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Die Berufskarriere des hörbehinderten Florent Demolli aus Schorndorf klingt zu schön, um wahr zu sein, zumindest seit August 2015. Damals hat er seine Ausbildung als Feinwerkmechaniker im Berufsbildungswerk der Paulinenpflege Winnenden begonnen. Im Frühjahr 2019 hat er diese erfolgreich abgeschlossen und übergangslos einen Job bei der Firma Cleanfix Hägele GmbH in Schorndorf bekommen. So geradlinig war sein Berufsleben nicht immer: „Vor meiner Ausbildung im BBW Winnenden ging es ziemlich auf und ab. Nach dem Hauptschulabschluss war ich ab 2006 an einer Berufsfachschule, 2009 am Berufskolleg Gesundheit und Pflege. Das habe ich abgebrochen. Der Schwerpunkt Gesundheit und Pflege war einfach nichts für mich“, erzählt der 29-jährige Feinwerkmechaniker. Danach hat er vieles ausprobiert, war auch lange arbeitslos.

Mit 25 Jahren startet er seine dreieinhalbjährige Ausbildung im BBW Winnenden. „Das erste Lehrjahr war hart. Ich musste mich wieder ans frühe Aufstehen gewöhnen und mein gesamtes Leben umstellen. Aber ich wollte die Ausbildung auf alle Fälle durchziehen. Ich wollte kein Hartz 4 beziehen. Ich habe auch gemerkt: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Im 2. Lehrjahr hat es dann Klick gemacht und es kam der Spaß bei der Arbeit dazu. Da wusste ich dann: Das ist mein Beruf!“, erinnert sich Florent Demolli. Das lag zum einen daran, dass Florent Demolli gerne an den CNC-Maschinen arbeitet, zum anderen auch an seinen Ausbildungsmeistern: „Die Meister hier sind echt top. Sie nehmen sich viel Zeit und haben mich sehr motiviert“. Das Lob geben Demolllis Ausbildungsmeister Wolfgang Künzl und Oliver Zivkovic auch zurück: „Florent hat hier den Teamgeist gefördert und hatte bei vielen Azubis einen Vorbildcharakter.“

Im 3. Lehrjahr macht Florent Demolli dann ein Praktikum bei der Firma Cleanfix Hägele GmbH. Die Meister dort sind von Florent Demollis Leistung so angetan, dass er nach Beendigung seines erfolgreichen BBW-Ausbildungsabschlusses nicht mal eine Bewerbung schreiben muss. Seit März 2019 arbeitet er in seinem früheren Praktikumsbetrieb, ist nun sogar nach kurzer Zeit zusammen mit seinem Meister dort Ansprechpartner für hörbehinderte Praktikanten.

Die Ausbildung im BBW Winnenden kann er nur empfehlen: „Hier bekommt man als hörbehinderter Azubi viel mehr Unterstützung als in Betrieben – egal ob bei der Ausbildung in der Werkstatt oder auch im Unterricht an der BBW-Berufsschule. Das was man hier lernt, ist eine wichtige Grundlage auch für anspruchsvollere Arbeit in Metallberufen. Da kann man sehr gut drauf aufbauen.“ Sozialpädagogin Jana Ries aus dem Sozialdienst-Team ist derzeit im Rahmen der sechsmonatigen Nachbetreuung weiterhin für Florent Demolli zuständig und Ansprechpartner für den Ex-Azubi und die Firma. „Ich frage bei Florent Demolli regelmäßig nach, ob alles klappt. Auch Firmen kann ich bei Bedarf unterstützen u.a. mit Tipps im Umgang mit Gehörlosen oder mit Infos zum Arbeitgeberservice des Jobcenters“. Auch wenn bisher alles problemlos läuft, ist für Florent Demolli diese Anbindung wichtig: „Ich weiß dann auf alle Fälle, an wen ich mich wenden kann.“ Sehr wichtig war der Sozialdienst auch schon während seiner Ausbildung. So hat sich Florent Demolli nach einem Hörsturz für eine Cochlea-Implantat-OP entschieden. Hier wurde er im Vorfeld von Jana Ries und auch seinem Meister Oliver Zivkovic beraten. Beide sind Audioberater. Jana Ries hat dann die Absprachen mit der Arbeitsagentur getroffen, damit die mehrwöchige Fehlzeit nach der OP während der Ausbildungszeit genehmigt wurde. „Ich bin froh, dass ich damals unterstützt wurde. Durch mein Cochlea-Implantat hat sich mein Hörvermögen deutlich verbessert. Dadurch klappt auch die Kommunikation am Arbeitsplatz besser“, freut sich Florent Demolli.

Für den stellvertretenden BBW-Ausbildungsleiter Selmar Ehmann ist Florent Demolli ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig der Rahmen eines Berufsbildungswerks auch für junge Erwachsene ist, die zunächst mal auf dem Berufsweg gestolpert sind: „Es freut mich, wenn ich sehe, dass jemand, dessen berufliche Laufbahn bereits von einigen Abbrüchen gekennzeichnet war, bei uns eine ganz neue Zukunftsperspektive eröffnet bekommt. Das motiviert uns Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, auch zukünftig die bestmögliche Ausbildung zu bieten“.

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