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Als Teenager hatte Francis Anwana keine Sprache, konnte nicht mit seiner Familie kommunizieren, konnte weder schreiben noch lesen und wusste nicht mal seinen eigenen Namen.

Sein Vater, Edet Anwana, wusste, dass Francis ohne Sprache und ohne Bildung keine gute Zukunft haben könnte. Francis und sein Vater wanderten 1983 aus Nigeria in die USA aus. Dort besuchte Francis eine lutherische Gehörlosenschule in Detroit, Michigan, wo er die Amerikanische Gebärdensprache (ASL) lernte und sich mit seinen Mitschülern anfreundete.

Heute wohnt der inzwischen 48-Jährige in einer Pflegeeinrichtung für Erwachsene. Als tauber und kognitiv beeinträchtigter Mann fällt es ihm schwer, Arbeit zu finden und ein selbstständiges Leben zu führen. Die Situation ist für ihn umso schwieriger, weil er kein Recht hat, in den USA zu leben oder zu arbeiten.

Nach seiner Schulung war sein Bildungsvisum abgelaufen, was für ihn zu verhängnisvollen Konsequenzen führte. Ein Antrag auf Asyl wurde 2006 gestellt und vom ICE abgelehnt, weil er schon ohne Genehmigung in den USA gelebt hatte. Seit 2008 hat er sich jedes Jahr mit Einwanderungsbeamten getroffen, die seine Abschiebung jedes Mal um ein Jahr verschoben haben.

Dieses Jahr kam jedoch plötzlich eine Nachricht, dass er am 11. September zurück nach Nigeria abgeschoben werden solle. Er hatte weniger als eine Woche, um sich darauf vorzubereiten — doch dann haben die ICE-Beamten den Abschiebungstermin verschoben, um mit ihm am 21. September ein Treffen zu vereinbaren.

Freunde von Anwana haben eine Webseite erstellt, um auf seine Notlage aufmerksam zu machen. Auf dieser Webseite wird erklärt, dass seine Abschiebung einem Todesurteil gleichkäme. Auf der Webseite steht ein Zitat von Dr. Paulina Ajavon aus ihrer Overview of Deaf Education in Nigeria („Übersicht der Gehörlosenbildung in Nigeria“): 

„[Behinderte] in Nigeria haben eine Geschichte der Vernachlässigung und Marginalisierung innerhalb ihrer Familien und Gemeinschaften. In der Tat wurden [Behinderungen] als eine Form der Gottesstrafe betrachtet, und von einigen werden sie immer als solches gesehen.

Ferner haben sie auf der Webseite geschrieben, wie sie sich seine Abschiebung und deren Wirkung auf ihn vorstellen.

Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie diese Abschiebung ausgeht: Francis versteht aufgrund seiner kognitiven Einschränkungen seinen Einwanderungsstatus nicht. Er würde aus seinem Haus geholt werden, ohne die meisten seiner Habseligkeiten mitnehmen zu können und würde der Einwanderungs- und Zolldurchsetzungsbehörde (ICE) überlassen werden, verwirrt und ängstlich. Ihm würde ein Flug nach Nigeria besorgt werden; doch ohne die Fähigkeit sich durch einen hektischen Flughafen zurechtzufinden, und unter extremer Belastung, würde Francis seinen Platz nur schwer finden können. Als er in Nigeria ankäme, wäre Francis verzweifelt. Es ist nicht bekannt, ob ICE jemanden zur Verfügung stellen würde, der ihn am Flugsteig treffen würde und ihm dabei unterstützen würde, sich in ein Land einzuleben, das er seit über 30 Jahren nicht mehr betreten hat. Und er ist taub. Aufgrund der mangelnden Kenntnisse der amerikanischen Gebärdensprache unter [hörenden US-Amerikanern] kann er kaum mit seinen amerikanischen Mitmenschen kommunizieren [geschweige denn mit Menschen in Nigeria]. Geld und Medikamente, mit denen er angekommen wäre, würden schnell alle sein. Er wäre leichte Beute für Trickbetrüger, die nach den Schutzlosen suchen. In Nigeria gibt es kein sinnvolles Sicherheitsnetz für ihn. Francis würde auf den Straßen enden. Ohne notwendige Medikamente würde er sich verschlechtern. Kurz gesagt, würde die Abschiebung zu seinem Tod führen.

In einem Facebook-Post hat Diane Newman, eine ehemalige Lehrerin von Anwana, ihre Freunde dazu aufgerufen, ihre Vertreter im Kongress anzurufen, um ihn zu Unterstützen. 

Ich lächle, wenn ich daran denke, dass mein demütiger und bescheidener Freund, Francis, wirklich nicht versteht, dass seine Situation über alle Nachrichten und sozialen Medien verbreitet wurde, und dass besorgte und großzügige Leute sich zusammengeschlossen haben, um ihm zu helfen und ihn zu unterstützen. Ich weiß, dass er weiterhin ruhig und friedlich in dem Land leben möchte, in dem er seit über 35 Jahren lebt“, schrieb sie.

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