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a11y-Score: Barrierefreiheit sichtbar machen – auch für Taube?

Der Verein Sozialheld*innen e.V. hat mit dem a11y-Score ein Tool gelauncht, das Barrierefreiheit in Deutschland – für Bundesländer, 418 Kreise und kreisfreie Städte sowie bundesweit – über einen Punktwert zwischen 0 und 100 sichtbar und vergleichbar macht. „a11y“ – gesprochen „Ellie“ – ist die Kurzform von „accessibility“ ; die „11″ steht für die elf Buchstaben zwischen a und y.

Grundlage sind offene Geodaten aus OpenStreetMap, in die Freiwillige, Behörden und Organisationen Merkmale zu einzelnen Orten eintragen.

Auf der Webseite wird als Beispiel für bestehende Barrieren explizit das Fehlen von Kulturangeboten in Gebärdensprache genannt, und bei den Datenlücken heißt es ausdrücklich: An vielen Orten in Deutschland fehlen noch Informationen zu Gebärdensprache, Leichter Sprache und medizinischer Versorgung – im Gegensatz etwa zur Mobilitäts-Barrierefreiheit an Bahnsteigen, die schon gut erfasst ist.

Tatsächlich führt der a11y-Score bereits einen eigenen Abschnitt zu Gebärdensprache und Hörbehinderung, der zeigt, wie tief diese Lücke reicht: Der aktuelle Teil-Score für „Hören“ liegt europaweit bei nur 39 von 100 Punkten – berücksichtigt werden dabei unter anderem Induktionsschleifen, Gebärdensprachangebote und weitere Merkmale, die speziell für gehörlose Menschen relevant sind.

Der Score wertet gezielt nach Themen und Merkmalen aus, wie es das Beispiel „Sehen“ im Pressetext zeigt – dieselbe Logik lässt sich, wie der eigene Gebärdensprache-Abschnitt belegt, auch auf „Hören“ anwenden, sobald ausreichend Daten vorliegen. Genau daran hakt es aber noch: Gebärdensprach-Angebote existieren zwar vielerorts, sind jedoch schlecht auffindbar und in der offenen Karte kaum dokumentiert – die Erfassung und Aufbereitung ist längst nicht so weit fortgeschritten wie bei Rollstuhlgerechtigkeit oder taktilen Leitsystemen.

Genau hier liegt der praktische Nutzen des Tools für Gehörlose und Hörbehinderte. Da wichtige Grundbedürfnisse wie Gesundheitsversorgung im Score stärker gewichtet werden, würde fehlende Gebärdensprach- oder Schriftdolmetschung in Arztpraxen und Ämtern besonders ins Gewicht fallen. Diese Sichtbarkeit der Lücken soll zur Datenerhebung motivieren: So wie Wheelmap die Erfassung von Rollstuhlgerechtigkeit vorangetrieben hat, könnte ein niedriger, öffentlich einsehbarer Teil-Score „Hören“ Verbände, Kommunen und Ehrenamtliche dazu bringen, gezielt Merkmale wie Induktionsschleifen oder Gebärdensprachangebote in OpenStreetMap nachzutragen.

Da Regionen und Ortstypen zudem vergleichbar gemacht werden, könnten Kommunen mit schwachem „Hören“-Teilscore sich an besser abschneidenden Regionen orientieren und gezielt investieren. Der a11y-Score macht damit für den Bereich Hörbehinderung aktuell vor allem eines transparent: nicht die Barrierefreiheit an sich, sondern die fehlende Datenlage zu Gebärdensprache ist das Problem, das zuerst sichtbar gemacht werden muss – als notwendiger erster Schritt, bevor der Score für diese Zielgruppe wirklich aussagekräftig wird.

Tags: a11y, Barrierefreiheit, OpenStreetMap, Sozialhelden, Wheelmap

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