalten im Zuge meiner Vereins- sowie Redaktionsarbeit fördern. Zusätzlich arbeite ich mit einem tollen Team zusammen und habe darüber hinaus die Chance, Kontakte zu neuen, interessanten Personen zu knüpfen und in den Austausch zu gehen. Die Freude auf das, was mich noch auf diesem Weg erwartet, motiviert mich selbstverständlich auch.

Welche Projekte stehen in nächster Zeit an?

Michel & Mpadanes: Derzeit sind wir mitten in der Umstellung auf das digitale Format von DAS ZEICHEN, was ein großes Projekt ist, das auch jetzt nach dem Erscheinen von DZ 117 noch viel Arbeit verlangt. Nach der Veröffentlichung der Ausgabe 117 und dem damit einhergehenden Launch der neuen Webseite sind im Moment vor allem kleinere Optimierungsarbeiten am Layout und den Funktionen der Webseite, die Erstellung einer mobilen Webseitenversion und (wie oben bereits erwähnt) das Füllen des Archivs wichtige und zeitintensive Aufgaben in der Redaktion. Darüber hinaus strukturiert sich der wissenschaftliche Beirat und parallel läuft die Produktion von DZ 118. Einige unserer Leser*innen erinnern sich vielleicht daran, dass für März 2020 ein erster GGKG-Fachtag angesetzt war. Dieser musste leider aufgrund der Corona-Pandemie bis auf Weiteres ausfallen. Sobald es die Umstände erlauben, wird die Durchführung des Fachtags aber wieder in Angriff genommen. Bleiben Sie also gespannt!

Wie ist DAS ZEICHEN in der Gehörlosengemeinschaft verankert? Wie können Sie das noch verbessern?

Mpadanes: Wir wissen, dass DAS ZEICHEN für viele taube Menschen nicht leicht zugänglich ist, wie es leider bei fast allen wissenschaftlichen Outlets der Fall ist. Wir sind froh, mit dem jetzigen Team und mit der digitalen Umgestaltung einiges daran ändern zu können. Die Homepage von DAS ZEICHEN soll möglichst barrierearm sein und nach und nach mit DGS-Videos ausgestattet werden, die relevante Informationen in gebärdeter Form zugänglich machen. Außerdem ist es unser Ziel, auch die Artikel aus DAS ZEICHEN (besonders die zukünftigen) mit DGS-Versionen auszustatten, indem wir z. B. unsere Autor*innen ermutigen, DGS-Versionen zu erstellen. Wir achten auch darauf, dass blinde und sehbeeinträchtigte Menschen die Homepage möglichst vollständig und komfortabel nutzen können.

Des Weiteren bietet die GGKG e. V. neben (finanziellen) Förderungsmöglichkeiten von Nachwuchsprojekten auch die Option der Förderung weiterer Initiativen (Veranstaltungen etc.) aus der Gebärdensprachgemeinschaft. Bei der Entscheidung über Förderanträge ist für uns eine diverse Besetzung des Projektteams und ein echter Nutzen für die Community besonders wichtig.

Wir wissen, dass noch viel zu tun ist, aber wir sind optimistisch und freuen uns über Input!

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten, was würden Sie sich für DAS ZEICHEN wünschen?

Wempe: Viele, viele Rezipient*innen, die gleichzeitig auch Mitglied der GGKG e. V. sind!

Mpadanes: Dass weiterhin viele interessante Texte eingereicht werden und wir in naher Zukunft möglichst viele davon auch in DGS veröffentlichen können.

Michel: Mit dem neuen digitalen Format und den damit verbundenen Möglichkeiten DAS ZEICHEN nicht nur moderner, sondern auch zugänglicher und vielfältiger zu gestalten.

Taubenschlag: Wir danken Ihnen für dieses Interview!

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