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Menschen mit Hör- und Sprachbehinderungen sollen bald leichter einen Notruf bedienen können. Ende Juli wird dazu eine neue App „nora“ bundesweit freigeschaltet, teilte das nordrhein-westfälische Innenministerium mit, das die Projektführung für alle Bundesländer übernommen hat. Demnach fragt die App zunächst, ob man Feuerwehr oder Polizei braucht, oder ob es sich um einen medizinischen Notfall handelt. Per Knopfdruck können dann mehrere Möglichkeiten ausgewählt werden. Durch die Ortungs-Funktion des Handys wird der Notruf automatisch an die örtlich zuständige Leitstelle geschickt.

Die Testphase der Notruf-App des Bundes „nora“ hat im April 2021 begonnen. Deutscher Gehörlosen-Bund e.V. hat die Entwicklung der App mit großem Interesse und mit etwas Sorge verfolgt und am 14. Juli 2021 eine Stellungnahme veröffentlicht.

Bis jetzt hat DGB sich in Beraterfunktion an zehn Sitzungen der „Task-Force Barrierefreiheit“ beteiligt und sieben Gesprächsrunden per Zoom-Videokonferenz durchgeführt, um sich mit den Landesverbänden über dieses Thema auszutauschen.

 

Für den Deutschen Gehörlosen-Bund mit seinem dreiköpfigen Fachteam „Notruf“ und seinen 16 Landesverbänden der Gehörlosen sind die Zwischenergebnisse der Entwicklung der Notruf-App des Bundes „nora“ nicht zufriedenstellend.

Bei der Notruf-App „nora“ sind einige Anforderungen mit dem verbesserten Update vom 21.06.2021 erfolgreich erfüllt worden: Ortung (GPS-Funktion), textbasierter Chat, Piktogramme, Abfragebaum, stiller Notruf, Android/iOS, Kostenfreiheit, direkte Verbindung zur Leitstelle. Die App „nora“ ermöglicht, mit geringer Datenrate bzw. Bandbreite (EDGE) einen Notruf abzusetzen. Für Menschen mit Hörbehinderungen, die keine Gebärdensprache beherrschen und den Notruf nicht in Lautsprache absetzen können, ist die Notruf-App „nora“ eine geeignete Lösung für einen Zugang zu Notdiensten. Allerdings fehlt die Möglichkeit zur Nutzung von Videotelefonie in Gebärdensprache.

Die über zehn Jahre lang erhobene Forderung des Deutschen Gehörlosen-Bundes, dass es möglich sein muss, Notrufe in Deutscher Gebärdensprache abzusetzen, ist bedauerlicherweise nicht umgesetzt worden. Die Bedarfe bzw. Bedürfnisse von Gehörlosen und anderen Menschen mit Hörbehinderungen sind in Bezug auf die Nutzung der Gebärdensprache nicht ganz berücksichtigt worden.

Bei der vom DGB organisierten Fachtagung „Barrierefreier Notruf“ am 29.11.2016 in Berlin zeigten die Ergebnisse einer Umfrage deutlich, dass die überwiegende Mehrheit der Gehörlosen sich wünscht, direkt mit der Notrufabfragestelle in Deutscher Gebärdensprache kommunizieren zu können. In der Resolution zum barrierefreien Notruf vom 24.10.2016, die der Deutsche Gehörlosen-Bund, der Deutsche Schwerhörigenbund und die Deutsche Gesellschaft der Hörbehinderten – Selbsthilfe und Fachverbände verabschiedet haben, wurde die Forderung aufgestellt, dass das Absetzen barrierefreier Notrufe über einen Telefonvermittlungsdienst sowohl in Gebärdensprache als auch in Schriftsprache möglich sein muss. Die Fachtagung hat sich als eine wichtige Unterstützung für die Entwicklung der Anforderungen an die neue Bundes-Notruf-App durch die Arbeitsgruppe erwiesen, in der die Vertreter/-innen aller Innenministerien der 16 Bundesländer und Expert/-innen von Notrufstellen zusammensitzen.

Die vollständige Stellungnahme als PDF können Sie hier lesen.

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BildquelleNomadSoul1 / envato elements

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