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CNN hat am 8. Oktober 2021 einen spannenden Artikel mit Filmbeiträgen über Linda Yuen Lambrecht, die für den Erhalt von der vom Aussterben bedrohte Hawaiianische Gebärdensprache kämpft, veröffentlicht.

Lambrecht wurde 1944 als Tochter einer chinesischen Arbeiterfamilie in Honolulu hochgradig taub geboren. Durch zwei ältere gehörlose Brüder, die die Gebärdensprache von ihren tauben Klassenkameraden gelernt hatten, kam sie von Geburt an mit Hawaiianischer Gebärdensprache in Berührung. Das war zu dieser Zeit eine Seltenheit. Die meisten gehörlosen Kinder wurden von hörenden Eltern geboren und hatten bis zum Schuleintritt keinen Zugang zu irgendeiner Sprache, geschweige denn zu Hawaiianischer Gebärdensprache.

Lambrecht und ihre Brüder besuchten die heutige Hawaii School for the Deaf and the Blind (HSDB). Als sie 1914 eröffnet wurde, trug sie den Namen The School for the Defectives.
Die Schule verwendete den oralistische Unterrichtsmethode. Der Oralismus zielte darauf ab, Gehörlose durch Unterdrückung der Gebärdensprache in die Gesellschaft einzugliedern.

Die Hawaiianische Gebärdensprache wurde verdrängt. Die weißen Lehrkräfte vom Festland brachte die Amerikanische Gebärdensprache (ASL) mit. Doch beherrscht Lambrecht die Hawaiianische Gebärdensprache noch bis heute. Die Fachleute schätzen aber, dass die Zahl der fließend sprechenden Personen der Hawaiianischen Gebärdensprache im einstelligen Bereich liegt. Die Zeit läuft ab.

Lambrecht kämpft gegen das komplette Aussterben und bietet seit drei Jahren Kurse in Hawaiianischer Gebärdensprache in Honolulu an – zunächst präsent und seit Beginn der Covid-19-Pandemie auch online über Zoom.

Es gibt Beweise dafür, dass taube Menschen auf Hawaii seit Generationen mit einer selbst entwickelten Gebärdensprache kommunizieren, und zwar schon vor der Ankunft von Missionaren, Zuckerplantagen und den US-amerikanischen Menschen, die 1893 das hawaiianische Königreich stürzen sollten.

Die linguistischen Fachleute dokumentierten die Sprache jedoch erst 2013 offiziell, als Untersuchungen der Universität von Hawaii ergaben, dass es sich bei HSL um eine isolierte Sprache handelt: Sie entstand auf den Hawaii-Inseln und hatte keinen Einfluss von außen. Mehr als 80 Prozent des Vokabulars haben keine Ähnlichkeit mit der ASL. Die Ergebnisse waren der Startschuss für ein dreijähriges Projekt zur Dokumentation der Überreste der Hawaiianischen Gebärdensprache, das von Lambrecht und dem Linguistikprofessor James »Woody« Woodward geleitet wurde, der in den letzten 30 Jahren Gebärdensprachen in ganz Asien untersucht und dokumentiert hat.

Bis 2016 hatte das Team ein Videoarchiv aufgebaut und ein Manuskript für ein einführendes Handbuch und -Wörterbuch mit Illustrationen von Lambrecht entwickelt. Doch dann war die Zeit abgelaufen: Der Zuschuss des Dokumentationsprogramms für gefährdete Sprachen war ausgelaufen.

Woodward weiß, dass das Forschungsprojekt nicht ausreicht, um die HSL am Leben zu erhalten. »Es wird den Sprachwissenschaftlern helfen, die Sprache zu analysieren, aber es wird nicht dazu beitragen, die Sprache zu erhalten, wenn nicht mehr Menschen sie lernen«, sagt er.

»Es ist sehr ehrgeizig zu glauben, dass eine Person oder eine kleine Gruppe von Menschen in der Lage ist, hundert Jahre Unterdrückung zu überwinden oder den Sprachwandel, der zur Gefährdung der Sprache geführt hat, in kurzer Zeit zu ändern«, sagt die Linguistikprofessorin an der University of California, Santa Barbara.

Es ist auch nicht einfach, mehr Menschen dazu zu bringen, eine Sprache zu verwenden, die vergessen – oder ausgelöscht – wurde und mit traumatischen Erinnerungen daran verbunden ist, als minderwertig wahrgenommen zu werden.

Den ganzen Artikel können Sie bei CNN auf Englisch hier lesen.

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BildquelleCorinne Chin / CNN

1 KOMMENTAR

  1. Friesische Gebärdensprache ist vom Aussterben bedroht. Derzeit findet man diese faszinierte Sprache so gut wie selten, es sei denn, die nächste Generation interessiert sich nicht oder lernt überhaupt nicht.

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