Durch den Titel sollte schnell klar werden, dass es sich um ein Buch über Spätertaubte handelt – die Oma von Suki nämlich, hörend durchs Leben gegangen, hört immer schlechter. Aus der Perspektive des Enkelkinds Suki erzählt Johanna Trunte in diesem von Hilde Biedermann gestalteten Bilderbuch, was Schwerhörigkeit bedeutet.
Es ist also von Anfang an klar, dass dieses Buch nicht aus der sign language first-Perspektive erzählt wird. Manch einer Taube mag das sauer aufstoßen, aber auch das ist gelebte Realität: Alte Menschen, die ertauben und sich für ein CI entscheiden. Das Buch deutet Risiken der Operation nur ein bisschen an, aber gut, es handelt sich inzwischen um eine Standard-OP. Und Sukis Oma wird sich vorab gut informiert haben. So genau wird der Entscheidungsprozess nicht beschrieben. Vielleicht ist es aber für Ältere ohne Bezug zur Gebärdensprache auch einfach keine Frage. Wieder hören wollen, das ist das Ziel.

Trotzdem – oder gerade deswegen – hat der Ankerwechsel-Verlag das Buch durch ein Sensitivity Reading geschickt. Zuständig war dafür die Schauspielerin und Deaf Performerin (nebenher auch Teil des DGB-Vorstandsteams) Cindy Klink. Vermutlich ist das Resultat ein ausführlicher Teil im Anschluss an die eigentliche Geschichte, in dem DGS ausführlich erklärt wird, kinngerecht formuliert und in wertschätzender Sprache gehalten. So sehr, dass man sich ein bisschen über den Graben zwischen persönlicher Erzählung und theoretischem Überbau wundert. Für die Oma ist Gebärdensprache schlichtweg irrelevant, sie ist nicht die Zielgruppe. Trotzdem erfordert das Thema eine gewisse Waffengleichheit und so schafft es das Buch, zwei Realitäten abzubilden. Lautsprachorientierte Schwerhörigkeit kommt zu Wort und Gebärdensprache wird ausgiebig ausgeleuchtet.
Was man bemängeln könnte, ist, dass einmal wieder die behinderte Person eine sekundäre Rolle hat, obwohl es sich um das Hauptthema hat. Auch die Autorin und Illustratorin sind selber nicht direkt betroffen, sondern durch betroffene Angehörige davon inspiriert worden, bzw. zum Nachdenken angeregt worden. An und für sich lobenswert, aber besser noch wäre eine Geschichte, die aus der Perspektive von Betroffenen und am besten von selbst betroffenen Personen erzählt wird. Auch die möglichen Risiken und Nebenwirkungen einer Implantation werden nicht ausgeleuchtet. Das ist schade.
Trotzdem ist es ein liebevoll gestaltetes Buch, das auf einfühlsame Weise Kindern näherbringt, was Hörbehinderung bedeutet. Ein toller Einstieg, um danach vielleicht auf andere Weise tiefer ins Thema einzutauchen.
„Omas Ohren können nicht hören“ direkt beim Verlag bestellen (Veröffentlichung 1. Oktober 2026) oder einfach in deiner nächsten Buchhandlung.



















