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Gewöhnlich schaue ich Nachrichten an, bevor ich schlafen gehe. Doch aktuell verursachen sie Alpträume. Die Erde brennt, die Menschen schießen, der Winter solle schwierig werden. Instagram ist jetzt aber auch ein hässlicher Ort geworden. Ein digitaler Schauspielplatz des Krieges. Jede und jeder kommt zu Wort. Doch, dass die Worte auch Waffen sind und verletzen, oder gar töten können, wird unterschätzt.

Lasst uns die Protagonisten von dem Schauplatz anschauen.

Da ist ein Mann, der einen Kampf erklärt hat. Er will für Gehörlose ein gutes und gerechtes Leben. Mit Barrierefreiheit. Mit voller Teilhabe im Leben. Er hat eigene Visionen wie diese Teilhabe aussehen soll, er spricht sich nicht mit allen ab. Er hat eigene Wege für seinen Kampf, er führt ihn – gegen System, gegen diese lahmende Bürokratie, gegen das Unrecht. Sind seine Methoden richtig? Und was ist mit seinen Weggefährten? Der Zweck heiligt die Mittel – lässt man es gelten?

Hinter sich hat er einen großen „Fan-Club“. Sie sind froh und dankbar, dass jemand sie versteht. Ihnen zuschaut. Ihre Sorgen ernst nimmt. Und ihnen eine Stimme gibt.

Schauen wir uns diesen „Fan-Club“ genauer an. Es ist nicht meine Wortschöpfung. Ich zitiere es bloß. Sah die Bezeichnung irgendwo im Kommentar. Viele von denen erleben jeden Tag Barrieren. Manche schon in eigener Familie. Ich lernte eine Frau von dem Fan-Club kennen. Ihre hörenden, erwachsenen Kinder sind von der Mutter genervt. Für den Haushalt in ihren Wohnungen ist sie aber nützlich genug. Auf den Familienfeiern sitzt sie einsam am Ende des Tisches und selbst ihre Enkel machen einen Bogen um sie. Ein weiterer Fan hat mit seinen 45 neun Arbeitsstellen und mehrere Depressionen hinter sich. Die Kolleginnen und Kollegen behandeln ihn jedes Mal wie den Menschen zweiter Klasse und er wehrt sich bis zur nächsten Kündigung. Da ist ein Schüler, dessen Lehrer nicht gebärden können und er den Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“ bekommen hat. Seine in Gebärden gut ausgedruckte Empörung lässt nur erahnen, wie fehl diese Diagnose war. Da ist eine Frau, die von der Schwerbehindertenvertretung und IFD (übrigens nicht gebärdensprachkompetent) dazu gedrängt wurde, ihre Kündigung zu unterschreiben. Keine Abfindung, drei Monate kein Hartz IV und bis heute arbeitslos. Für Aufzählung aller Schicksale ist hier kein Platz. Sie alle haben eine Geschichte auf dem Buckel. Sie sind wütend. Sie sind frustriert. Und sie brauchen Hoffnung und Beistand. Und dann kommt da ein – von mir aus „Gott“ – aus heiterem Himmel und macht Hoffnung. Er kämpft für ihr Anliegen. Jede Beleidigung und jeder Zeigefinger strecken gegenüber diesem Gott ist Zerstörung ihrer Hoffnung und gleicht einer Gotteslästerung. Und dann kommt ein sehr „sachliches“ Video einer weiteren Protagonistin auf diesem Schauspielplatz in dem „Du, du du“ gebärdet wird. Die Angriffe werden als Fragen verschleiert. Sachlichkeit als Schutzwappen. Jede Wunde an unseren Mann, ist die Wunde an die Menschen, die täglich mit Barrieren zu kämpfen haben. Sie verteidigen ihn, verteidigen sich. Die Methoden mancher Protagonisten gleichen den Schlägen unter der Gürtellinie.  Personen werden namentlich genannt und beleidigt. Es wird gedroht und gewütet. Hate Speech von feinster Sorte. Die anderen sind traurig, zermürbt und enttäuscht. Appellieren sie und ihren Held in Ruhe zu lassen und ihren Kampf weiter machen zu können.

Wie viel Diplomatie und Sachlichkeit kann man bei den traurigen Biografien eigentlich erwarten? Darf man die Rechtfertigungen trotzdem gelten lassen? Wo ist die Grenze?

Ihre Kommentare (sowie ihr Deutsch) werden belächelt. Das macht sie wütend! Ihre Videos werden als aggro und niveaulos abgetan. Von wem? Hier komme ich auf die weitere Nebendarstellern diese Schauspielplatzes zu, die eigentlich gar nicht bei dem ganzen Krieg mitmachen wollen. Die Privilegierten, die eine bessere Situation haben. Die, deren Alltag vielleicht komplett in Gebärdensprache stattfindet. Die in einer geschützten Nische sind. Die, die guten Kompetenzen in der Schriftsprache haben. Die, die eigene Rechte kennen und wissen, welche Hebel sie drücken müssen. Die, die eine Beschwerde verfassen können. Die, die gut vernetzt sind, sowohl in der Welt der Tauben, als auch der der Hörenden. Ungewollt werden sie durch ihre Zurückhaltung und Schweigen auch zu den auffälligen Unauffälligen. Man ist wütend auf sie – für Nichtstun.

Was wird von denen erwartet? Erwartet man von ihnen Unterstützung? Sollen sie Allies sein? Ihre Privilegien zum Wohl der Allgemeinheit einsetzen? Und wenn sie mit den Mitteln nicht einverstanden sind? Oder reicht es, wenn sie sich ihren Privilegien bewusst sind und nicht von oben herab alles bewerten?  Manche von denen haben eigene, kleine Ziele.  Gebärdensprache in Instagram sichtbar machen. Mit aufklärenden Gebärdenvideos gegen Barrieren in Schriftsprache kämpfen. Mehr Untertitel bei den privaten Sendern. Was sind diese kleinen Schritte wert? Ist es besser, unser Held mit Kopf gegen Wand schlagen zu lassen und auf einmal ein ganzes Paket an Barrierefreiheit serviert zu bekommen?

Und da ist noch eine weitere ungewollt gewordene Hauptdarstellerin mit ihrem vielleicht unbewusst spaltenden Artikel von DGZ. Da weht ein ganz frischer Wind in der Zeitung. Betrachten wir das alles aus der journalistischen Perspektive. Die Zeitung hat das Ziel eine breite Masse zu unterhalten. Der Artikel ist spannend aufgebaut und ist pikant mit Fakten, die ja aus der Wirklichkeit entnommen sind. Durch den Vergleich von bestimmten Fakten (Bsp. Personenanzahl bei der Demo) oder Auswahl der Zitate kann der Text eine gewisse Position einnehmen. Liest man nicht immer das, was man sehen will? Liest man den Artikel mit den Augen des Fan-Clubs, so fehlt hier aus ihrer Sicht die Wertschätzung ihres Kampfes. Hätte der Artikel unseren Kämpfer zum Helden machen sollen? Verdient die junge Journalistin das ganze Mobbing? Kommt der Frust der Menschen an falscher Stelle raus?

So viele Darsteller und Darstellerinnen und nur ein Schauplatz. Und plötzlich ist da die Spaltung! Und das bei dem „gleichen“ Ziel unserer Gemeinschaft. Barrierefreiheit und gleiche Rechte und Teilhabe in der Gesellschaft für alle.

Ich plädiere um Nachsicht. Ich plädiere um ein gegenseitiges Verständnis. Ich bitte um gewaltfreie Kommunikation. Ich bitte eigene Privilegien zu überprüfen, auch wenn es schwer sein soll. Eigene Sprache. Eigenes Tun. Nächste Menschenliebe. Ich bitte um eine Gesellschaft, die Menschen erlaubt Fehler zu machen und die Möglichkeit gibt, daraus zu lernen. Ich bitte um eine Welt ohne gegenseitiges Zerfleischen. Denn die Worte – sie verletzen! Die schlechten Nachrichten im Fernseher reichen vollkommen aus! Denn der nächste Winter kommt bestimmt.

Ich bitte um schöne Insta-Bilder, wo die zufriedenen tauben Menschen auf Ibiza Urlaub machen – 1185 € wert, Vater-Gott sei dank.

PS: Ich konnte mir den letzten Satz einfach nicht verkneifen. Mir sei verziehen. Insta-Bilder mit zufriedenen Menschen, die keine Barrieren kennen, sind natürlich noch besser.

Gez.: Eva

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BildquelleGajus-Images / envato elements

17 Kommentare

  1. Schön geschrieben, aber „das macht sie wütend“ ist mir neu. 😉
    Und wenn meine Fragen als Verschleierung eines Angriffs gesehen werden, dann würde ich ja schon gerne mal wissen, ob das jetzt eine bewusste Unterstellung von Eva ist, weil sie selber zur Fanbase gehört? Manchmal muss man eben auch mal die rosarote Brille abnehmen. Wenn ein Alleingänger meint, von uns allen sprechen zu müssen, dann sehe ich durchaus ein Recht, gewisse Dinge zu hinterfragen. Und ein Mann, der jahrelang Politik gemacht hat, sollte doch mit Kritik umgehen können und sich nicht hinter einer Person verstecken, die für ihn spricht, andere beleidigt, Kontakt abbricht, zurückkommt, Videos postet und wieder löscht. Und nein, seine Mehrfachbehinderung ist keine Ausrede. Er wollte es alleine machen. Die Behinderungen standen ihm nie im Weg.

  2. Dürfen nur Leutr lesen, die diesen Schreibstil versteh können, gedacht wurde HIER nicht an Gebärdensprache?! Sollte der Inhalt nicht selbstverständlich in DGS geschildert werden? Barrierefreit in Kommunikation ist hier auch nicht vorhanden! Ist Taubenschlag für Gehörlose? Wenn ja, dann bitte immer DGS- Video, es ist unsere Muttersprache 🙏

    • Hallo liebe Britta,
      Der Taubenschlag ist doch eine Zeitung oder zählt im weiteren Sinne zu den Printmedien wenn mich nicht alles irrt.
      Ja der Artikel ist anspruchsvoll geschrieben aber der Deutschen Sprache sollte man mächtig sein!
      Und ja … genau das ist eines der Probleme ….
      LG Gerd

  3. Der Artikel klingt so, als ob der Autorin jedes Mittel durch die Anhänger des Helbing zum Zweck heiligt. Die Autorin ist nicht neutral.

  4. Fakt ist:

    wir leben in einer Demokratie
    wir leben in einer vielfältigen Gesellschaft, auch Gebärdensprachcommunitys
    Deutschland hat die Behindertenrechtskonvention (UN-BRK), ratifiziert, Menschen mit Behinderungen haben (Menschen-)Rechte
    wir lieben unsere Kultur, Sprache, usw. das bedeutet aber nicht, dass wir alle gleich an Zielen sind, gleiche poltische Strategien gehen müssen
    wir sehnen uns alle, nach Menschenrechten und kämpfen dafür
    welche Wege für den Kampf gegangen werden kann, das steht allen Menschen offen

    Problem ist
    Community definiert “Solidarität” als Gleichmachereich, alle müssen, sollen gleiche Ziele haben, bedeutet alle müssen gleich denken, alle sollten einverstanden bei egal was getan wird wo “Taub/Gehörlos” drauf steht
    Gleichschritt, Gleichmacherei, das alles funktioniert aber nicht, weil wir eben, genau, wie die gesamte Gesellschaft, vielfältig sind
    in diesem speziellen Fall ist nochmal ein Problem, dass sich selbsternannte (hier schwerhörige) sich über die Community erheben, indem behauptet wird, die Community habe zu wenig Wissen, also schreiben sie sich selber die Rolle der “Wissensvermittlenden/Erziehenden” zu,, nennt sich im Englischen “Hearing Savior”, diese Haltung ist unbewusst anerzogen und wird weiter gegeben, wird verpackt in “Sachlichkeit”, angebliche “Neutralität” und natürlich meine man “es gut”, alles garniert mit einer ordentlichen Portion von Schwerhörigen die ohne Ende Othering provozieren. Dabei wird auch unterschwellig Dankbarkeit, so wie es die gesamte Gesellschaft tut, erwartet, wenn sie behinderten Menschen hilft. Bekommt Schwerhöriger oder Hörender Mensch keine Dankbarkeit, dann wird ganz gerne auch auf die Opferrolle eingenommen, ganz ungeachtet davon, dass die Community klar zeigt, dass diese Helfer-Rolle von Schwerhörigen/Hörenden nicht wünschen wird. Am Ende wird sich darüber beklagt, dass Hass entgegenschlägt, weil Community müsse doch endlich verstehen, dass alles nur zu ihrem Besten dient. Teufelskreislauf, in dem alle reflektieren müssten.

    Was also tun?

    Die Community ist eine vielfältige Gemeinschaft.
    Alle Gruppen, einzelne Menschen, etc. dürfen ihre Wege gehen für politische Kämpfe. Das hat das Gesetz so erlaubt, so funktioniert Demokratie und die Gemeinschaft sollte es auch erlauben.
    Alle dürfen protestieren. in ihrer Form mit ihren Zielen
    Es ist Aufgabe der Politik zu erkennen, dass wir vielfältig sind. warum sollten wir Politik mit Gleichmacherei schonen? Für Gleichmacherei wird so extrem gekämpft, gleichzeitig wünschen sich aber Gehörlose auch als einzelne Menschen gesehen zu werden. Also was nun? Gleichmacherei oder Individuum? Dabei kommt das Argument immer wieder: Wenn wir verschiedene politische Wege gehen, könnten Politiker*innen “verwirrt” sein. Wir sollten aufhören uns zu prügeln, uns selber zu schwächen und Rechenschaft abzulegen, auch wenn es in diesem Fall eine Schwerhörige Person verlangt – mit welchem Recht eigentlich? Mal ist sie schwerhörig, betreibt Othering: „Ihr Gehörlose habt Problem mit uns Schwerhörigen.“ Mal ist sie Gehörlos: „In der DGZ sagt Steffen wir stehen vor Selbstmord (aha, also doch nicht schwerhörig? Plötzlich Teil der Gehörlosen-Community).

    Es ist Aufgabe der Politik gleichermaßen uns allen verschiedenen Menschen/Gruppen zuzuhören und nach Wegen suchen, allen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. Sie können Steffen anhören, DGB anhören und was weiss ich noch alles. .

    Deswegen: Danke an Eva für deinen tollen Beitrag

    • Sprach jemand mit einem anonymen Namen. Kann man nur klatschen 👍
      Ich fühle mich bei deinem Text einfach mal NULL angesprochen, weil Du gar nicht auf das eigentliche Problem, sondern auf den Hörstatus eingehst. Und bevor du mir mal Sh/mal GL vorwirfst, solltest du erstmal bei denen anfangen, die meinen, vorschreiben zu müssen, welchen Hörstatus man hat. Zudem habe ich mehrmals Umfragen gehabt, welche Bezeichnung besser ist, damit ich uns alle damit bezeichnen kann. Auch da kamen blöde Reaktionen. So hab ich für mich beschlossen, mich so zu bezeichnen, wie ichs grad im Moment für richtig halte und so zu gebärden, dass sich die Richtigen angesprochen fühlen. ✌️

      • Liebe Simone,

        Wir leben in einer freien Demokratie. Demonstrationsrecht ist ein wertvolles Grundrecht, die allen Menschen zusteht, egal zu welchem Thema. ALLE MENSCHEN dürfen demonstrieren, kämpfen auf ihre Art wie sie es für richtig halten. Ich finde auch nicht alle Dinge gut, die passieren. Ich finde zum Beispiel AFD entspricht NULL meinen Wertevorstellungen. Dennoch wurde AFD auf demokratischen Weg gewählt. Damit muss ich, wie viele andere Menschen auch, klar kommen. Steffen ist zwar nicht die AFD. Er hat von seinem Recht gebrauch gemacht. Ich muss die Art nicht gutheissen. So what? Ist er irgendwem eine Rechenschaft schuldig? Ich denke nicht. Warum? Weil wir alle können selber was tun. Allen steht es offen, ein anderes Konzept zu entwerfen, andere Wege zu gehen. Wenn ich mich nicht vertreten fühle und das tue ich auch nicht bei Steffen, dann suche ich mir einen anderen Weg, stecke meine Energien da rein und nicht in Gegenpostings. Wir haben die Freiheit zu demonstrieren, das ist ein Grundrecht, davon hat Steffen gebrauch gemacht. Die Art und Weise muss ich nicht gut finden, muss ich nicht unterstützen, auch das ist meine Freiheit. Ich verstehe noch immer nicht, warum diese Freiheit nicht anderen zugestanden wird, sondern ganz viel Energie in „Gegenaktionen“ gesteckt wird. Energien, die in Gestaltung dringend gebraucht werden und nicht, um sich gegenseitig zu „schwächen“. Power wird gebaucht, GESTALTUNG, konstruktive AKTIVITÄTEN. Diese Art von dir ist gut gemeint, zielt darauf ab auf ein AUGENÖFFNER zu sein. Doch geht es wirklich um Augenöffner bei der ganzen Sache? Hier geht es im Freiheit für Rechte zu Kämpfen, das ist Demokratie und Vielfalt. Auch du musst damit klar kommen, wie wir alle, ob wir das gut finden oder nicht. Ein Beispiel: Es gibt sehr viele Vereine, die sich für Interessen von Queeren Menschen einsetzen, sie wähle unterschiedlichste Strategien, wähle unterschiedliche Ziele, um zu ihren Rechten zu kommen. Tierschutzvereine genauso. So viele Vereine mit unterschiedlichen Kämpfen. Und noch viel viel mehr. Es ist Aufgabe der Politik genauer hinzuschauen, nachzufragen, Informationen zu sortieren, abzuwägen, auf Gesetze zu schauen.

      • Deine Selbstbezeichnung in Ehren. Natürlich darf jeder Mensch wählen, wie die eigene Selbstbezeichnung lautet. Hier wird die Selbstbezeichnung (mal schwerhörig, mal Gehörlos) nicht in Form von zugehöriger Identität genutzt, sondern dient einem anderen Ziel: Das Recht sich über andere zu erheben. Wie ich darauf komme? Vor einigen Tagen hattest du einen Post, darum ging es: Dass Gehörlose wenig Informationen erhalten, mangelnde Bildung hattest du auch angesprochen, alles richtig, doch im nächstem Atemzug angeklagt, warum Gehörlose sich schwer tuen würden, dass Schwerhörige diesen Mangel an Informationen ausgleichen würden, sie deine Infos nicht immer gerne annehmen würden, sondern du auf Teils harsche Gegenwehr gestoßen bist. Es suggerierte klar: „Seid doch froh, dass ihr mich habt, denn ich meine es doch nur gut mit euch.“ Viele haben kommentiert, dir Feedback gegeben, das Ganze perlte nur so von dir ab. Schade. Irgendwann danach kam von dir die Rückmeldung zur DGZ, zwei Sätze wurden heraus gepickt, Klare Betroffenheit war zu sehen, Die Rückmeldung erfolgte mit der Begründung, Teil der Community zu sein und so das Bild nicht für sich annehmen können. Paar Tage vorher war noch, du als Schwerhörige in der Rolle der Informationsträgerin für Gehörlos von dir gegenüber gestellt, also von „Ihr Bösen GL, die mich verurteilt wegen meiner Schwerhörigkeit,“ hin zu, „ich bin Gehörlos und fühle mich betroffen von Steffens Aussagen in der DGZ.“ Identitäten wählen, wie sie gerade gebraucht werden, um sich über andere zu erheben, sind keine Identitäten, sondern dienen einem ganz bestimmten Mittel. Das ist das Ergebnis einer, wie die Gehörlosengemeinschaft ausdrückt: „Typisch Schwerhörige“. Es geht nicht darum, dass Schwerhörige, was hören können oder mehr Infos haben, sondern Identitäten wählen, wie es gerade passt mit bestimmten Ziel. Leider kein Einzelfall und noch schlimmer: Es ist eine Haltung, die anerzogen wurde, also viele Schwerhörigen sind selber Opfer, ohne es wirklich zu merken. Vielleicht denkst du darüber nach, obwohl ich wenig Hoffnung habe, weil die Erfahrung zeigt, Menschen, die gerne belehren, wollen selber nicht belehrt werden. Du kannst natürlich dabei bleiben sich „NULL angesprochen“ fühlen. Auch dein gutes Recht.

  5. Der Spaltpilz des ganzen ist und war in der Gesellschaft der Tauben und Schwerhörigen immer der Mangel das auszudrücken was man eigentlich meint.
    Wir (die GL/SH) durchlaufen die sachliche und fachliche sowie die mündliche oder gebärdensprachliche Prüfung einer Aussage gleich 4x intern (sachlich/fachlich/mündlich und Gebärdensprachlich) um dann schlussendlich in der Welt der Hörenden als recht schwierig wenn nicht gar dumm dargestellt zu werden.
    Das macht man in der Regel 2-3x dann radikalisiert man sich oder resigniert.

    Was ist ein Lösungsansatz hierfür ?
    1) Schaffung einer Task Force zu Bekämpfung von Sprachhindernissen.
    Ungeachtet der Tatsache ob jemand Taub oder Hörbehindert ist, ( mündlich oder Gebärdensprachlich ist ) sollte es Ziel sein in der Schule bis zur 9 oder 10 Klasse einen normalen schriftlichen Text mit Subjekt Objekt und Prädikat zu verfassen.
    Hier liegt ein großes Hindernis im späteren Leben teilzunehmen!
    2) Bildung von Anlaufstationen wo aktuell Sprachbeeinträchtigte oder Gebärdensprachliche Menschen Ihr Anliegen vortragen können und verstanden werden.
    Hier kann dann auch ein erstmaliges Sondieren und eine Aufklärung des Sachverhaltes durch geschultes Personal geben.
    3) Beschaffung und Bereitstellung von Informationen über Rechtlichen Ressourcen. ( Wer unterstützt mich bei welchem Anliegen und wie ist der Weg dahin)
    Nutzen des aktuell schon vorhandenen Rechtlichen Rahmens in der
    Teilhabe – Bildung /Arbeit/Freizeit bei den zuständigen Institutionen. (Beispiel Hessen LWV-Hessen / Integrationsfachdienst )
    4)Zusammenführung der Anliegen in Bezug auf Barrierefreiheit auf einer zentralen Ebene ( könnte durch GL/ SH in einem Wahlverfahren bestimmt werden) und Einbringung dieser in einer Petition im Deutschen Bundestag. Ausweitung und Bündelung der Lobbys und Öffentlichkeitsarbeit auf dieser Ebene.

    Mir ist klar das da eine riesige Masse an Arbeit und Organisation dahinter steckt und man auch meinen Schrieb gleich in die Tonne kloppen kann oder ihn zerreißt …. aber er ist einer der wenigen strategischen Verfassungen dieser Tage , und meiner Ansicht nach der einizge Weg zum Ziel zu kommen.
    LG Gerd Münzer

  6. Das Thema ist brennender denn je! Zusammenkommen, gemeinsam gebärden und austauschen sind zentrale Schritte, doch was wird jetzt nun daraus? Wohl nichts, überall sehe ich nur gespaltene Händen.
    Auch in nächster Zeit wird es weiterhin Streit geben, jeder wird anderen Schuld schieben…..Das war schon immer so gewesen, früher (GL-Cafe) wie heute (Instagram / Facebook). Das bedeutet automatisch, jeder sind Bremsklötze und das ist nicht entwicklungsförderlich.

  7. Bisschen kompliziert erklärt vorher, aber wichtig zu verstehen in meinen Augen: Wie schön ist doch die Regenbogenfahne mit ihren bunten Farben. Immer mehr ist diese Fahne zu sehen überall. „Mit einer solchen Fahne wird in zahlreichen Kulturen weltweit die Stimmung für Aufbruch, Veränderung und Frieden ausgedrückt. Sie gilt auch als Zeichen für Toleranz und Akzeptanz der Vielfalt von Lebensformen und der Hoffnung und der Sehnsucht.“ (Wikipedia)

    Wir alle lieben die Bedeutung dieser Fahne, auch in der Gebärdensprachgemeinschaft, denn wir sehnen uns auch als vielfältigen bunten Teil der Gesellschaft mit unserer Gebärdensprache wahrgenommen zu werden. Wir kämpfen lange, hart, bitter um Sprachenvielfalt. Wir möchten, dass unsere Sprache und Kultur endlich den selben Wert hat, wie alle anderen Sprachen und Kulturen auch. Wir als Taube Menschen vollwertig gesehen werden und nicht nur auf unsere Tauben Ohren oder für alle interessante Gebärden (aber als Menschen werden wir nicht gesehen) reduziert werden. Wir sehnen uns danach, dass wir endlich überall Zugang haben zu Informationen in DGS, wir wünschen uns für unsere Tauben Kinder in allen Familien, dass DGS gefördert wird und der Kampf, der Schmerzen, die durch die Ablehnung (vor allem durch Kostenablehnung) der DGS aufhört, wir wünschen uns, dass wir Taube Menschen mit gestalten können, wir als Expert*innen gesehen werden, wir mit unseren Talenten arbeiten können, wie alle Menschen auch, Im Arbeitsleben wünschen wir uns freie Berufswahl, wir uns Weiterbilden dürfen ohne um Kosten für die Übernahme für Dolmetschende betteln zu müssen durch komplizierte Anträge. Als Familie wünschen wir uns mit hörenden Eltern an Schulen unserer Kinder austauschen können, auch mal Grillabend verbringen zusammen und viel mehr. So viele Wünsche und Sehnsüchte haben wir alle. Unsere jeweiligen, Bedürfnisse, Wünsche und Sehnsüchte sind unterschiedlich und bunt, manchmal widersprechen sie sich, manchmal ergänzen sie sich super, so viele Möglichkeiten an Vielfalt. Bunte Vielfalt ist schön, doch sie hat auch eine andere Seite: Sie kann extreme Angst machen, weil das Gefühl da ist den Überblick verloren zu haben. Vielfalt kann bei manchen Menschen das Gefühl von Unsicherheit provozieren. Mit Vielfalt haben manche Menschen das Gefühl, es fehlt an Orientierung in dieser immer mehr kompliziert werdenden Welt. Es gibt sogar (rechte) Parteien, die gegen Vielfalt kämpfen deswegen. In unserer Gebärdensprachgemeinschaft äußert sich die Angst/Unsicherheit anders: Wir fangen uns an gegenseitig zu belehren, anzugreifen, manche sagen Piranha-Theorie. Piranha-theorie ist nur ein Symptom, sie ist ein großer Teil Angst vor Vielfalt und Individualität.

    Was hat das alles mit diesem aktuell an Konflikt zu tun? Auch die Gebärdensprachgemeinschaft selbst ist und war schon immer vielfältig. Diese Vielfalt durch Soziale Medien immer mehr sichtbarer. Immer wenn ein Streit aufkommt, fällt sofort das Wort: SPALTUNG! Die Konflikte sind keine Spaltungen, sondern die falsche Vorstellung davon, wir wären eine einheitliche Gruppe, also das Gegenteil von Vielfalt. Einheitliche Gruppe in Denken, Handeln, Ideen und Zielen, so haben viele die Vorstellung von unserer Gemeinschaft, manche wünschen sich das unbedingt und kämpfen um Einheitlichkeit vergebens. Einheitlichkeit ist nicht die Realität der Gebärdensprachgemeinschaft. Die Realität ist, wir sind bunt. Es ist gut und richtig, dass unsere Gebärdensprachgemeinschaft vielfältig ist, es ist ein Zeichen, dass die Gemeinschaft gesund ist, doch wir müssen lernen diese Vielfalt mit neuen Augen zu sehen, sie als Bereicherung zu sehen, nicht als Bedrohung oder Spaltung. Steffen hat seine Art seinen Weg politischen Protest auszudrücken, das ist okay. DGB geht einen anderen Weg, auch das ist super, andere kämpfen als einzelne Aktivist*innen, das ist auch erlaubt. Alle auf ihre Art und Weise unterschiedlich, aber gleich wertvoll. Das alles ist KEINE SPALTUNG, das ist gelebte Demokratie und gelebte Vielfalt.

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