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In einem Pilotprogramm bei dem NYPD, der Polizeibehörde in der Stadt New York, sollen künftig Polizisten immer einen Gebärdensprachdolmetscher dabei haben ­­— allerdings nur in 2D-Form.

In den drei teilnehmenden Polizeibezirken werden Beamte Tablets erhalten, mit denen sie jederzeit Kontakt mit einem Gebärdensprachdolmetscher aufnehmen können, wenn keiner persönlich anwesend sein kann.

In New York City befinden sich mehr als 200.000 Taube und Schwerhörige und es gab schon mehrere Gerichtsverfahren wegen gescheiterter Kommunikation zwischen Polizisten und Gehörlosen.

2009 hat sich das NYPD verpflichtet, ihren Umgang mit Gehörlosen zu verbessern. Spezielles Training wurde versprochen, so wie auch ein 24 Stunden verfügbarer Zugang zu Dolmetschern.

Doch 2011 hat die in Staten Island wohnende Diana Williams durch einen Relay-Dienst die Polizei gerufen, damit sie ihr hilft, einen Mieter aus ihrer Wohnung zu verweisen. Obwohl die anwesenden Polizisten eine Bemerkung hätten sehen müssen, dass sie taub ist, hatten sie keinen Dolmetscher dabei, und anstatt einen zu vermitteln, haben sie Williams verhaftet und mehr als 24 Stunden fest gehalten.

Aus Panik hat sie die Buchstaben HOSP im Staub am Fenster des Polizeiautos gezeichnet, weil sie dachte, wenn sie ins Krankenhaus kommen würde, hätte sie da wenigstens einen Dolmetscher. 2015 hat sie wegen unrechtmäßiger Verhaftung geklagt und zur Abgeltung 750.000 US-Dollar bekommen.

Das ist kein Einzelfall. Nach einem Autounfall im Jahre 2013 wurde Tanya Ingram verhaftet, nachdem sich die Polizisten vor Ort geweigert hatten, einen Dolmetscher zu besorgen. Die Beamten sollen sie auch mit Gesten nachgeahmt haben. Sie bekam 2016 eine Entschädigung in Höhe von 80.000 US-Dollar.

Die in New York basierte Deaf Justice Coalition (DJC), von dem sich das NYPD in der Planung des Programms beraten ließ, hat gesagt, Ferndolmetschen per Tablet sei ein guter Anfang, doch es müsse mehr getan werden. „Wir sollten nicht als Bürger zweiter Klasse behandelt werden, vor allem nicht von der Polizei“, sagte Chris Tester, Mitglied der DJC. „Aber so ist es, wenn wir keine Möglichkeit haben, uns mit den Gesetzeshütern zu verständigen. Es ist erniedrigend.

Nach der Pilotphase soll das Programm auf das ganze NYPD ausgeweitet werden.

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