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Auf Instagram gab Laura M. Schwengber heute am Mittwoch, 25. März 2020 mit folgenden Worten bekannt, dass sie sich vom Musikbereich zurückzieht:

Danke und Auf Wiedersehen.

Liebe Freund*innen, Liebe Kulturschaffende,
liebe Fans von Musik und Gebärdensprache,

in diesem Posting geht es ausnahmsweise nicht um Corona 🙂

Viele von Euch schreiben mir gerade, dass ich doch gerade jetzt viele Musikvideos gebärden soll. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um Euch eine Sache mitzuteilen, die mir schon länger auf dem Herzen liegt.💔 Seit 2011 begleitet ihr mich auf Festivals, in spannende Gespräche, zu Lobbyarbeit in der Musikbranche und auf Musikveranstaltungen, die oft noch nie etwas mit Barrierefreiheit zu tun hatten. Ohne Euch alle hier wäre mein Weg bis hierhin niemals möglich gewesen. Nur mit und für Euch allen konnte ich alle meine Arbeit in den letzten knapp 10 Jahren so leisten. Ich weiß das sehr zu schätzen.

DANKE! 🙌🖤🤟 Ihr habt es alle mitbekommen: Seit einiger Zeit begleitet das „Musikdolmetschen“ und damit direkt auch dieser Teil meiner Arbeit eine ziemlich heiß geführte Debatte, unter anderem, ob hörende Personen die Gebärdensprache in der Öffentlichkeit repräsentieren dürfen.
Mir gegenüber wird die Debatte nun seit über einem Jahr sehr persönlich, undifferenziert und emotional, teilweise sogar aggressiv, geführt. 😞
Sollte meine Arbeit eine taube Person machen? Ist meine Arbeit kulturelle Aneignung? Und wie sehr muss eine Dolmetscherin auch privat Teil der Sprachcommunity sein, für die sie arbeitet? Wie prägt mein öffentliches Auftreten das Berufsbild von anderen Dolmetschenden? Sollten Dolmetschende z.B. überhaupt eine Facebookseite haben? Hat meine Ausbildung mich ausreichend auf meine spätere Arbeit vorbereitet? Versteht man „Musik in Gebärdensprache“ überhaupt? Warum stehen keine tauben Performenden auf der Bühne? Und darf ich mich überhaupt über den Erfolg meiner Arbeit freuen? 😕 

Zeitgleich zu diesen Prozessen bildete sich eine engagierte Gruppe Aktivist*innen, die über Wochen hinweg systematisch Kritik an meiner Arbeit übte. Das reichte von Protesten auf einem Konzert, über eine wochenlange SocialMedia-Kampagne “Deaf Performance Now”, die weit über die grundsätzliche Kritik am Mangel von tauben Performenden hinaus ging. 🙇‍♀️
Neben der gewiss wertvollen Aufklärungsarbeit dieser Gruppe, verunsicherte das aber auch viele Veranstaltende hinsichtlich ihrer Angebote für taube Gäste. Der deutliche Appell mit tauben Performenden zu arbeiten zeigte sich in der Praxis als nicht unmittelbar umsetzbar, da es kaum erprobte Formate hierzu gab. 🙇‍♀️! Weiterhin mit mir und meinem Team zu arbeiten wurde von den Veranstaltenden verunsichert in Frage gestellt, was zu einem deutlichen Rückgang unserer Angebote für taube Besucher*innen sorgte. 💔
Die Kampagne der Aktivist*innen führte aber leider nicht dazu, die Präsenz von tauben Performenden zu fördern. 😞 📧📧📧 Zuletzt erhielten alle meine Kooperationspartner*innen eine bundesweit verschickte, anonyme Mail mit der eindeutigen Aufforderung, sich gut zu überlegen, ob und wie sie auf Veranstaltungen mit Gebärdensprache und speziell mit mir arbeiten wollen. Der Tropfen der Fass zum Überlaufen brachte … 🤯😓

Ich finde keine Möglichkeiten mehr, das alles auszuhalten und konstruktiv damit umzugehen. Ich habe noch lange vor diesem Peak versucht Verbände der Gehörlosen und Verbände der Dolmetschenden in diese besorgniserregenden Entwicklungen einzubinden. Doch Gespräche, zu denen ich eingeladen wurde, wurden nicht objektiv moderiert – oder man traf sich einfach gleich ohne mich und redete nur über mich. 🤷‍♀️ Gespräche verliefen im Sande, vertrauliche Inhalte wurden nach außen getragen und falsche Behauptungen wurden in Interviews verbreitet. Der Diskurs läuft mittlerweile undemokratisch gelenkt, mit emotionalisierender Wortwahl und der bewussten Ausblendung anderer Perspektiven. 🙇‍♀️ Ich bin müde. Meine Fans sind müde. Meine Kapazitäten schwinden und ich schaffe es nicht länger, alles gleichzeitig zu tun: Die Musikbranche motivieren, mein wachsendes taub/hörendes Team zu schützen, meine eigene Qualität zu erhalten, ständige Falschbehauptungen richtigzustellen und konstruktiv mit dieser anstrengenden Form der Debatte umzugehen. Ich trage Verantwortung und dieser möchte ich gerecht werden. 🤞

Was mir wichtig ist: Das hier ist kein „Tschüss“, das ist ein „auf Wiedersehen“. Ich bleibe hier, ich bin am Start und ich freue mich auf viele tolle Dinge abseits der Livemusik-Bühnen mit Euch. 💪💋💔 Danke für Euren treuen Support. Ganz viel Liebe dafür 🤟🎶
Für Euch arbeite ich gerade noch an einer Überraschung 💝

Liebe Kritiker*innen, die das hier sicher auch lesen: Ich unterstütze nach wie vor Eure Anliegen und hätte viele Eurer Ziele gerne unterstützt. Dazu hätte ich mir etwas mehr Geduld und Respekt im Umgang mit mir gewünscht.

Laura M. Schwengber
#DieMitDenHändenTanzt

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